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"Hier werden Kriminelle rangezüchtet"

06.03.2009 | 21:35 Uhr

Dortmund. Wer im Gefängnis einsitzt, hat etwas verbrochen und wird dafür bestraft. Mit Freiheitsentzug. Und mit Demütigung und Rachegelüsten des Wachpersonals. ...

Eigentlich, so sagt der vor vier Wochen aus der Haftanstalt Entlassene, sollen Häftlinge in der JVA auf die Zeit nach der Strafe vorbereitet werden. "In Wirklichkeit bist du nach dem Gefängnis erst mal am Ende." (WR-Foto: Ralf Rottmann)

... Das behauptet ein jüngst aus der Justizvollzugsanstalt Dortmund Entlassener und reiht sich in die Reihe von Gefangenen der JVA Detmold, Gelsenkirchen, und Wuppertal ein, die das Land Nordrhein-Westfalen wegen "menschenunwürdiger Unterbringung" verklagt haben.

Laut Monika Düker, innen- und rechtspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag NRW, gibt es derzeit 700 laufende Gerichtsverfahren in NRW wegen menschenunwürdiger Unterbringung. Die Ursachen seien meist Platzmangel und die Mehrfachbelegung von Einzelzellen. Im Zusammenhang mit der Mehrfachbelegung können die Gefangenen laut Düker nicht vor Gewalt sicher sein.

Mehrfachbelegung führt zu Gewalt Diese Einschätzung bestätigt der Ex-Gefangene aus Dortmund. "Hier kriegst du jede Droge. Hier werden Kriminelle rangezüchtet", sagt er über jenen Ort, in dem er ein Jahr lang wegen räuberischer Erpressung (Banküberfall) leben musste und den er vor vier Wochen vorzeitig verlassen durfte. Während seiner Haft wurde er nach kurzer Zeit Sprecher der Gefangenen. Sieben lange Monate in einer engen Gemeinschaftszelle zusammen mit einem Fremden auf ein paar Quadratmetern und das 23 Stunden am Tag, "in der 24sten Stunde ist Freigang", bewegen ihn dazu, über die Haftbedingungen zu sprechen.

"So was darf nicht sein", findet er. Der 1,90 Meter große Mann, den nichts so leicht umhauen kann, geht ins Detail: "Zur Toilette vor den Augen deines Zellennachbarn zu gehen, ist das Allerletzte. Wenn du dir eine Decke davorhängst, geht die Türklappe runter und ein Wachmann schreit: entfernen."

Erst als es eine Welle von Klagen gegen Haftbedingungen gegeben habe, "ist man in Dortmund hektisch geworden." Man habe angefangen, in den Zellen eine Schamwand aus Spanholz um die Toiletten herum zu bauen. "Aber Geräusche und Gerüche gibt´s trotzdem." Die theoretisch als Regelfall vorgesehene Einzelunterbringung, die die Würde von Gefangenen wahren könnte, "gibt es nur in Ausnahmen". Nicht nur dieser Ex-Häftling fordert eine verbindliche Regel. Auch die Landtagsabgeordnete Düker meint: "Wir brauchen eine gesetzliche Festlegung allgemeinverbindlicher Standards: Quadratmeterzahl pro Gefangenen und abgetrennter Sanitärbereich."

Stichwort Arbeit: Auf 424 Gefangene kommen nach Angaben des Ex-Häftlings in der JVA Dortmund nur 100 Arbeitsplätze. "Jeder will arbeiten, um nicht verrückt zu werden." Möglichkeiten, die Aggression und das Adrenalin abzubauen, gebe es. Beim Volley- oder Basketball oder im Kraftraum. "Theoretisch. Leider sagt dir niemand, dass es Angebote gibt. Das schwarze Brett ist leer." Konsequenz: "Du hockst aufeinander und gehst dir auf die Nerven." Rund zwei- bis dreimal die Woche sprächen die Alarmglocken eine eindeutige Sprache: "Dann kommen die Schlagknüppel zum Einsatz."

Stichwort: Psychologische Betreuung. "Wenn du ein Problem hast, hast du Pech." Grund: Bei zwei Psychologen auf 424 Gefangene, "kriegst du keinen Termin".

Laut Grünen-Sprecherin Düker sind von aktuell 17 500 Inhaftierten in 37 Haftanstalten in NRW 80 Prozent psychisch auffällig. "Da sind 130 Psychologen zu wenig."

Anstaltsleiterin hat nun bessere Stelle Während die Politik zum Umgangston in den JVA schweigt, berichtet der Ex-Häftling aus Dortmund: "Die Beamten sind rechts, ausländerfeindlich und beschimpfen die Inhaftierten."

Dass die Dortmunder Anstaltsleiterin nun in Aachen arbeitet, hat nach Angaben des Justizministeriums nichts mit ihrer Kritik an den Haftbedingungen zu tun: "Reina Blikslager hat nun eine besser dotierte Stelle. Mehr nicht."

Von Silke Hoock

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Kommentare
07.03.2011
23:42
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von Dachboden | #36

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07.03.2011
23:36
Hier werden Kriminelle rangezüchtet
von marcel1909 | #35

Wer Kinder vergewaltigt und misshandelt, hat in meinen Augen jedes noch so kleine Recht verloren. Dass solche Personen sich hier dann auch noch in Ruhe beschweren können ist doch der Wahnsinn! Sei lieber froh wenn du im Knast bist, hier draußen gibt es sicher ein paar Bürger die noch viel schlimmere Dinge mit dir anstellen würden...

07.03.2011
23:14
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von Dachboden | #34

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07.03.2011
22:59
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von Dachboden | #33

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09.11.2010
15:18
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von Heinz W. Geisenberger | #32

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01.07.2010
01:24
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von XY | #31

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21.03.2009
00:40
Hier werden Kriminelle rangezüchtet
von Jörg Oßke | #30

Kommentar zur JVA Dortmund v. 10.3.2009 um 13:01.
Lieber Personalratsvorsitzender und stellvertr. Vorsitzender des BSBD der JVA Dortmund. Selbstverständlich gibt es bei Ihnen kein Gruppendruck und keine Gruppendynamik, wie es im Film das Experiment dargestellt wird. Auch keine falsch verstandene Kollegialität um Straftaten und Verbrechen von Bediensteten Ihrer JVA ,unter den Teppich zu kehren( auch JVA Bedienstete, sind ein Spiegel der Gesellschaft und ebenfalls auch mal straffällig).Es gibt auch keine Entrechtung von Häftlingen? Jede nicht konsequente Anwendung des Strafvollzugsgesetzes, ist schon eine Entrechtung. Ganz zu schweigen von den Rechten, die jedem Bürger nach dem Grundgesetz. zustehen. AUCH HÄFTLINGEN! Natürlich werden in der JVA Dortmund, anders als in allen anderen Haftanstalten in NRW, sämtliche Gesetze der BRD eingehalten. Wer sollte schon daran zweifeln? Ich zb. und viele andere Gefangenen lügen natürlich. Wer glaubt schon Knackis? Sie dagegen üben einen Beruf als Landesbediensteter aus und die sind ja über jeden Zweifel erhaben. Auch von Folter, können Sie natürlich aus Ihrer Haftanstalt nicht berichten. Ich kann, da ich bei Ihnen in der JVA Do nur kurz, bezüglich eines Scheidungstermins untergebracht war, nichts über Folter berichten.
Aber mir und das versichere ich an Eides statt. Über die Folgen einer falschen eidesstattlichen Versicherung, bin ich informiert, hat man u.a. in der JVA Bochum Propan/Butan Gas (Camping-Gas) in meine Hafträume geleitet. Natürlich suche ich Händeringend nach Zeugen. Ich Schrie 1999 in der JVA Bochum: Hilfe, die leiten mir Propan-Gas in meine Zelle. Ein anderer Häftling sagte: Hast Du das gehört. Da dreht einer durch. Nein schrie ich. Haltet doch mal die Nase ans Gitter. Jau, tatsächlich. Sind die denn verrückt, die ganze Bude fliegt in die Luft. Ich gehe davon aus, das die Täter, also die Betreffenden JVA Beamten, noch immer in der JVA Bo, tätig sind. Jetzt verstehe ich auch warum die Beteiligten Verbrecher, wenn Sie noch in den Wohnungen auf dem JVA Gelände wohnen, gegen den drohenden Abriß Ihrer Wohnungen protestieren. Obwohl, nach meinen Erfahrungen, haben die Beteiligten Täter zu meinem gesundheitlichen Nachteil, gar kein Gewissen. Sollte ich noch einmal in Haft geraten, wovon ich allerdings nicht ausgehe, werde ich versuchen mich in Ihr Paradies einweisen zu lassen. ( Ist ja Wohnortnah )
Ich habe seit meiner Haftentlassung im Sept. 2002, keine Straftaten mehr begangen. Als Erstinhaftierter, dem Zwei Drittel zusteht, habe ich bis zur letzten Sekunde abgesessen. Nur, weil ich die Frechheit besaß, die Täter anzuzeigen.. Als Krönung, versuchte mich die Justiz in Haft für verrückt zu erklären und mich unglaubwürdig erscheinen zu lassen. Ich darf hier wie Sie richtigerweise kommentieren, das Sie natürlich recht haben, das sich jeder Gefangene bei der Anstaltsleitung, dem Gefangenenbeirat usw. beschweren kann, wenn er nicht wie ich, kurz vor meinen Beschwerdevortrag immer wieder in andere Haftanstalten verlegt worden wäre. Sagen Sie doch den Menschen, das jeder Furz in Haft beantragt werden muß und damit den Bediensteten und dem Anstaltsleiter vorher bekannt wird. Mit der vorherigen Verlegung, bevor es überhaupt zu einem Gespräch und damit zur Kenntnis u.a. des Gefangenenbeirats kommt, entledigt sich die Anstalt aller Ihrer Probleme bezüglich des Häftlings. So wird doch die ******* ausgebügelt, die sich JVA Beamte zu Schulden kommen lassen haben. Es geht hier auch um Straftaten der JVA Beamten. Aber wie gesagt, bei Ihnen ist alles gesetzeskonform und Sie haben auch mehr als genug Beamte, um die Vorgaben des Strafvollzugsgesetzes im ausreichenden Maße zu erfüllen! Bei Ihnen in der JVA Dortmund scheint lt. Ihrere eigenen Aussage alles perfekt. Ich habe keine Entlassungsvorbereitung, geschweige denn Urlaub bekommen. Ich war den Beamten wehr und hilflos ausgeliefert. In Haft wurden aus Menschen Tiere und aus Tieren Bestien gemacht. Beamte haben versucht mich auch durch psychoterror in den Wahnsinn zu treiben. Diesen Verbrechern, die an den Taten zu meinen gesundheitlichen Nachteil beteiligt waren, wünsche ich, einzeln allein, nach und nach mit mir eingeschlossen in einen Haftraum, im täglichen Kampf . Lebenslänglich oder Psychatrie ist dafür, was man mir in fast 2000 Tagen angetan hat, nicht genug. Immer wieder, tausende Tage lang. Die feigen Beamten würden sich nach einer gewissen Zeit sicherlich selbst aufhängen und das Problem wäre gelöst.
Von deeskalation kann in den Justizvollzugsanstalten wohl kaum eine Rede sein. Zumindest bis zu Ende des Jahres 2002. Bo, Werl, Detmold, sprechen da für sich. Welcher halbwegs normale JVA Bedienster, leitet einem Ihm in Fürsorge anvertrautem Häftling, schon Propan-Gas in seine Hafträume? Und welcher geisteskranke Kollege schaut schon dabei zu?
Ich habe es am eigenem Körper erdulden müssen.
Wenn ich Ihre Ausführungen so lese, darf ich Ihnen gerne einmal nahe legen, sich mit mir in Verbindung zu setzen. Ich habe nämlich ein Tagebuch geschrieben, das auf ca. 430 Seiten die Realität in Haft beschreibt.
Ich bin durch die Hölle gegangen. Das Ziel der Beamten, war meine völlige Vernichtung. Auch um die zu meinem gesundheitlichen Nachteil begangenen Verbrechen, der Justizvollzugsbediensten, unter den Teppich zu kehren. Und wenn Sie in ca. 24 jähriger Tätigkeit nur ein bis zwei Mal den Schlagstock angewandt haben, dann muß ich mich fragen, waren Sie immer krank oder im Urlaub, wenn mal etwas geschehen ist? Mir ist bekannt, das der Krankenstand von JVA Beamten exorbitant hoch ist!
Zum Abschluß sei jedem gesagt, der über Häftlinge oder Haftbedingungen urteilen möchte, doch am besten selbst Richter geworden wäre.
Es liegt im ureigensten Interesse, eines jeden Bürgers, sich für die Häftlinge und deren Rechte einzusetzen, denn wenn wenn Häftlinge entrechtet, gefoltert, mißhandelt, zum Rentner geknüppelt werden, schlägt das auf die Gesellschaft wie ein Bummerang zurück. (Nicht jeder Mensch, kann sich seinen Nachbar aussuchen), wenn dieser mit 500 Bar Druck aus eben diesen Gründen, aus der Haft entlassen wird! Für die Vorfälle in u.a. der JVA Bochum, suche ich händeringend ZEUGEN!

12.03.2009
04:58
Hier werden Kriminelle rangezüchtet
von Frank Gottschlich | #29

Ja Kaktus , mein Name ist Gottschlich… Und Deiner..?

Doch wenn du noch so stachelst, der Beleg in Sachsen wurde erbracht, dass mit konsequenter Presse, Menschen ihre Würde wiedergegeben werden kann. (2006 Dresdner Morgenpost) Und wenn es dann noch eine funktionierende Opposition im Landtag gibt, die dranbleibt an den Menschenrechten, - sich auskennt im Strafvollzugsgesetz in Verbindung Grundgesetz- dann bleibt einem Justizminister keine Wahl als den Menschen ihre Würde wieder zu geben. In Sachsen wurden die Zellen zumindest menschenwürdig umgerüstet, alles innerhalb kürzester zeit. Es geht. Warum nicht in NRW ? http://eckstein.foren-city.de/topic,1874,-justizminister-mackenroth.html
.
Der Artikel von Silke Hook hat uns erst mal gezeigt das die Grünen in NRW laut ihrer Sprecherin Frau Monika Düke noch nicht so weit sind, im Kenntnisstand wie die FDP in Sachsen schon 2006 war. Aber nun bin ich mal zuversichtlich, dass sich das schnell ändern wird.
.
Und dann, Frau Ministerin, kommen sie aber ganz schön ins Schwimmen. All ihre Aussagen, all ihre Bemühungen um Umlenkung des Themas werden hinfällig. Sofern die Presse dranbleibt. Und die Opposition Aber zumindest “im Westen“ scheint man auch das Grundgesetz verstehen lernen zu wollen in Bezug auf den Vollzug.
.
Alles hat seine Zeit.

In Kürze werden ihre Juristen im Ministerium wieder was zum Knobeln haben. Da kommen Sie mit ihrer neuen Verträglichkeitsprüfung nicht mehr weit. Bestimmt werden die Vollstreckungsbehörden ( Also die Staatsanwaltschaften , die den Verurteilten “einweisen“ in den Knast) sich selbst wieder absichern, indem sie ihnen knallharte Vorgaben machen, wie denn nun der Gefangene unter zu bringen ist. http://www.jusline.de/index.php?cpid=f92f99b766343e040d46fcd6b03d3ee8&lawid=56&paid=455a Die logische Folge. Das Ermessen eines Knastbosses in der Anwendung reduziert sich auf Null….. Fortsetzung folgt: ( Bestimmt Kaktus.:-). Obs euch passt oder nicht.
Frank Gottschlich
Görlitz

11.03.2009
21:23
Hier werden Kriminelle rangezüchtet
von kleinerkaktus | #28

Und Herr Gottschlich hat endlich seine Bühne gefunden...

11.03.2009
21:21
Hier werden Kriminelle rangezüchtet
von kleinerkaktus | #27

Ich habe meinen Sohn in Haft. Und kann JEDEM, der hier Luxusknast und Urlaub auf Staatskosten, Wegnahme der Ehrenrechte und weiteren Blödsinn von sich gibt, empfehlen, für kurze Zeit die Zellen von innen zu betrachten.
Die Realität ist eine ganz andere, auch wenn es für manch einen kaum vorstellbar ist.

Und entgegen der allgemeinen Volksmeinung sind Zellen nicht mit Fernseher, Radio und/oder DVD ausgestattet, sondern diese werden von Angehörigen mitgebracht und ein großer Teil Häftlinge zahlt Stromkosten dafür.

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