"In aller Freundschaft" vs. "Dr. House"
02.09.2008 | 07:30 Uhr 2008-09-02T07:30:00+0200
"In aller Freundschaft" feiert am Mittwoch sein Zehnjähriges. Die TV-Zuschauer werden die Jubiläumsfolge im Oktober sehen. Was ist dran an den Arztserien? Die beiden Gegenpole im Vergleich: "In aller Freundschaft" gegen "Dr. House".
Als sich die Klinikpforten vor zehn Jahren zum ersten Mal fürs Publikum öffneten, gab es wahrlich keine Bestandsgarantie für dieses Krankenhaus. Doch die Quote straft die Kritiker Lügen: Mehr als sechs Millionen Zuschauer lassen sich inzwischen wöchentlich in die „Sachsenklinik” einweisen.
Es muss doch einen Grund haben, warum so viele Menschen freiwillig Krankenhausluft schnuppern. Natürlich ist man nicht gleich raus, wenn man mal eine Folge verpasst: Fast in jeder werden neue Patienten behandelt, um die sich nicht nur medizinische, sondern auch menschliche Geschichten ranken. Konstant weiterentwickelt aber wird das Liebes- und Berufsleben des Klinikpersonals.
So ist der Serientitel „In aller Freundschaft” denn auch zu verstehen: Es geht in erster Linie um die Freundschaften des Teams rund um Chefarzt Dr. Heilmann - und um deren eigene Wehwehchen. Was haben die „Freunde” zu Hause vor den Bildschirmen etwa mitgezittert, als Roland Heilmann mit dem Flugzeug abgestürzt war und es so aussah, als könne er nie wieder ein OP-Messer in die Hand nehmen. Oder als er Leukämie hatte! Warum eigentlich trifft es immer Heilmann so hart? Wahrscheinlich, damit dessen Darsteller Thomas Rühmann sich in Aus-Zeiten der Heilung um sein eigenes Theater kümmern kann
Doch es ist nicht nur das Menscheln, das die Quoten bringt: Sogar richtige Pfleger und Ärzte sehen sich in dem Alltag zwischen Notaufnahme und Privatleben wieder. Liegt wohl daran, dass Fachleute die Macher beraten.
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Seit einer Woche praktiziert Dr. House wieder. Das heißt, er löst Fälle. Wie der Sherlock Holmes unter den Ärzten. Ansonsten aber benimmt er sich wie Al Bundy.
Millionen Menschen lieben ihn dafür und sehen ihm jeden Dienstag zu. Bei keiner anderen Sendung im deutschen TV ist ein Werbespot teuerer als hier. 81 000 Euro kosten 30 Sekunden. House-Darsteller Hugh Laurie könnte dennoch gleich mehrere Spots buchen. Er kassiert 300 000 Dollar. Pro Folge.
Und er ist jeden Cent davon wert. Oder besser gesagt: Dr. House ist jeden Cent davon wert. Weil er völlig anders ist als andere Ärzte. Bein kaputt, Seele kaputt. Zynisch, barsch, arrogant, faul und tablettenabhängig. Genialer Diagnostiker, menschlicher Kotzbrocken. Was ihn nicht stört, denn: „Menschlichkeit wird überbewertet.”
Patienten interessieren Dr. House kaum, reden mag er gar nicht mit ihnen. Schon weil „jeder Mensch lügt”. Nur Krankheiten können sein Interesse wecken. Wenn sie neu sind. Oder exotisch. Wie etwa „persistierende Tachykardie”. Ansonsten sind sie ihm egal. "Gehirntumor. Sie wird sterben. Langweilig."
Es sind aber nicht nur die oft völlig abseitigen, trotzdem meist auf Tatsachen beruhenden Fälle, die einen einschalten lassen. Es sind vor allem Szenen – wie die beim Pferderennen. Da bricht plötzlich eine Dame mittleren Alters vor den Augen des kauzigen Mediziners zusammen. House blickt nur kurz hin, bevor er sich wieder dem Geschehen auf der Bahn zuwendet und fragt: „Ist kein Arzt hier?”
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