Viel Stein, viel Stahl - aber bitte mediterran : Hemers Gartenträume für den nächsten Frühling

Hemer. Grau hängt der Herbst über Hemer. Dunst, Wolken, Nieselregen. Das volle Programm. Doch die Felsenmeerstadt im Märkischen Kreis, die 2010 eine Landesgartenschau ausrichten wird, hält mit aufmunternden Botschaften dagegen. „Pflücke den Tag!” steht am Ortseingang.
Hemer hat schon Frühlingsboten im Angebot. Hemer kennt schon die Gartentrends der nächsten Saison.
Auf dem Gelände der ehemaligen Blücher-Kaserne, die 2007 von der Bundeswehr freigezogen wurde, sind jetzt Lanschaftsarchitekten und Gartenbauer an der Arbeit. „Hier stand doch vor ein paar Monaten noch eine Panzerhalle”, staunt Dr. Karl Schürmann vom Verband für Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau NRW. Der Berufsstand, den Schürmann vertritt, hat einen zentralen Teil der Kasernenfläche zu Musterparzellen umgestaltet. Panzerhallen zu Reihenhausgärten.
Es war keine leichte Entscheidung für die Hagener Firma Borgmeier, sich mit einem eigenen „Erlebnisgarten” an der Landesgartenschau zu beteiligen. Die Geschäfte laufen mau. „Wir sind immer das letzte Gewerk, wenn das Haus schon steht und die Kasse leer ist”, sagt Gartenbauer Siegfried Borgmeier. Und dennoch hat seine Firma eine eigene „Truppe” nach Hemer beordert, wohlwissend, „dass die jetzt auch anderswo Umsatz machen könnte”.
INFO
IM KASERNENHOF
Die Landesgartenschau 2010 findet vom 17. April bis 24. Oktober in Hemer (Märkischer Kreis) statt.
Die zwölf Themengärten heimischer Gartenbaubetriebe sind ein zentraler Blickfang im früheren Hof der BlücherKaserne - auf den heutigen „Stadtterrassen”. Zusätzlich bieten dort eine Baumschule, ein Rosengarten und ein Freizeitgarten Anregungen für die heimische Gartengestaltung.
Das gesamte Gartenschaugelände ist 32 Hektar groß.
Die Themengärten bescheiden sich mit Flächen in der Größe von 100 bis 250 Quadratmetern.
Sie sollen damit annähernd den Grundstücksverhältnissen in modernen deutschen Siedlungen entsprechen.
„Aber”, seufzt Borgmeier, „wann hat man schon mal eine Gartenschau vor der Haustür.” Und so hat das Hagener Unternehmen richtig geklotzt und einen Vorzeigegarten für junge Familien entworfen. Weithin sichtbar ist das derzeit beste Klettergerät der Kaserne. Wer nächstes Jahr als Besucher den Satz zu hören bekommt, „Papa, so ein Baumhaus will ich auch”, der sollte nachschauen, ob er noch 12 000 Euro übrig hat.
Was gönnt sich der Deutsche denn sonst so hinterm Haus? Vielleicht den Badeteich aus Sandsteinmauern nebst Sandmulde für die Kinder? Stephan Sallermann aus Hagen hat diesen Gartentraum mit lauter hellen Pergolen eingefriedet. „Es muss ja alles mediterran sein, heute”, sagt er. Fünf Palmen werden im Frühjahr noch geliefert.
Traumurlaube im eigenen Garten, darauf setzt auch Wilfried Haarmann aus Soest. Er hat auf der Fläche eines kleinen Reihenhausgrüns alle Register gezogen - mit Wandbrunnen, Nebelbecken, Moonlight-Kugeln und Schatten spendenden Konstruktionen aus Edelstahl. „Wir ersetzen hier die warmen Länder”, sagt er selbstbewusst.
Was auffällt in den Mustergärten, ist der Kontrast mediterraner Farben zu einer erstaunlichen Kühle und Sachlichkeit von Form und Material. Viel Stein trägt der Garten 2010. Bäche fließen schon mal durch Edelstahlläufe. „Vor 20 Jahren war alles mehr rundlich, organisch. Heute ist es straight und klar, die Linien werden aber von der Bepflanzung überspannt”, erklärt Raimund Klute aus Sundern. Sein Garten bietet zum Entspannen abseits von allem eine Steininsel - inmitten einer großen Wasserfläche.
Eindeutig im Trend ist die tiefergelegte Grillecke. Nischen, Mulden, zweite Ebenen. Der kleine Garten der Neuzeit muss ganz schön viel auf einmal bieten.
Und was kostet so ein ganz eigener Garten? „Ich sag' immer, ,so viel wie ein Auto'”, hält sich Günter Herßebroick aus Lüdenscheid bedeckt. Meint er einen Kleinwagen, meint er eine Nobelkarosse? Landschaftsarchitekten lassen gern Spielräume. Auch bei den Zahlen.















