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Streitthema

Sprayer zwischen Kunst und Kriminalität

10.07.2008 | 07:41 Uhr
Sprayer zwischen Kunst und Kriminalität

Dortmund. Vor allem in lauen Sommernächte entstehen diese umstrittenen Kunstwerke. Was ist der Reiz an diesen, meist illegalen Graffitis? Wo liegen die Grenzen zwischen Kunst und Vandalismus und gibt es Tabus in der Szene?

Langsam verschwindet die Sonne hinter den Häusern im Dortmunder Norden und taucht den Himmel in dramatisches Rot. Der mit schlierigen Wolken behangene Himmel sieht aus wie gemalt. Beim schwindenden Licht wird Lars Glaskamp* unruhig: „Wenn ich hier die ganzen Wände an der Baustelle sehe, juckt es mich schon etwas in den Fingern, muss ich ja zugeben”, sagt der junge Mann und zieht seine Kapuze über. „Aber selbst wenn ich wollte, könnte ich nicht. Gestern haben die Cops (Polizei, d. Red.) meinen Rucksack gefilzt und mir alle Farben abgenommen”, erzählt Glaskamp. „Einfach so, ich hatte noch nicht einmal etwas gemacht.”

Polizei und Sprayer spielen oft Katz und Maus

Die Farbdosen gehören zur Gundausstattung der Graffiti-Artists.

„Das ist gang und gäbe”, sagt Patrick Gau. Der Rechtsanwalt aus Dortmund beschäftigt sich seit Jahren mit der Szene. Die Begründung für Kontrollen, wie in diesem Fall laute meist schlicht „auffälliges Verhalten”, also Hip-Hop typische Kleidung, weiß der Anwalt aus Erfahrung. Was nach solchen Sicherstellungen passieren kann, weiß er auch: „Oft geben sich die Beamten nicht mit den Farbdosen zufrieden, sondern wollen wissen, ob der Betroffene noch mehr zu verbergen hat – vielleicht bei sich zu Hause.” Der nächste Schritt im Ermittlungsverfahren sei dann die Wohnungsdurchsuchung. Wenn die Staatsanwaltschaft dann beginnt, auf Grundlage etwaiger Beweise Graffiti aus der Vergangenheit zuzuordnen, die vielleicht gar nicht von dem Sprayer stammen, kann es teuer werden. Gau weiß von einem aktuellen Fall, bei dem es um eine Schadenssumme von 57 000 Euro geht.

In unbeobachteten Momenten verschaffen sich manche Sprayer Zutritt zu abgesperrten Geländen.

Es ist dunkel geworden in Dortmund. Lars Glaskamp steht vor dem Bauzaun der ehemaligen Kronenbrauerei. Die „Tags” (Markenzeichen der einzelnen Sprayer) dort kennt er. „Genau das ist Graffiti-Kunst, gerade hier im Ruhrpott”, schwärmt er. „So eine Wand mit einem fetten Bild drauf ist doch gleich viel schöner.”

Das sehen viele anders, einer ist Alexander Wiech von der Eigentümerschutz-Gemeinschaft Haus und Grund, er fordert konsequente Strafverfolgung. „Dabei geht es nicht nur um den optischen Aspekt, sondern auch um die finanziell sehr aufwändige Wiederherstelleung eines Gebäudes.”

Für Sprayer, die sich an Privathäusern oder Kirchen vergreifen, hat aber auch Glaskamp kein Verständnis. „Wenn ich höre, dass das Grab von Hans Christian Andersen besprüht worden ist, kommt mir die Galle hoch. Solche Aktionen bringen eine ganze Kunstform in Verruf.”

Graffiti Szene in Dortmund, ein Sprayer berichtet von seinen Erfahrungen.

Natürlich will jeder Sprayer mit seinen Bildern auch provozieren und sein Renommee steigern, indem er sie an prominenten Orten platziert. Während es in den 80er Jahren unter den Graffiti-Künstlern noch so etwas wie einen Ehrenkodex gab, scheint die Szene heute zu verrohen. Rechtsanwalt Gau: „Früher hieß es: Nur auf freie Flächen sprühen, nur ein besseres Bild über ein schlechteres, da gab es noch so etwas wie Qualitätsanspruch und Respekt. Heute wird selbst auf Lkw und Autos gesprüht.” Es liege daran, dass die Kommunikation zwischen alten Hasen und den Jungen der Szene gar nicht mehr stattfinde, sagt Gau. Daher werden solche Regeln auch nicht mehr überliefert. Aber auch heute gibt es noch Künstler unter den Sprayern. „Wenn ich mir so manches Bild ansehe, dann weiß ich, wie viel Arbeit dahinter steckt. Wenn man diese Kreativität und Energie nur kanalisieren könnte . . .”

„Graffiti-Künstler wollen im Gegensatz zu den Schmierern nicht zerstören”, sagt auch Sprayer Glaskamp. Doch egal wie schön ein Bild auch sein mag: Ohne Erlaubnis ist und bleibt es Sachbeschädigung.

(* Name von der Redaktion geändert)

Christoph Schmidt



Kommentare
11.03.2010
20:43
Sprayer zwischen Kunst und Kriminalität
von Slare | #23

@Daniel J: Da muss ich dir Recht geben.
Außerdem werden hässliche Graffitis von der Szene genauso verurteilt, wie von anderen Menschen, allerdings fängt auch jeder einmal an.

Es gibt auch so etwas wie eine Kodex unter Sprayern, dass man zB. kein Privateigentum oder Denk,äler oder andere historische Gebäude besprüht.

Zeige mir jemand mal ein gutes Graffiti an einem alten Bauwerk...

Graffiti ist außerdem kein Hirnloses Gekrakel und unterliegt festen Regeln, die Änfänger oft nicht kennen, auch wenn die Bedeutung für manche Menschen oft verborgen bleibt, hat jedes piece einen Sinn oder zumindest eine Abfolge von Buchstaben...
dann gibt es auch noch solche Schmierereien, die als Graffiti gewertet werden, aber keines sind...
wenn man zB. einfach mit Blockbuchstaben etwas an eine Wand schreibt oder etwas ähnliches...

üben tun Graffiti-Künstler auch udn deswegen sind natürlich nicht alle pieces so extrem, toll, hässliche, die zu Übungszwecken dienen sind allerdings meisstens auch an verborgenen orten...

Ich übe im Moment noch udn pbwohl ich auch schon vorher gezeichnet habe und zwar nicht nur Graffiti, sondern eben auch Realistische Bleistiftzeichnungen kriege ich ohne viel Übung keine guten Graffitis hin.

Jeder muss anfangen und wenn die Grundlagen eingehalten werden finde ich, ist Graffiti in fast jedem Fall Kunst.

Es gibt zB. auch Sprayer, die Leinwände besprayen udn dafür geld kriegen...

Auftragsarbeiten und legale graffitis machen Writer meist auch erst, wenn sie schon erwachsen und extrem weit fortgeschritten sind oder wenn sie sich einfach mal zeit nehmen möchten...

Ich bin gegen Schmierereien und für Graffiti!

29.04.2009
12:08
Sprayer zwischen Kunst und Kriminalität
von Daniel J. | #22

@ hartaberherzlich:

Sie sagen, dass die Strafen viel zu gering sind??
Die Deutsche Bahn hat Reinigungskosten von ca. 350 € für ein Graffiti welches über eine Länger von 7 Metern geht und die Glasscheiben nicht berührt, verlangt aber mehrere 10tausend €uro als Reinigungskosten...

Bei ihrem Kommentar sieht man mal wieder die typische Ignoranz gegenüber Sprayern, was ist denn wenn ein Sprayer mal eine legale Fläche verziert?? Ist es dann auch schlimm??

Und was ist mit den Liebespaaren, die in Bäume ihre Initialen ritzen?? Ist das nicht schlimm?? Sie sagen Nein,. aber wenn ich meine Initialen in ihren Rücken ritzen würde, wäre es brutal und Körperverletzung...

Ich kann ihre Haltung nur zu einem gringen Teil nachvollziehen, z.B. wenn es um Privathäuser geht, aber haben sie sich schonmal die DeuMu Brücke in Recklinghausen-Süd und das dazugehörige, brachliegende Gelände angesehen?? Anscheinend nicht, denn was man dort die schönsten Bilder auf halb abgerissenen Gebäuden findet... Und was wären graue Betonbrücken ohne Graffiti?? Hässlich.

Und, dass alle Sprayer kranke, gelangweilte Selbstdarsteller sind, kann ich nicht bestätigen, hier ein Link zu einer Seite mit Graffiti, die doch wohl schön anzusehen sind: http://streetfiles.org/photos/detail/70216/ .. Ist das auch Sachbeschädigung?? Oder kranke Selbstdarstellung?? Im 3. Reich wurden Parolen gegen die Nazis mit Farbe an Wände gemalt, eine Ur-Form von Graffiti, war das auch Sachbeschädigung und zu bestrafen?? Wenn ja, sind wohl eher sie krank...

Die Mehrheit die Sprayer sprüht ja nicht auf Autos oder Kirchenwände, aber dass es solche gibt will ich ja nicht abstreiten, nichtsdestrotrotz sind die meisten Sprayer darauf erpicht, ihren Namen so oft wie möglich zu verbreiten und nicht wie sie es darstellen, darauf, irgendwelche Kirchenwände oder Autos zu verzieren...

Schauen sie sich doch einfach mal in ihrer Stadt um, suchen sie sich ein paar Betonbrücken aus, die am besten mit BUNTEN Graffiti bemalt sind, und stellen sie sich vor, wie diese Brücken aussehen würden, wenn sie einfach nur schlicht und grau wären...

Freundliche Grüße von einem 16-Jährigen Sprüher, der seit 5 Jahren malt.

08.03.2009
14:34
Sprayer zwischen Kunst und Kriminalität
von gegensupergrobi | #21

ma ohne spass, es geht doch dem sprüher nicht darum ( wie bei dir: die jacke voll zu sprühne um andere zu terrorosieren) sondern darum sein bild so vielen leuten zu zeigen wie es nur geht. wenn es keine anderen möglichkeiten gibt müssen sie halt auf ne wand vom supermarkt oder nem einkaufszentrum malen...als ob sich irgendso ein bonzen das nciht leisten könnte...kla hauswände bzw. privateigentümer wie auch autos etc. sidn ein tabu aber so öffentliche plätze sind doch gut für veröffentlichungen...scheisst euch ma alle nicht so an..lieber bunt als grau...

11.02.2009
20:54
Sprayer zwischen Kunst und Kriminalität
von Rhino | #20

Ich kann mich nur den Meinungen von Zeko und Major anschliesen ! Es ist wie es is , wir sind Teil der Gesellschaft , akzeptiert es oder lasst es ! Wir werden dem nachgehn was uns Spass macht , ich überfahr ja auch nich einfach irgendeinen Raser , weil er im verkehrs beruhigten Bereich mit 50 durchbrettert !

Hauste rein ! Rhino

05.01.2009
15:11
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #19

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

24.12.2008
23:37
Sprayer zwischen Kunst und Kriminalität
von Zeko | #18

also im erns leute... die meisten die hier über sprayer schlecht reden, haben nicht wirklich eine ahnung davon...
sprayen ist nicht nur ein hobby oder vandalismus wie es viele sehen, es istmehr eine lebens einstellung!

also ich finde die strafen für sprayer echt übertrieben, bsp: ich wurde vor einem monat festgenommen, wegen sprayen und ich werde behandelt und bekomme das gleiche urteil wie einer der wegen schwerer körperverletzung festgenommen wurde...

also leute, befor ihr über sprayer urteilt überlegt erst mal warum wir es machen!!!

cheers Zeko

22.10.2008
15:08
Sprayer zwischen Kunst und Kriminalität
von Dr. Faust | #17

@samuel...

Keine anderen Probleme, was? Lächerlich.

Naja, man merkt schon wie wenig die Leute hier nachdenken. Je mehr Freiraum zur Entfaltung der Jugend genommen wird, desto weiter drängt man sie in die Illegalität. Je mehr Freiraum man nimmt, desto brutaler wird für die Rückgewinnung gekämpft.

Nehmt euch was sie euch genommen. Nehmt euch das was euch gehört.

Höhere Strafen schrecken niemanden ab, auch die Jugend lernt dazu, sucht sich Mittel und Wege die Polizei auszutricksen. Gerade sowas macht die ganze Sache für die meisten umso spannender.
Darunter leidet lediglich die Qualität der Bilder, da sich nicht mehr so viel Zeit gelassen werden kann.

Graffiti war, ist und bleibt Kunst. Nicht jeder Künstler ist ein guter Künstler.
Pauschalisierungen sind bei dieser Diskussion, genau wie bei jeder anderen fehl am Platz und zeugen höchsten von der Beschränktheit des Verfassers.

22.10.2008
15:01
Sprayer zwischen Kunst und Kriminalität
von asque4 | #16

mann mann mann wenn ich das so sehe was hier für kommentare stehn kommt mir regelrecht die galle hoch. was ist das für eine welt in der jugendliche für hobbys oder KUNST in die kriminalität gezwungen werden und wie verbrecher behandelt werden. anstatt jegliche chancen zu nutzen diese sogenannten verbrecher oder schmierer mit hohen geldstrafen zu peinigen sollte man doch eher in erwägung ziehn jugendliche zu fördern und möglichkeiten zur kreativen entfaltung zu schaffen.
& an die damen und herren die selbstjustiz und gewaltverherrlichende methoden zur bestrafung der zu diskutierenden für sinnvoll und gerechtfertigt halten kann ich nur mitteilen dass sie vllt die jenigen sind die bestraft werden sollten, wenn sie es für richtig halten jugendliche zu schlagen für dummheiten die sie getan haben.Vielleicht liegt es nahe mal drüber nachzudenken welche anderen optionen übrig bleiben dieses problem zu beseitigen.
graffiti = kunst
peace!

21.08.2008
19:20
Sprayer zwischen Kunst und Kriminalität
von Peter Neunzig | #15

@ samuel:

Du armes Würstchen!

11.07.2008
13:28
Sprayer zwischen Kunst und Kriminalität
von samuel | #14

@jenny,
ich werde versuchen, Ihre Daten herauszubekommen, damit ich Sie anzeigen kann.

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