Haben wir zu viele Gesetze?
04.01.2008 | 07:23 Uhr 2008-01-04T07:23:00+010055.555 ist die Zahl des Jahres. Der Verband der Städtestatistiker hat sie ausgesucht. Denn so viele „Einzelnormen” gibt es in deutschen Gesetzen. Eine Flut, sagen Kritiker - und fragen: Haben wir zu viele Gesetze?
Weltweit ist Amerika Marktführer im Erfinden kurioser Vorschriften. In Miami ist es bei Strafe verboten, dass sich Männer im Morgenmantel ohne Gürtel zeigen. In Kentucky dürfen sie Hüte nur in Begleitung ihrer Frauen kaufen. Das Städtchen Topsail Beach hat Hurrikanen per Verordnung untersagt, die Stadtgrenze zu passieren.
Typisch Amerika.
Typisch Amerika? Ein regelmäßiger Lacherfolg - und Aprilscherz - ist die hübsche Geschichte von „BoA” aus dem Gesetz- und Verordnungsblatt von Sachsen-Anhalt, eine Benutzungsordnung für Toiletten, die in der Nach-Wendezeit„für das Darmentleeren in allen Aborten” des Landes galt. Sie schrieb vor, das Verdauungs-Finale nur im Sitzen zu entrichten, vorher jedoch „die Beinkleider bis zu den Knien” hinunter zu ziehen und allenfalls fünf Blättchen zum Reinigen zu verwenden.
Viele Regeln sind aber eben kein Jux: Dass Arbeitnehmern in Büros 1,5 Quadratmeter zur Verfügung stehen müssen, Hunden aber acht Quadratmeter zum Leben gegeben wird, ist ebenso gesetzliche Realität wie die berühmten EU-Krümmungsvorschriften für Gurken, das Verbot, Garagen als Lager zu nutzen und Stapel von Baurecht.
Der Verband der Städtestatistiker meint: Das muss anders werden. Allein der Bund hat 1817 Einzelgesetze mit 55.555 Einzelnormen. Es gibt überdies 2728 Rechtsverordnungen mit weiteren 44 689 Einzelvorschriften. Nicht zu vergessen: EU und Länder produzieren noch mal so viel.
„Wir können fast von einer genormten Gesellschaft sprechen”, schimpfen die Statistiker. Sie empfehlen: „Es ist dringend geboten, den Sinn einzelner Vorschriften zu hinterfragen”. Mehr noch: „Wir sollten auf möglichst viel Regelungen verzichten”.
Die Mathematiker stehen mit ihrer Kritik nicht allein. Deutschlands prominentester Jurist gibt ihnen Rückendeckung. Prof. Hans-Jürgen Papier, der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, fordert einen konsequenten Kahlschlag im Gesetzeswust. Freilich: Nicht allein der Gesetzgeber habe Schuld an der Menge, sagt er. Auch der Bürger mache zu gerne mit: „Es ist häufig Bequemlichkeit und Furcht vor der eigenen Verantwortung, letztlich Furcht vor der Freiheit, die Menschen nach neuen Gesetzen rufen lässt.” Die Bundesregierung nimmt die breite Kritik auf. Sie verweist darauf, dass auch Gesetze wieder gestrichen werden. Und dass dies in der laufenden Wahlperiode schon 288-mal der Fall war gegenüber nur 285 Gesetzen, die hinzu gekommen sind.
Fliegen-Babys sind zu zählen
Berlins großes Ziel: Bis zum Jahr 2011 sollten zumindest die Bürokratiekosten durch Gesetzeswerke um 25 Prozent verringert werden. Ein Großteil entsteht durch so genannte „Informationspflichten” der Wirtschaft gegenüber dem Staat - in insgesamt 11 000 Fällen. Manager müssen viele statistische Angaben an Behörden übermitteln. So wurde der Inhaber eines Museums lebender Insekten verpflichtet, die neuen Fliegen-Baby zu zählen...
Immerhin gibt es seit 2006 ein Gremium von acht Experten, das die Gesetze darauf abklopft, ob sie sich zu bürokratischen Monstern entwickeln könnten. Es ist der „Nationale Normenkontrollrat”. 254 Entwürfe hat er schon überprüft und behauptet, so manche Million gespart zu haben.
Damit die Runde korrekt arbeiten kann, war ein Gesetz. nötig. Mit acht Paragraphen.
Befristetes Recht
- Auch die NRW-Landesregierung spricht von einer „übertriebenen Regelungsdichte”.
- In Nordrhein-Westfalen werden deshalb Gesetze und Verordnungen künftig generell befristet beschlossen.
- Sie treten nach einer Frist automatisch außer Kraft und werden vom Landtag nur verlängert, wenn es sich wirklich als notwendig erweist.
- 810 bestehende Gesetze wurden mit einer zeitlichen Befristung versehen.
10:11
Ein Deutscher würde in der Wüste an einer Quelle verdursten, so lange dort kein Schild Trinkwasser angebracht ist. Es liegt anscheinend in unserem Wesen, für alles eine staatliche Regelung zu fordern. Ansonsten kann ich mir vorstellen, dass Juristen und Steuerberater die Gesetzesvielfalt sehr begrüßen.
09:51
Das die deutsche Regierung selbst nicht in der Lage ist, den KMUs ohne Heerscharen von Anwälten, Vertragsmuster zur Verfügung zustellen, die vor deutschen Gerichten standhalten, belegt eindeutig, warum die Rechtssprechung in Europa oft als Wilkürrecht empfunden wird.
Viele haben den Eindruck, das die heutige Justiz nur denen nützt die einen Richter durch Anwälte und Gutachter beeindrucken oder sogar in Angst versetzen können, dass er bewusst oder unbewusst die finanziell stärkere Partei begünstigt.
09:23
Natürlich hat Deutschland zu viel Gesetze und Verordnung. Der Grund liegt m.E. in der Natur der Bevölkerung: Soweit etwas nicht geregelt ist, wird nach staatlichen Organen gerufen. Eigenständiges Denken, der normale Menschenverstand, miteinander reden, etc. tritt in den Hintergrund. Der Deutsche schreit nach Bevormundung. Aktuelle Beispiele sind auf den Gebieten Datenspeicherung, Nichtrauchergesetze, Umweltzonen, Personenstandsgesetze usw. zu finden. Schlimm ist hierbei nur, dass viele Politiker auf EU-, Bundes- und Landesebene tatsächlich der Auffassung sind, mit neuen Regelungen ein besser funktionierendes Gesellschaftssystem schaffen zu können. Politik und Verwaltung sollte sich nicht nur vom Selbsterhaltungstrieb steuern lassen, sondern sich zum Ziel setzen WENIGER (= Gesetze, Behördern, Volksvertreter) ist MEHR (Finanzmitteleinsparungen, mündige Bürger).
09:12
Ich kann sie mir gar nicht alle merken - bin ich jetzt schon strafbar geworden???
09:04
Zuviele Gesetze, Regeln, Gebote und Verkehrszeichen. Damit einhergehend zuviele Politiker, Beamte etc.. In D existiert eine Riesenbürokratie aus reinem Selbstzweck. Neue Gesetze werden erlassen, damit es auch neue Mitarbeiter geben muss, die sich um die Einhaltung kümmern, frei nach dem Motto: je mehr MA ich habe, umso wichtiger bin ich; je mehr Gesetzentwürfe ich einbringe, umso toller bin ich.
08:50
Wir sind zur Bananenrepublik mutiert.
Hatte mal gerlernt, dass der Staat nur so gut ist wie seine Gesetze sind und er auch dafür sorgt, dass sie durchgesetzt werden.
Das geht bei uns schon lange nicht mehr und ist ins gegenteil umgeschlagen.
Heute benötige ich nur einen guten Anwalt und gehe lachend vom Gericht nach Hause. Konsequenz?
Hauptsache, ich verstoße nicht gegen die 17.te Ausnahmeverordnung zum Fischkadaverbeseitigungsgesetz.
08:00
Im europäischen Ausland ist es so, dass alles erlaubt ist, was nicht verboten ist. In Deutschland haben es diese nichtsnutzigen Politiker dahingehend geschafft, dass alles verboten ist, was nicht ausdrücklich erlaubt ist.