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TÜV schlägt Alarm: Giftige Verbrauchsgüter

01.04.2009 | 10:34 Uhr
TÜV schlägt Alarm: Giftige Verbrauchsgüter

Köln. Hochwertige Produkte erwarten Schnäppchen-Käufer vielleicht nicht, aber was der TÜV Rheinland bei Untersuchungen gefunden hat, geht über schlechte Qualität hinaus. In zahlreichen Kunststoff-Produkten haben die Tester eine viel zu hohe Konzentration an giftigen Kohlenwasserstoffen festgestellt.

Der TÜV Rheinland schlägt Alarm: In vielen Produkten des Alltags entdeckten Experten bei Untersuchungen enorm hohe Konzentrationen von gesundheitsschädlichen polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK). Die freiwilligen Richtwerte wurden teilweise um das Hundertfache überschritten. Gefunden wurde die giftigen Stoffe z. B. in billigen Badesandalen, Armbanduhren, Schraubendrehern oder Hammergriffen aus Baumärkten und Billigläden. Ein TÜV-Sprecher nannte die Testergebnisse erschreckend. Die Hersteller setzten die Verbraucher „bewusst oder unbewusst vermeidbaren Risiken aus”. Der TÜV fordert, die seit 2005 geltenden freiwilligen Orientierungswerte für die als krebserregend geltenden PAK gesetzlich festschreiben zu lassen.

Eine giftige Auslage

Der Tisch, den der TÜV Rheinland  deckte, trug eine giftige Auslage: Gummihämmer lagen da, Ballhupen, Armbanduhren, Autolenkradhüllen, Fahrradgriffe und die so beliebten Plastik-Clogs. Alltagsdinge, die drei Dinge gemeinsam haben: Sie sind aus Gummi, sie sind billig und sie weisen erschreckend hohe PAK-Werte auf.

„Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe sind ein Thema, das uns alle angeht, weil sie uns jeden Tag umgeben”, sagt Hartmut Müller-Gerbes, Sprecher des TÜV Rheinland in Köln. Experten des Institutes hatten sich im März quer durch Deutschland auf Testkauf begeben.

Werte in gefährlichen Höhen

Rund 100 Produkte vorwiegend aus Baumärkten und Billigläden wie 1-Euro-Shops sollten auf den Teststand. Doch schon nach 30 Einkäufen und Schnelltests brachen die Chemiker die Untersuchung ab. Denn: „Die Testergebnisse waren erschreckend”, sagte Müller-Gerbes. Eine Massagehülle für ein Autolenkrad enthielt „so viel Giftstoffe, als ob sie in einer Stunde 1100 Zigaretten rauchen würden”. In einem Hammergriff aus Gummi steckten 2200 mg/Kilo Benzo(a)pyren. Über Hautkontakt wird in einer Stunde so viel aufgenommen, dass es dem Gegenwert von 3500 gerauchten Zigaretten entspricht.

Gekauft wurde der Nase nach

Einer der Testkäufer ist Ralf Diekmann. Gekauft hat er - pardon - wie ein Hund: schnüffelnderweise, immer seiner Nase nach. Denn die hochbelasteten Produkte stinken teilweise intensiv nach Teer. Noch am Kofferraum seines Wagens unterzog Diekmann die Produkte einem PAK-Schnelltest. Die Stoffe fluoreszieren unter UV-Licht, sind dadurch schnell erkennbar.

In einem Möbelroller wurde der Spitzenwert von 25 400 mg PAK pro Kilo gemessen; empfohlen, auf freiwilliger Basis, ist ein Wert von 200 mg/Kilo. Nur sechs von 27 getesteten Produkten erreichten diesen Orientierungswert. „Wir wissen noch nicht genau, wieviel an PAK auf den Menschen übergehen. Doch es muss etwas geschehen, die Behörden müssen diese hochbelasteten Produkte aus den Regalen entfernen dürfen”, sagte Diekmann.

Billige Teeröle als Weichmacher

Billige Teeröle als Weichmacher: Dr. Ansgar Wennemer, Chemiker des TÜV Rheinland.

Die PAK sind eine Stoffgruppe, bekannt ist vor allem Benzo(a)pyren, das sich auch bei unvollständiger Verbrennung von organischen Stoffen wie Tabak und Kohle bildet oder beim Grillen. Wie gelangen sie überhaupt in Gummischuhe für 4,99 Euro oder Badeschlappen für 99 Cent?

Im Prinzip über den Preis. „Anstelle von sauberen Mineralölen werden in Gummi- und Kunststoffprodukten als Weichmacher billige Teeröle eingesetzt. Das treibt die PAK-Werte in gefährliche Höhen”, sagt Dr. Ansgar Wennemann, Chemiker des TÜV Rheinland. Die Verbraucher werden nach Ansicht der Kölner Experten unnötigen Gesundheitsrisiken ausgesetzt. „Das muss nicht sein, das ist vermeidbar”, meint Diekmann. Die meisten Produkte auf dem deutschen Markt seien jedoch in Ordnung. „Problematisch wird es im unteren Preissegment. Da wird billiges Teeröl als Weichmacher für Gummi verwendet, da wird es gefährlich.”

Baumarktketten informiert

Die Baumarktketten wurden vom TÜV Rheinland am Montag informiert. Rückmeldungen habe es aber wegen der kurzen Reaktionszeit nicht gegeben. Nach wie vor müssen Kunden mit PAK-belasteten Gummi- und Kunststoffteilen in Alltagsdingen rechnen. Bei Produkten mit dem GS-Siegel für geprüfte Sicherheit liegt der Verbraucher nach TÜV-Angaben auf der sicheren Seite. Ansonsten sollte er seiner Nase folgen, rät TÜV-Sprecher Ralf Diekmann: „Vertrauen Sie Ihrem Geruchssinn, meiden Sie Gummiprodukte, die stark riechen oder stinken.”

INFO

Seit 2005 gelten in Deutschland freiwillige Richtwerte für polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK).

Bei Produkten mit einem Hautkontakt von bis zu 30 Sekunden (Radreifen, Ballhupe) gilt ein Orientierungswert von 200 Milligramm PAK/Kilo für 16 definierte PAK bzw. für den PAK Benzo(a)pyren maximal 20 Milligramm/Kilo. Von zwölf getesten Produkten fielen neun durch.

Bei Produkten mit einem Hautkontakt über 30 Sekunden (Sandalen, Armbanduhr) gelten 10 mg/Kilo bzw. 1 mg für Benzo(a)pyren. Hier fielen 12 von 15 Produkten durch. Wer Produkte mit hohen PAK-Werten verkauft, muss nach TÜV-Angaben keine juristischen Folgen fürchten.

Michael Schmitz

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Kommentare
02.04.2009
10:51
TÜV schlägt Alarm: Giftige Verbrauchsgüter
von hans-l | #26

Was der Tüv hier publiziert ist billige Panikmache und leider dem sonst so seriösen und vertrauenswürdigen Tüv nicht würdig! Ich fresse den Hammerstiel nicht, wohl aber inhaliere ich den Rauch von 3500 Zigaretten bis in die kleinsten Lungenbläschen und die Schadstoffe werden dort an einer mehrere 1000 Quadratmeter großen Austauschfläche direkt vom Blut aufgenommen. Hier wird durch den vom TÜV angestellten Vergleich das Rauchen von 3500 Zigaretten mit einer Stunde Hammerarbeit gleichgesetzt und somit unverantwortlich verharmlost. Es ist übrigens auch billigste populistische Propaganda, wenn immer auf Billigprodukte aus dem Ausland , wie China geschimpft wird. Die Fertigungsvorgaben werden von z. B. den deutschen Firmen vorgegeben. Markantes Beispiel war die Aufregung über bleiverseuchtes Spielzeug aus China. Hier hat im Nachhinein Mattell die Verantwortung übernommen. Also immer alles vorher gut überlegen. und nicht vergessen, wir leben in der Republik der Ersten allgemeinen Erregung!

02.04.2009
01:38
TÜV schlägt Alarm: Giftige Verbrauchsgüter
von mausefritzchen | #25

Trotzdem darf man hier nicht einfach schreiben, dass arme Leute (die u.a. billigen Krempel konsumieren) deshalb früher sterben müssen!

01.04.2009
14:02
TÜV schlägt Alarm: Giftige Verbrauchsgüter
von M.Kohlhaas | #24

Dank an Herrn Seehofer !!
Dank an Herrn Seehofer (der sich selber als Bananenminister !!! bezeichnet hat) und die CSU, CDU, FDP für das industriefreundliche Verbraucher !!!-Schutz-Gesetz.
Dieses Verbraucher-Schutz-Gesetz ist ein Etikettenschwindel, da nicht die Verbraucher geschützt werden, sondern die Hersteller.
Würde der TÜV Roß und Reiter nennen, würde er sofort massiv von den Importeuren, Baumärkten etc. verklagt werden wegen Geschäftsschädigung.
Die Hersteller in China brauch erst recht nichts zu fürchten.
Exakte Grenzwerte wurden rechtzeitig durch die Industrie verhindert.
... und wer kann schon nach Jahren beweisen, dass sein Krebs durch den Weichmacher in einem Lenkradbezug verursacht wurde ??

01.04.2009
13:12
TÜV schlägt Alarm: Giftige Verbrauchsgüter
von kilminster | #23

Die beliebten freiwilligen Regelungen. Die Wirtschaft liebt sie, weil man gegen sie verstoßen kann ohne die geringsten Konsequenzen fürchten zu müssen.

Warum die Politiker sie lieben, obwohl die Bevölkerung fast immer die Dummen sind (weil freiwillige Grenzwerte nur eingehalten werden, wenn die Einhaltung nichts kostet) liegt wohl an etwas anderem.
U. U. daran, dass ein Teil des durch Grenzwertverletzungen gesparten Geldes über Lobbyisten bei ihnen landet?

01.04.2009
11:54
TÜV schlägt Alarm: Giftige Verbrauchsgüter
von DieterBensbergMülheim | #22

Haben wir nicht vor ein paar Jahren eine komplette Dortmunder Kokerei nach China exportiert? Bekommen wir jetzt auch die Abfälle aus dieser Kokerei in Form von verseuchten Billigartikeln und Kinderspielzeug zurück?

Bei der Verkokung von Steinkohle fällt Teer an. Teer enthält große Mengen krebserzeugende PAK, darf deswegen bei uns seit mehr als 35 Jahren nicht mehr im Straßenbau verwendet werden.und wurde durch Bitumen ersetzt. Dass es gegen die Einfuhr von verseuchtem Kinderspielzeug offenbar keine gesetzliche Handhabe gibt, ist ein Skandal.

01.04.2009
11:50
TÜV schlägt Alarm: Giftige Verbrauchsgüter
von lala | #21

Des Deutschen liebstes Spiel ... Giftstoffe allerorten.

Wie immer gilt, die Dosis machts. Wie es scheint ist diese permanent zu hoch, so das sich auch ein jeder einbilden kann, die Welt wieder ein Stück gerechter gemacht zu haben, wenn hier Köpfe gefordert werden. Angst bestimmt den Zeitgeist

01.04.2009
11:03
TÜV schlägt Alarm: Giftige Verbrauchsgüter
von Nimes | #20

Billig will ich! Geiz ist geil!

Mit vielen Billigprodukten importieren wir nur Giftmüll und freuen uns noch darüber, dass er so billig ist! Auch Beerdigungen werden teurer. Vielleicht hängt das ja mit der Geizmentalität zusammen.

Geizt Euch krank und sterbt früher! Wer früher stirbt ist länger tot! Da haste länger was davon!

#1 von ichbingott, vor 13 Stunden


Oh mann was hast du denn genommen? Es gibt Leute die haben nicht so viel Geld O.o Hier so ne ******* zu schreiben hilft auch keinem! Und ich schaue nich nur den hier an... Deutschland´s Bevölkerung ist wirklich Niveau los geworden. Dinge zu schreiben von wegen: Mir gehts gut, ihr seid arm. Los geht sterben!

*facepalm* Naja egal, nun zu dem Bericht: Ich meine... Wenn schon etwas hier auf dem Markt ist, darf man zwar nicht von der besten Qualität, aber doch von Verträglichkeit ausgehen! oder irre ich mich da? Wir gehen noch alle vor die Hunde hier... -.-

01.04.2009
10:46
TÜV schlägt Alarm: Giftige Verbrauchsgüter
von kalle us kölle | #19

Wat nix kostet, is nix!

01.04.2009
09:05
TÜV schlägt Alarm: Giftige Verbrauchsgüter
von beobachtender | #18

Wenn die 1Euro Läden Pleite sind muss man auch das Gebäude als Sondermüll entsorgen.

01.04.2009
08:28
TÜV schlägt Alarm: Giftige Verbrauchsgüter
von supply | #17

Is nit möglich.....allet voll mit Gift.....allet aus Asien...aber allet billig....

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