Witz-Tabelle
19.05.2009 | 17:59 Uhr 2009-05-19T17:59:00+0200Der Philosoph Hermann Lübbe sprach mal von der „Zeit der Gegenwartsschrumpfung" angesichts geringer Halbwertzeit von Informationen. Und dabei reifte Lübbes Erkenntnis weit bevor das hastige Internet den Rhythmus vorgab.
Ein mit mäßigem Erfolg agierender Bezahlsender liefert bei Fußball-Übertragungen seit geraumer Zeit das Beispiel, das die Gegenwart letztlich bis auf Millisekunden-Dauer eindampft. Die Rede ist von dem Phänomen der Blitz-Tabelle. Dieses Zahlenwerk wird eingeblendet, um den aktuellen Tabellenstand zu dokumentieren. Was aber ungefähr so nötig ist, wie der Besuch der kauzigen Schwiegermutter an einem netten Sonntag. Denn ein Fußball-Spiel dauert nun mal 90 Minuten und nicht 17,5 oder 77 Minuten. Zumal ihre Aussagekraft schon zum Zeitpunkt des Auftauchens am rechten Bildschirmrand obsolet sein kann, da möglicherweise der Herr Cacau gerade zum Ausgleich getroffen hat.
Es ist das Prinzip des „Was wäre wenn", das den Rang einer wichtigen Information bekommt. Statt „Was wäre, wenn jetzt abgepfiffen würde?” ließe sich auch fragen, „Was wäre, wenn Kölsch statt Englisch Weltsprache wäre?"
Warum sollten wir das wissen wollen?

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