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"Konzerne fahren Schlitten mit der Politik"

18.11.2009 | 17:51 Uhr

Recklinghausen. Zum Buß- und Bettag hat die evangelische Kirche eine gesellschaftliche Neuorientierung gefordert. Die derzeitigen Krisen führten vor Augen, „wie dringend es ist, Freiheit und Verantwortung neu zu justieren”, mahnte der westfälische Präses Alfred Buß gestern in Recklinghausen.

Das marktradikale Konzept von Liberalisierung, Privatisierung und Deregulierung habe gezeigt, in welches Verderben die Missachtung der Grenzen von Freiheit führt, sagte der leitende Theologe der Evangelischen Kirche von Westfalen. „Konzerne wie Nokia und General Motors fahren immer noch Schlitten mit der Politik.“ Die Menschen seien der freien Marktwirtschaft, die in den letzten 20 Jahren herrschte, immer mehr überdrüssig, sagte Buß und forderte neue Rahmenbedingungen, so dass „sich das Systemin eine soziale, ökologische und global orientierte Marktwirtschaft entwickelt”.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise habe gezeigt, wie wichtig Vertrauen für das Wirtschaften ist. Aber: „Bei Opel erleben die Mitarbeiter seit Monaten ein zynisches Pokerspiel der bekannten Art, ausgetragen auf ihrem Rücken. Die Art und Weise, wie hier von GM Katz und Maus gespielt wird, fördert das Misstrauen gegenüber Konzernstrukturen und ihren Managern. Offenbar geht es nur um die Sicherung des technischen Knowhow und nicht um Menschen.“

Der Bußtag, der 1532 im mittelalterlichen Straßburg offiziell eingeführt wurde, fiel 1995 der Finanzierung der Pflegeversicherung zum Opfer. Außer in Sachsen ist er als gesetzlicher Feiertag gestrichen.

Petra Kappe

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