Missbrauch - Grundschullehrerin unter Verdacht
29.10.2008 | 21:35 Uhr 2008-10-29T21:35:08+0100Iserlohn. Eine Iserlohner Grundschul-Lehrerin soll jahrelang ihre eigene Tochter misshandelt und tatenlos dabei zugesehen haben, wie das Kind vom Stiefvater sexuell missbraucht wurde. Die Frau wurde vom Dienst suspendiert. ...
... Viele Eltern sind dennoch besorgt. Die Vorwürfe sind nicht neu, aber erst seit kurzem sind sie zuordbar. Anfang des Jahres veröffentlichte eine 42-jährige Dortmunderin unter dem Pseudonym "Christine Birkhoff" ein Buch mit dem Titel "Ein falscher Traum von Liebe". Von einer schlimmen Kindheit erzählt sie darin. Von einer Mutter, die sie geschlagen und gedemütigt haben soll. Und von einem Stiefvater, der sie als Kind und Teenager angeblich jahrelang immer wieder vergewaltigt hat, ohne dass ihre Mutter eingegriffen hätte. Die Identität ihrer Peiniger hält die Autorin in ihrem Buch allerdings geheim.
Nachricht verbreitete sich unter Eltern wie ein Lauffeuer
Die kommt erst ans Licht, als Birkhoff, die ehemalige Polizeibeamtin, vor wenigen Wochen in die Sendung "Stern TV" eingeladen wird. Im Zuge der Recherchen vor der Sendung wird publik, dass Birkhoffs Mutter noch immer als Lehrerin an der Iserlohner Bömberg-Grundschule arbeitet. Mehr noch: Auch der Stiefvater ist dort "ehrenamtlich" aktiv. Er bastelt mit den Kindern, geht auch mit auf Klassenfahrt, und zu Ostern und Weihnachten hat er stets kleine Präsente für die Schülerschaft parat. Offiziell wird er als "Kopierhilfe" geführt. "Manchmal", sagt eine Mutter, die ungenannt bleiben möchte, "haben wir uns schon gewundert." Ihre Tochter habe sich allerdings nie über die ungewöhnliche Aushilfe beschwert.
Die zuständige Bezirksregierung in Arnsberg fällt dennoch aus allen Wolken, reagiert aber schnell. "Dem Lebensgefährten ist sofort untersagt worden, die Schule weiterhin zu betreten", sagt Behördensprecher Jörg A. Linden. Kurz darauf wird auch die Lehrerin selbst zu einem "Dienstgespräch" gebeten, denn: "Sollten die Vorwürfe zutreffen, wäre das ein ungeheuerlicher Vorfall", sagt Linden. Um genau das herauszufinden, hat die Bezirksregierung ein Disziplinarverfahren eingeleitet und die 60-Jährige noch vor der Ausstrahlung der "Stern TV"-Sendung für vorerst drei Monate vom Dienst suspendiert. "Zunächst einmal gilt aber die Unschuldsvermutung", so Linden weiter. Bestätige sich der Verdacht, werde die Lehrerin nach Auskunft der Bezirksregierung nicht wieder in den Schuldienst zurückkehren. Viel mehr hat die Frau allerdings nicht zu fürchten. Strafrechtlich sind die Vorwürfe verjährt. "Nur im Disziplinarrecht greift die Verjährung nicht", sagt Linden.
Unter den Eltern der Schule verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer. Eindringlich befragen sie derzeit ihre Kinder nach ungewöhnlichen Vorfällen. Denn die nun suspendierte Lehrerin, die zuletzt eine 2. Klasse leitete, war nicht unumstritten. Zu größeren Übergriffen gegenüber Schülern oder Schülerinnen ist es nach derzeitigem Erkenntnisstand zwar nicht gekommen, doch galt die Frau seit Jahren als "hart" und "aufbrausend". Mehrfach, so erzählen Eltern, habe sie wütend Etuis von Kindern aus dem Fenster geworfen oder die Jungen und Mädchen wüst beschimpft. Angebliche Beschwerden aus der Elternschaft wurden von der mittlerweile aus Altersgründen ausgeschiedenen Schulleiterin offenbar nicht nach Arnsberg weitergegeben. "Uns ist jedenfalls nichts zu Ohren gekommen", bestätigt Linden.
Unklar ist auch, inwieweit oder ob überhaupt die Vorwürfe Christine Birkhoffs der ehemaligen Schulleitung seit längerem bekannt waren. Birkhoff selbst will auf einem Klassentreffen ihres Abi-Jahrgangs Ende 2004 eine Freundin informiert haben, die damals ein Kind in der Klasse der suspendierten Lehrerin hatte. Sie selbst hat die Schulleitung nicht informiert. "Wer hätte mir schon geglaubt?"
Die beschuldigte Lehrerin selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
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