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Wem nutzt die Teilzeit?

28.04.2009 | 18:20 Uhr
Wem nutzt die Teilzeit?

Dortmund. Seit 1998 arbeiten mehr und mehr Menschen auf einer Teilzeitstelle. Für viele bedeutet das unbezahlte Arbeitsstunden oder Schichten voller Hektik, weil die Personaldecke stark ausgedünnt ist. Nicht immer ist die Teilzeit beabsichtigt - manche finden schlichtweg keine volle Stelle.

Die Menschen in den alten und neuen Bundesländern entscheiden sich aus unterschiedlichen Gründen für Teilzeitarbeit. Warum?

Im Westen spielt die Betreuung von Kindern und Familie die wesentliche Rolle bei der Entscheidung für eine Teilzeitstelle, im Osten ist es eher die Schwierigkeit, überhaupt eine volle Stelle zu finden. „Die Traditionen der Geschlechter- und Familienmodelle in Ost und West unterscheiden sich seit 40 Jahren”, diagnostiziert Christina Klenner, Referatsleiterin im Wirtschafts-Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. „Eine Teilzeitstelle mit Kind wird im Westen schief angesehen, so etwas tut man hier nicht.” In den alten Bundesländern werde aber auch besser bezahlt, dort könnten es sich die Menschen eher leisten, „nur” Teilzeit zu arbeiten.

Sind die Teilzeitbeschäftigten sozial abgesichert?

Laut Professor Gerhard Bosch, Arbeitssoziologe an der Uni Duisburg-Essen, arbeiten vor allem Studenten, Hausfrauen und Rentner als Teilzeitkräfte - diese drei Gruppen seien abgesichert, Studenten über die Eltern, Hausfrauen über Ehegatten. Eine vierte Gruppe Teilzeitbeschäftigter sei schlechter gestellt, etwa Alleinerziehende: „Die müssen mit Einbußen rechnen, es droht Altersarmut.” Mini-Jobber (bis 400 Euro) hätten noch weniger Ansprüche, warnt Klenner.

Wird die Teilzeitarbeit in Deutschland ein Modell der Zukunft bleiben?

Vorerst ja. Experten rechnen damit, dass der Bedarf daran noch eine Weile wachsen wird, um dann wieder zurückzugehen. „Noch wird mehr Teilzeit gesucht und auch angeboten”, sagt Klenner. Prof. Bosch vermutet: „Irgendwann wird der Rückwärtsgang kommen, zurzeit steht Deutschland in Europa an zweiter Stelle bei der Teilzeitarbeit, nur die Niederlande haben mehr Beschäftigte darin.” Er geht fest von einem Wendepunkt aus. Denn: „Unsere Institutionen sind ausgerichtet auf den Zuverdienst von Ehefrauen. Aber das ändert sich gerade.” Ein populäres Beispiel: die Ganztagsschulen. Diese arbeite aber noch nicht zuverlässig.

Welche Beschäftigten haben durch Teilzeit Nachteile?

Das kommt vor allem auf die Branche an. In der Pflege oder im Einzelhandel herrschen harte Bedingungen. „Im Einzelhandel ist die Personaldecke oft so dünn, dass die Beschäftigten nur noch hetzen und nicht mehr qualifiziert arbeiten können”, so Klenner. „Zwang zur freiwilligen, unbezahlten Mehrarbeit” stellt sie etwa in der Pflegebranche fest. „Den so Beschäftigten werden viele Rechte abgekauft.” Viele Teilzeitarbeiter oder Minijobber wüssten nicht, dass ihnen bezahlter Urlaub, Urlaubs- oder Krankengeld sowie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall zustünden. Was viele Arbeitgeber ausnutzen. „Die Klagebereitschaft ist hier extrem niedrig”, so Klenner, „die Menschen sind alle froh, überhaupt einen Job zu haben und ihn zu halten.”

Zum Thema

Teilzeit wächst - aus purer Not

Tim Müßle

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