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Immer auf Achse und mit einem Bein im Knast

24.08.2008 | 19:50 Uhr
Immer auf Achse und mit einem Bein im Knast

Düsseldorf/Dortmund. In einem Taxi nach Paris - davon träumt Wolfgang Zetsche (Name geändert) seit 20 Jahren: „Das wär' die Tour meines Lebens”. Doch mancher Kunde, der am Flughafen Düsseldorf bei ihm einsteigt, meckert schon, weil die Fahrt in die Altstadt so viel kostet.

Mit dem Taxi fahren ist heute Luxus, und Taxifahrer ist ein lausig bezahlter Job.

140 000 Kilometer stehen auf dem Tacho von Zetsches Auto. „Gar nicht viel für einen Diesel”, sage ich, um mit ihm ins Plaudern zu kommen. Der Fahrer grinst sich eins, zögert drei, vier Sekunden und sagt: „Vergiss' es. Der Wagen ist mindestens 300 000 gelaufen.” Und weil er gerade so schön in seinem Thema ist, fängt er an zu erzählen. Von Unternehmern, die den Tachostand ihrer Taxis jeden Monat um hunderte Kilometer zurückdrehen. Von Betrieben, die 20 Wagen haben, aber angeblich nur vier Vollzeit-Beschäftigte. Von Razzien in Düsseldorfer Taxi-Büros. „In dieser Branche gibt es so viel Schmu, das kann man sich gar nicht vorstellen”, meint Zetsche. „Die Steuer ist abhängig von der Jahres-Laufleistung eines Wagens. Wer weniger fährt, muss später weniger zahlen.”

„Änderungen des Tachostandes sind gang und gäbe”

„Tachostandveränderung ist gang und gäbe”, bestätigt Lothar Jäger (Name geändert), Taxiunternehmer aus dem östlichen Ruhrgebiet. Viele Fahrer seien 400-Euro-Jobber oder Hartz-IV-Empfänger, führen aber vier oder fünf Tage in der Woche. „Bei der Laufleistung müssen die Kilometerstände ja zurückgeschraubt werden, damit das nicht auffällt.”

Wirklich riskant scheint das offenbar nicht zu sein. Schwarzarbeit im Taxi ist kaum feststellbar, denn die Fahrer sind ja regulär gemeldet. „Ein Hartz-IV-Empfänger darf sich jeden Monat ein paar Euro dazuverdienen. Und wenn er kontrolliert wird, dann ist es eben gerade der Tag, an dem er arbeiten darf”, erfahren wir.

Sind viele Taxifahrer und ihre Chefs also Abzocker vor dem Herrn? „Beiliebe nicht”, beteuert Jäger. „Verdienstmäßig ist das für viele ein katastrophaler Job. Ein Anfänger verdient vielleicht 44 Euro am Tag. Einnamen und Sprit werden zwischen Fahrer und Chef geteilt. Hundert Kilometer sind gleich 100 Euro. Das macht 50 Euro für jeden. Davon gehen noch jeweils sechs Euro für den Sprit ab.” Fünf Euro Verdienst in der Stunde seien üblich, „der Lohn ist miserabel, die Fluktuation groß. Und der Unternehmer verdient vielleicht noch ganz ordentlich, steht aber oft mit einem Bein im Knast.”

„Wir haben im Taxigewerbe deutliche Auffälligkeiten bei der Schwarzarbeit”, bestätigt Klaus Salzsieder von der Abteilung Finanzkontrolle Schwarzarbeit beim Zoll. Bereits Seit 2004 gebe es verstärkte Kontrollen der Branche. Im letzten Jahr wurden bundesweit 12 000 Fahrer überprüft, jeder zehnte fiel auf. Allein in NRW registrierte der Zoll 320 „Unregelmäßigkeiten” bei 3170 Kontrollen.

Aber es lässt sich eben nicht alles registrieren. Salzsieder hat das Gefühl, dass die Behörden manchmal nur an der Oberfläche kratzen. „Wir haben letztes Jahr am Kölner Hauptbahnhof kontrolliert. Zehn Minuten später war dort kein einziges Taxi mehr zu sehen. Nach 45 Minuten kamen die Wagen wieder, am Steuer saßen aber nur die Unternehmer”, erzählt Salzsieder. Er erinnert daran, dass Schwarzarbeit kein Kavaliersdelikt sei, sondern eine Straftat.

Thomas Grätz, Geschäftsführer des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbandes in Frankfurt, bestreitet nicht, dass es in der Zunft „auch Schwarze Schafe gibt”. Er sagt aber: „Es sind weniger geworden. Der Fahndungsdruck ist in letzter Zeit sehr groß.”

Noch etwas drückt die Stimmung bei den Chauffeuren: die Spritpreise. Kurz nach der Euro-Einführung kostete der Liter Diesel noch unter 80 Cent. Heute sind 1,35 Euro fällig, vor ein paar Wochen waren es sogar über 1,50 Euro. „Vor zehn Jahren machte der Sprit acht bis zehn Prozent der gesamten Betriebskosten aus. Jetzt liegen wir bei 15 bis 20 Prozent”, erklärt Grätz.

Noch ein Problem: Die Krankenversicherungen suchten inzwischen per Internet-Ausschreibung nach den günstigsten Anbietern von Krankenfahrten. „Die drehen an der Kostenschraube, alles geht Richtung billig”, weiß Grätz. Und er fügt noch hinzu, dass es eigentlich viel zu viele Taxis im Land gebe.

Matthias Korfmann

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Kommentare
25.08.2008
11:26
Immer auf Achse und mit einem Bein im Knast
von leonidas | #5

ich drehe nicht zurück ich nehme TIPP Ex

25.08.2008
08:10
Immer auf Achse und mit einem Bein im Knast
von kein Diesel mehr | #4

Tacho zurückstellen funktioniert nur bei alten Autos, bei neuen Modellen sind die Tachostände überall im System abgelegt.
Da hat sich einer wichtig gemacht und für Reporter ist das ein gefundenes Fressen

25.08.2008
03:13
Immer auf Achse und mit einem Bein im Knast
von fahrer | #3

witzbold. wir drängeln, schneiden und rasen eher weniger als andere verkehrsteilnehmer, unsere fahrzeuge fallen eben nur mehr auf.

desweiteren wage ich zu bezweifeln, daß der bericht den tatsachen entspricht - zumindest die von w.z....

25.08.2008
01:10
Immer auf Achse und mit einem Bein im Knast
von Kai | #2

Und so verhalten sie sich leider auch oft. Drängeln , schneiden, rasen.

24.08.2008
21:44
Immer auf Achse und mit einem Bein im Knast
von Vielfahrer | #1

Taxifahrer sind die Ratten der Straße.

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