Diätwahn auf Laufstegen : Deutsche Mode braucht keine Magermodels

Berlin/Düsseldorf. Keine Magermodels auf deutschen Laufstegen: Die nationale Modebranche beteiligt sich am Kampf gegen den Diätwahn. Richtig weh tut die neue Selbstverpflichtung niemandem: Deutsche Kunden lockt man sowieso nicht mit Größe 32.
Ähnlich wie in anderen westeuropäischen Ländern hat sich die Branche jetzt auch in Deutschland auf eine „Nationale Charta” geeinigt: Models müssen mindestens 16 Jahre alt sein und einen Körpermaß-Index von 18,5 haben.
„Es hat uns nicht weh getan, dass zu unterzeichnen”, sagt Torsten Fuhrberg, Sprecher des Verbands lizensierter Modelagenturen (Velma). „Wir machen sowieso mit Größe 36 den meisten Umsatz.”
Kleider für normale Menschen gefragt
Der Trend zu immer kleineren Konfektionsgrößen wie ihn Diätstars im Stil von Nicole Richie oder Victoria Beckham fördern, hat es in Deutschland, Österreich und der Schweiz nach wie vor schwer.
Mit der international angesagten „Doppelnull” (kleiner als Größe 32) könne man hierzulande kaum Gewinne machen, so Fuhrberg. Im Gegenteil: Firmen wie der Kosmetikhersteller „Dove” werben in Deutschland erfolgreich mit normalgewichtigen, teilweise auch deutlich älteren Models.
Auch bei der deutschen Modemesse Igedo, die am 27. Juli in Düsseldorf beginnt, laufen traditionell keine Hungermodells mit: „Unsere Models sind alle dünn, aber jenseits von einem Body-Mass-Index von 18”, sagt Igedo-Sprecher Thomas Kötter. „Die Models haben mindestens Größe 36.”
Nicht für die Diätprominenz gemacht
Auch die Kollektionen, die in Düsseldorf auf den Laufsteg kommen, seien „konsumiger” als die Haute Couture von Mailand, Paris und London. Heißt: Für normale Menschen gemacht, nicht für die überspannte Diätprominenz.
Die Nationale Charta gegen Magermodels wird auf den deutschen Laufstegen kaum etwas ändern, weil halb verhungerte Mädchen bereits jetzt hier praktisch nicht auftauchen - da sind sich die Unterzeichner einig. Die Charta hat eher Symbolkraft, aber: „Man wird keine Paris Hilton aus den Gazetten bekommen, nur weil sie zu dünne Arme hat”, sagt Kötter.
Unklar ist zudem, wie weit sich die deutschen Modefirmen bei ihren Modeschauen und international besetzten Werbe-Shootings verhalten: Zwar hat der Dachverband für alle 267 Mitglieder unterzeichnet - doch ob sich die Marktstrategen von Aigner über Hugo Boss bis Esprit und Schiesser an die Vorgaben halten, kann niemand sagen.
Lagerfeld verteidigt Einsatz dünner Models
Hinzu kommt: Die Charta bindet nur die Unterzeichner. International erfolgreiche deutsche Designer wie Karl Lagerfeld buchen ihre Models weder bei deutschen Agenturen, noch kommen sie auf die deutschen Laufstege. Lagerfeld hatte immer wieder den Einsatz von extrem dünnen Models verteidigt.
Vor knapp zwei Jahren war das Brasilianische Model Ana Carolina Reston an Magersucht gestorben. Die 21-Jährige wog bei einer Größe von 1,74 Metern nur noch 40 Kilo. In den kommenden Monaten reagierte die Branche in Spanien, Italien, Frankreich, Österreich und Großbritannien mit Selbstverpflichtungen gegen den Diätwahn.
In Spanien müssen Models einen Body-Mass-Index von 18 erreichen. Bei einer Körpergröße von 1,75 dürfen Models hier nicht leichter 56 Kilo sein.
In Österreich einigte sich die Branche im letzten Jahr darauf, nur Kleidungsstücke ab Größe 34 in den Kollektionen aufzunehmen. In Frankreich trat im April ein Gesetz in Kraft, das die „Anstiftung zur Magersucht” mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft.
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