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Preisverleihung

Steiger-Award - für Prominente mit Stehvermögen

29.03.2009 | 18:10 Uhr
Steiger-Award - für Prominente mit Stehvermögen

Bochum. Lange Lobreden, noch längere Dankesreden. Mit starken Worten wurde am Samstag bei der Preisverleihung der Steiger-Awards nicht gespart. Eine fast vierstündige Inszenierung, die einem der Preisträger, Sir Bob Geldof, „viel zu lange” dauerte.

Mit dem Steiger-Award sollen Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland geehrt werden, die sich durch die Tugenden des Steigers auszeichnen. Die Jury zählt dazu Geradlinigkeit, Offenheit, Menschlichkeit und Toleranz. Als der weltbekannte Musik-Produzent Sir Bob Geldof seinen Award in der Kategorie Musik entgegennahm, sagte er: „Ich will es kurz halten, weil ich Hunger habe. Das dauert mir hier alles schon viel zu lange.”

»Ich wusste, an der Sache ist ein Haken«

Preisträger Bob Geldof bedankt sich am Samstag bei der Verleihung der Steiger-Awards 2009 über seine Auszeichnung in der Kategorie Musik. Foto: Philipp Guelland/ddp

Es war es nicht der einzige Moment, in dem die rund 200 geladenen Gäste das Gefühl bekommen konnten, dass die Preisträger es eigentlich eiliger hatten, als das Protokoll zuließ. Der österreichische Künstler Gottfried Helnwein etwa bekannte, er sei „mal eben aus Los Angeles” vorbeigekommen: „Und bin wieder viel zu spät.” Er habe den Preis allerdings auch „zu meiner Verblüffung” bekommen.

So wie dem gebürtigen Wiener ging es auch anderen Preisträgern an diesem Abend. Vielleicht, weil manche vor einem halben Jahr noch gar nicht wussten, dass es den Steiger-Award überhaupt gibt. Passend dazu die nicht ganz ernst gemeinte Dankesrede vom Kabarettisten Dieter Hallervorden, ausgezeichnet in der Kategorie Unterhaltung: „Im Juli bekam ich einen Anruf. Da fragte mich jemand: ‚Willst du den Steiger-Award haben? Du musst ihn allerdings am 28. März in Bochum abholen.'” - „Ich wusste da ist ein Haken”, habe er geantwortet.

Politiker loben Politiker

Gekommen ist Hallervorden schließlich doch, so wie viele führende Politiker, die es sich nicht nehmen ließen, Präsenz zu zeigen. So überreichte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff der Schauspielerin Veronica Ferres einen Steiger-Award in der Kategorie Film. FDP-Vorsitzender Dr. Guido Westerwelle hielt die Lobrede für den ehemaligen polnischen Staatspräsident Aleksander Kwasniewski und den früheren EU-Kommissions-Präsidenten und italienischen Ministerpräsidenten Romano Prodi, die den Preis für ihren Einsatz für ein gemeinsames Europa erhielten.

Die Preisträger, der ehemalige polnische Staatspraesident Aleksander Kwasniewski (l.) und der ehemalige italienische Premierminister Romano Prodi, posieren mit ihren Preisen in der Kategorie Europa. Foto: Philipp Guelland/ddp

Beeindruckend der Auftritt von Dr. Klaus Steilmann. Der 79-jährige Wattenscheider Unternehmer bekam den Steiger-Award für seine Verdienste für den Bochumer Sport überreicht. „Er hat es geschafft, immer wieder sportbegeisterte Menschen in seine Unternehmen mit einzubinden. Ich bin stolz ihm diesen Preis vor diesem Publikum überreichen zu dürfen”, sagte Sportmoderator Werner Hansch in seiner Lobrede. Steilmann bedankte sich sichtlich gerührt und betonte, dass die Unterstützung von Bochumer Sportlern nicht aufhören dürfe, um weiterhin Weltklasse-Athleten ausbilden zu können.

Preis für Toleranz

Gut gewählt auch der Preisträger in der Kategorie Toleranz. Der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog machte deutlich, wie wichtig und nötig eben jene ist, da die Welt immer weiter zusammenrücke. „Wenn sie einen Charakter wie ich haben, merken sie jedoch, wie anstrengend es ist, tolerant zu sein. Daher bin ich sehr froh endlich wieder einen Preis für Toleranz bekommen zu haben”, sagte Herzog als er den Award entgegennahm.

Für internationales Flair sorgten die Großherzogin Maria Teresa von Luxemburg und der englische Moderator Sir David Frost. Sie bekamen die Glaskugel in den Kategorien Charity und Medien überreicht. Am Ende der Veranstaltung durften die Gäste dann auch noch stehend applaudieren, so wie es sich für eine wichtige Preisverleihung gehört. Der Applaus galt Maximilian Schell, der einen Preis für sein Lebenswerk erhielt.

In der Krise an die Ärmsten denken

Während Schell eine Definition eines Steigers vorlas, die er sich extra von seiner Sekretärin aus dem Internet hatte ausdrucken lassen, muss Sir Bob Geldof nach fast vierstündigem Programm mächtig der Magen geknurrt haben. Nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht. Knapp zwei Stunden zuvor wurde der irische Musiker, der mit seiner Stiftung „One” die Armut in Afrika bekämpft, in seiner Dankesrede doch noch ernst. Er appellierte an die Deutschen auch noch in der Krise an die Ärmsten der Armen zu denken. Die Deutschen sollten sich an die Tugenden des Steigers halten und hart arbeiten. Dann werde alles besser.

Info: Der Steiger-Award

  • Der „Steiger-Award” wird alljährlich an Persönlichkeiten verliehen, die sich besonders in den Bereichen Musik, Sport, Medien, Umwelt, Film sowie Fragen des Europäischen Zusammenwachsens und des humanitären Engagements verdient gemacht haben.
  • Die Auszeichnung ist aus der Privatinitiative zweier Bochumer Unternehmer entstanden.

Jonas Knoop

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Kommentare
29.01.2010
12:23
Steiger-Award - für Prominente mit Stehvermögen
von hertie | #2

schon alleine der Titel des Preises ist ein Witz

30.03.2009
13:04
Steiger-Award - für Prominente mit Stehvermögen
von Marcus Rohner | #1

Es ist beeindruckend, wieviel Prominenz die Veranstalter wieder ins Revier locken konnten. Das ist grundsätzlich gut für uns alle. Unklar bleibt allerdings nach wie vor, woraus die Veranstalter die Kompetenz herleiten, ihren Preis an Persönlichkeiten zu verleiehn, die statusmäßig und nach ihrem Verdienst für die Allgemeinheit weit über ihnen stehen. Letztlich geht es wohl doch nur darum, nette Pressefotos zu schießen. Darum kann man diese Veranstaltung beim besten Willen nicht wirklich ernst nehmen. Schade eigentlich ...

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