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Ruhrbistum Essen kann "Last nicht mehr tragen"

06.12.2007 | 18:58 Uhr

Westfalen. Die Ankündigung des Ruhrbistums Essen, bis zum Ende des Kindergartenjahres 2009/2010 insgesamt 300 Gruppen zu schließen, hat in den betroffenen Städten für Proteste und Überraschungen gesorgt. ...

... Im südlichen Märkischen Kreis stehen insgesamt neun Gruppen auf der Liste. Die Eltern des St.-Thomas-Morus-Kindergartens in Altena fielen aus allen Wolken, als ihnen die Leiterin den Brief ihres neuen Chefs überreichte. Erst vor zwei Jahren hatte der evangelische Kindergarten in ihrem Stadtteil dichtgemacht - ebenfalls mangels Geld. Zwar versichert der katholische KiTa-Zweckverband in seinem bistumsweit verteilten Brief, dass die Kinder "in den allermeisten Fällen" bis zum Schulwechsel bleiben könnten. Doch der Thomas-Morus-Kindergarten betreut in einem sozial schwierigen Umfeld in einer "kleinen altersgemischten Gruppe" auch Einjährige. Die dürften das Schulalter kaum bis zum spätest möglichen Schließungstermin Mitte 2010 erreicht haben.

Werdohl ist mit der kompletten Schließung einer Kita (St. Franziskus, 3 Gruppen mit 75 Plätzen) sowie einer Gruppe in der Kita St. Bonifatius (Eveking) betroffen. "Wir wollen uns bemühen, einen anderen Träger zu finden, sei es Stadt, AWo oder die Johanniter", sagt Stefanie Siedhoff, Vorsitzende des Elternrates von St. Franziskus. Sie befürchtet, gerade finanziell schlechter gestellte Familien könnten andernfalls den Bus zur entfernteren Kita in der Stadt nicht bezahlen.

Lüdenscheid verliert insgesamt 75 Kindergartenplätze in drei Gruppen. "Wir brauchen diese Standorte dringend. Das bringt uns in Probleme", sagte Jugendamtsleiter Hermann Scharwächter.

Generalvikar Dr. Hans-Werner Thönnes kommentierte die Entscheidung seines Ruhrbistums mit den Worten: "Der Schritt ist schmerzlich, aber notwendig." Grund dafür sei "die demografische Entwicklung und die schwierige wirtschaftliche Lage des Ruhrbistums".

Man habe nie einen Hehl daraus gemacht, so Bistums-Sprecher Ulrich Lota, dass man zunächst einmal eine katholische Einrichtung mit katholischem Profil sei. Allerdings habe man einen hohen Anteil (44 Prozent) nicht katholischer Kinder in den Einrichtungen - und den Städten, die jedem Kind ab drei Jahren einen Betreuungsplatz bieten müssen, eine Verpflichtung abgenommen.

Lota: "Bereits seit 2001 haben wir den Städten gesagt, dass wir bei dem Schwund an Kirchensteuer-Zahlern und Gläubigen, aber auch Kindern diese Last in der bislang gewohnten Weise nicht mehr tragen können." Seiner Ansicht nach müssten sich die Eltern jedoch gar keine Sorgen machen: Entweder, es bestehe eh ein Überangebot an Plätzen, oder die Einrichtungen würden von anderen Trägern weiterbetrieben.

Diese Einschätzung teilt auch Gerhard Stranz, Geschäftsführer für die Waldorfkindergärten in NRW: "Das schrumpft sich gesund."

Von unseren Redaktionen

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