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Nokianer: "Wir sind billig abgespeist worden"

08.04.2008 | 17:00 Uhr

Düsseldorf/Bochum. Am Tag der Einigung zwischen dem finnischen Handybauer Nokia und der Gewerkschaft IG Metall gibt es niemanden, der applaudiert. Der Betriebsrat ist vor allem eines: erleichtert, dass die Hängepartie nun vorbei ist. ...

... Die Beschäftigten dagegen bleiben, was sie waren: tief enttäuscht. Gisela Achenbach sitzt mit versteinerten Gesichtszügen an einem der Tische, die man in der Kantine der Düsseldorfer Nokia-Zentrale eilig für die Pressekonferenz zusammen geschoben hat. Sie sagt Sätze wie "Dies ist eine gute Lösung" und "Unterm Strich sind wir zufrieden". Ihre Miene spricht eine andere Sprache. Darin zu lesen sind Erschöpfung, Enttäuschung und wohl auch so etwas wie Resignation.

Fast drei Monate lang, seit der Handy-Produzent im Januar die Schließung des Bochumer Nokia-Werks bekannt gegeben hat, hat sie als Betriebsratschefin gegen das Aus gekämpft. Sie hat auf Kundgebungen gesprochen und ist nach Finnland geflogen, um dort die Unternehmensspitze zu Zugeständnissen zu drängen. Zuletzt hat sie in sechs harten Verhandlungsrunden mit dem Konzern um die bestmögliche Lösung für "ihre" Nokianer gerungen. Heute, am Tag der Entscheidung, sind ihr die Strapazen der letzten Monate anzumerken.

Der Mann mit der Sensibilität eines Scharfrichters

"Die Kollegen sind fertig mit Nokia", sagt Gisela Achenbach mit einem Seitenblick auf den Konzern-Vorstand Veli Sundbäck, der in der Kantine nun unmittelbar neben ihr sitzt; jener Mann, der im Januar in einem Nobelhotel an der Düsseldorfer Königsallee mit der Sensibilität eines Scharfrichters die Schließung des Werks verkündet hatte.

In Achenbachs Ohren muss es wie Hohn klingen, wenn Sundbäck nun von der "großen Freude" spricht, mit der ihn die erzielte Einigung erfülle. In englischer Sprache betont er, dass Deutschland auch nach dem 30. Juni ein wichtiger Standort für Nokia bleibe und dass das Unternehmen trotz der Schließung "eine klare Verantwortung für unsere Mitarbeiter" übernehme. Achenbach verzieht auch da keine Mine.

"Fertig mit Nokia." Dieser Satz trifft auch die Stimmung der rund 150 Beschäftigten, die ihre Betriebsratschefin an diesem Tag nach Düsseldorf begleitet haben. Als sie in Bochum aufbrachen wussten sie nicht, dass am Ende des Tages die Einigung über den Sozialplan stehen würde.

Als Nokia-Arbeitsdirektor Klaus Goll vor die Menge tritt und bei dem Sozialplan mit einem Volumen von 200 Millionen Euro von einer "Riesenzahl" spricht, schallt ihm höhnisches Gelächter der Nokianer entgegen. "Das zahlt ihr doch mit einem Griff in die Portokasse", ruft einer. Und die Bochumer IG-Metall-Vorsitzende Ulrike Kleinebrahm bilanziert bitter: "Geld heilt nicht alle Wunden."

Dann steigen die Nokianer wieder in ihre Busse, die sie zurück nach Bochum bringen - direkt zum Haupteingang des Nokia-Werkes. Nur wenige machen sich direkt auf den Heimweg. Nur wenige hetzen zu der Bahnhaltestelle direkt hinter der Firma, an der so viele Mitarbeiter des Werkes Tag für Tag ein- und aussteigen. Die Haltestelle heißt "Bochum Nokia".

Die meisten bleiben. Noch lange stehen sie in Gruppen zusammen. Ganz so, als wollten sie sich gerade in diesem Moment gegenseitig ihrer Gemeinschaft erinnern. Einer Gemeinschaft, die ihnen mit Schließung des Werkes Ende Juni genommen werden wird.

Frank Brix steht vor dem Werkstor, er trägt einen Zettel an seinem Hut, auf dem steht: "Almosen als Abfindung". Brix findet, dass der Begriff Almosen bei einem Sozialplan mit einem Volumen von 200 Millionen Euro treffend ist.

Ein kläglicher Haufen zertrümmerter Handys auf der Wiese

"Dieses Unternehmen hat einen Gewinn von 7,2 Milliarden Euro eingefahren. Da hätten für uns 500 Millionen Euro 'rausspringen müssen", sagt der Rundfunk-Fernsehtechniker. Neben ihm liegt ein Haufen Handys auf der Wiese. Es sind zertrümmerte Nokia-Handys, verbeulte Nokia-Handys, klein gestampfte Nokia-Handys. Frank Brix schaut von dem kläglichen Haufen zum Firmengebäude und sagt: "Alles kaputt."

Hinter ihm steht Petra Grunwald und nickt. Die 55-Jährige fühlt sich verkauft. "Wir sind billig abgespeist worden, es gibt hier niemanden, der mit dem Ergebnis zufrieden ist." Wie können sie auch zufrieden sein, jetzt, wo definitiv fest steht, wann das Werk dicht gemacht wird. Petra Grunwald sagt, dass sie genau weiß, wo sie stehen wird, wenn ihre Zeit in der Auffanggesellschaft abgelaufen ist: "auf der Straße".

31 Jahre hat sie in der Verpackungsabteilung von Nokia gearbeitet, beim Arbeitsamt wurde ihr kürzlich gesagt, dass ihre Vermittlungschancen sehr schlecht seien. Petra Grunwald hat Angst vor der Zukunft. Frank Brix hat Angst vor der Zukunft. Alle hier haben Angst vor der Zukunft.

Von Walter Bau und Melanie Pothmann

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Kommentare
10.04.2008
15:07
Nokianer: Wir sind billig abgespeist worden
von NOKIANER | #1

DAs kann man wohl laut sagen,das wir billig abgespeist worden sind.200 Mio das hört sich richtig viel an.Aber freuen kann sich doch darauf nur unser Vater Staat.Denn von 185 Mio die für Abfindungen sein sollen bekommt er ja mindestens 1/3 da ist es doch klar,das ein Herr Rüttgers von einem guten abschluß spricht.Der Vater Staat,bekommt ja mal kurz über 60 Mio für nichts tun.Und die NOKIANER sind die Doofen.Über den abschluß kann ich nur lachen,wie über den Betriebsrat auch,tun jetzt so als hätten sie was gutes getan.

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