Zu wenig Frauen gehen zur Früherkennung
21.10.2010 | 17:15 Uhr 2010-10-21T17:15:00+0200
Dortmund. Vor fünf Jahren wurde in Westfalen-Lippe der Aufbau eines flächendeckenden Mammographie-Screenings gestartet. Jede Frau im Alter zwischen 50 und 69 soll sich auf Brustkrebs untersuchen lassen. Das Fazit: Im Schnitt 57,5 Prozent der Betroffenen gehen zur Früherkennung - es könnten mehr sein -, hervorragende bildgebende Diagnostik entdeckt immer kleinere Tumoren, die somit früher und brustschonender operiert werden können.
Sensationell jedoch war, darüber waren sich gestern die beteiligten Akteure einig, die Geschwindigkeit, mit der das lebensrettende System in Westfalen-Lippe installiert werden konnte. Innerhalb von vier Jahren war die Region überzogen mit 45 Mammographie-Zentren, nun sind es 48. Bundesrekord, und auch im internationalen Vergleich kaum zu schlagen. Großbritannien, immerhin ein Gebilde mit zentralem staatlichem Gesundheitssystem, brauchte neun Jahre. Deshalb konnte Dr. Wolfgang Aubke von der Kooperationsgemeinschaft Mammographie zufrieden zurückblicken: „Wir haben eine gewaltige Arbeitsleistung erbracht. Ich bin fest überzeugt, dass die Früherkennung von Brustkrebs zu einer deutlichen Senkung der Sterblichkeit führt.” Dass durch Früherkennung weniger Frauen an Brustkrebs sterben, lasse sich jedoch sicher erst nach acht bis zehn Jahren nachweisen. „Aber wir sind ein gutes Stück weitergekommen.“
Bereitschaft auf dem Land größer
„Entwicklungsfähig”, so Dr. Wolfgang-Axel Dryden von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), ist die Teilnahme der Frauen. Auffallend: Während Städte wie Gelsenkirchen (45 %) und Bochum (49 %) unterdurchschnittliche Beteiligung aufweisen, gehen die Frauen auf dem Land bereitwilliger zur Früherkennung. „Sie sind sicherlich gesundheitsbewusster”, meint Dryden. Derzeit analysieren Mediziner und Verbände, warum die Region die von der EU vorgegebene „Traumquote” von 70 % (Dryden) nicht erreicht. So haben Ballungsräume eine andere Zusammensetzung, große Probleme haben die Mediziner, Frauen mit Migrationshintergrund oder schlechterer Bildung zu erreichen oder Frauen aus anderen Kulturkreisen.
Auf dem Land, hat Prof. Dr. Walter Heindel festgestellt, funktioniert ein enges soziales Netz. „Wenn ich einen Krebsfall feststelle, weiß es sofort das ganze Dorf ”, sagt der Leiter des Referenzzentrums Mammographie Münster. Entsprechend wächst die Bereitschaft zur Früherkennung.
Sehr kleine Befunde
viel früher entdecken
Heindel und seine Mitstreiter appellieren an die Frauen, den lebensrettenden „Sicherheitsgurt” der Früherkennung anzulegen. „Wir können sehr kleine Befunde sehr viel früher erkennen, Früherkennung führt zu schonenderer Behandlung mit einer Heilungschance von 90 Prozent.” Seit dem Start der Früherkennung 2005/06 hat die Zahl der brusterhaltenden Operationen um 25 Prozent zugenommen - Frauen, die durch das Screening in die Brustzentren geleitet worden waren. „25 Prozent plus”, sagt Aubke, „das ist phänomenal.”

0mitdiskutieren