Thomas Sonnenburg: Bei den Ausreißern ist alles echt
07.01.2009 | 07:42 Uhr 2009-01-07T07:42:00+0100
Thomas Sonnenburg bringt die Ausreißer zurück: In acht neuen Folgen der Serie „Die Ausreißer – Der Weg zurück” (RTL, 20.15 Uhr) kümmert sich der Streetworker um Jugendliche, die von zu Hause ausgerissen sind. Der WR erzählte Sonneburg, warum er sich bei aller Professionalität manchmal hilflos fühlt.
Erst im Oktober 2008 wurde die Sendung mit dem Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie 'Beste Reality-Sendung' ausgezeichnet. Die Begründung der Jury: "Streetworker Thomas Sonnenburg geht dorthin, wo andere längst aufgegeben haben."
Zum Auftakt der neuen Staffel zeigt RTL heute eine Doppefolge:
Frank Helle ist verzweifelt, als Streetworker Thomas Sonnenburg bei ihm eintrifft. Seine 14-jährige Tochter Nicole ist verschwunden - untergetaucht irgendwo in Berlin. Warum Nicole ihrem Zuhause den Rücken gekehrt hat, kann der 43-jährige Fabrikarbeiter nur vermuten.
Vor einem Jahr trennen sich Nicoles Eltern. Nicole will bei ihrer Mutter bleiben, die nach einem mehrmonatigen Entzug eine ambulante Alkoholtherapie in Berlin macht. Ende letzten Jahres entscheidet die Mutter, nach Bayern zu ziehen, um der Gefahr, rückfällig zu werden aus dem Weg zu gehen. Für Tochter Nicole dagegen ist es eine Katastrophe.
Sie bekommt Panik, weil sie weder aus ihrer gewohnten Umgebung weg noch ihre Freunde verlassen möchte. Sie zieht zum Vater. Seitdem leben Vater und Tochter auf engsten Raum zusammen. Nicole hat die Trennung der Eltern tief getroffen und Vater Frank findet sich in seiner neuen Rolle nicht zurecht. Nicole fühlt sich alleingelassen und fängt an, die Schule zu schwänzen, zu rauchen und Alkohol zu trinken. Sie geht zu Hause ein und aus, wann sie möchte, bis sie im Februar 2008 gar nicht mehr nach Hause kommt.
Thomas Sonneburg macht sich auf die Suche nach Nicole und findet sie tatsächlich am Alex. Nicole fasst bald Vertrauen zu Thomas. Sie gesteht ihm, dass sie wahrscheinlich schwanger ist.
Sozialarbeit im Fernsehen – ob das funktionieren würde, wusste Sonnenburg nicht, als RTL ihm vor zwei Jahren das Angebot machte. „Ich bin seit 15 Jahren Streetworker und habe durchaus auch Ängste gehabt, meine Arbeit im TV zu machen. Entscheidend ist, dass ich Jugendliche nicht vorführen will”, sagt er im WR-Gespräch.
Sein pädagogischer Anspruch auf der einen Seite, die Interessen der Senders auf der anderen: „Anfangs gab es mehr Konflikte mit RTL, inzwischen aber immer weniger”, sagt Sonnenburg. „Ich begleite die Ausreißer monatelang, das ist teuer für den Sender. Aber ich habe von Anfang an klar gemacht: Ich bin der Sozialarbeiter, ich bin der Chef!” Er redet auch beim Schnitt und der Endabnahme der Folgen mit.
Dass böse Zungen meinen, viele Szenen seien gestellt, kann der 45-Jährige verstehen. „Weil viele nicht wissen, dass ich die Jugendlichen monatelang begleite”, sagt er. So wie die Teenager-Mama Nicole, deren Geschichte heute gezeigt wird. Elf Monate hat er mit ihr gedreht. „In der Sendung wirkt es dann so, als würde ich daher kommen und alles wird gut.” Dabei gebe es viele Berg- und Talfahrten, auch ohne Kamera. Das ist der Kompromiss, den Sonnenburg für die Sendung schließen musste. „Elf Monate in 45 Minuten zu zeigen – das ist irgendwie tragisch.”
Tragisch ist auch die Geschichte des Ausreißers David aus der ersten Staffel, der sich das Leben genommen hat. „Es lief alles super bei ihm. Drei Tage vor seinem Tod habe ich ihm noch einen Praktikumsplatz besorgt. Thomas Sonnenburg war der letzte Anrufer auf Davids Handy. „Da habe ich nur noch Ohnmacht und Hilflosigkeit gespürt.”
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