Die S-Bahn-Hoffnung heißt ET 422
09.06.2008 | 18:57 Uhr 2008-06-09T18:57:05+0200Düsseldorf. S-Bahn fahren macht wenig Spaß. Zumindest in der Region Rhein-Ruhr. Uralte Züge, verschmutzte Innenräume - und mit der Pünktlichkeit ist es auch nicht weit her. Gestern präsentierte die Bahn ihre neuen S-Bahnen. ...
... Mit denen soll alles besser werden. Muss es auch, wie die Anfahrt zur Einweihungsfeier per Bahn zeigte. Der Dreck auf dem Boden der S 1 von Dortmund Richtung Düsseldorf Hauptbahnhof hat sich schon eingebrannt. Kein Wischmop bekommt ihn mehr weg. Der kleine Mülleimer unterm Fenster quillt über, deshalb haben Pendler ihre leeren Brötchentüten einfach auf den Sitzen liegen gelassen.
Wenigstens die Sitze sehen einigermaßen neu aus, sie wurden wohl erst vor kurzem ausgetauscht. Blaues Karomuster ohne Schmierereien. Die gibt es dafür an den Wänden. Einige Botschaften wurden mit wasserfesten Stiften verewigt, andere mit Essensresten.
Mit Feuerwerk und kleiner Verspätung
Die Tür quietscht, sie muss noch per Hand geöffnet werden. Es ist der dritte Versuch, mit der S-Bahn nach Düsseldorf zu kommen. Die erste Bahn blieb unerreichbar: Die Station in Dortmund ist in dieser Fahrtrichtung geschlossen, davon kündet aber kein Hinweis auf der Internetseite des Verkehrsverbund Rhein-Ruhr. Der Schienenersatzverkehr fährt zwar, der Fahrer vergisst aber, an der entsprechenden Ersatzhaltestelle zu stoppen.
Die zweite S-Bahn ist weg. In der dritten liegen Pommes auf dem Boden. Pommes? Um 10.30 Uhr? Sie liegen wohl seit letzter Nacht da.
Auf dem Werksgelände der DB Regio NRW hat die Bahn eine riesige Halle geschmückt. Landespolitiker, Bahnvorstände und Journalisten warten auf ET 422. ET steht nicht für einen Außerirdischen, sondern für Elektrotriebfahrzeug.
Es dauert, bis die neue Bahn kommt. Heinrich Brüggemann, Vorsitzender der Geschäftsführung der DB Regio, schwärmt von der neuen Qualität der Triebfahrzeuge. Vollklimatisiert sollen sie sein. Klingt gut, in der Werkshalle herrschen tropische Temperaturen. Oliver Wittke, Landesminister für Bauen und Verkehr ist sich sicher, dass die neuen Bahnen mehr Kunden zum Umsteigen bewegen. Wegen der Umweltfreundlichkeit. Er erinnert aber auch daran, wie lange die Kunden auf neue Bahnen gewartet haben. Dezeit verkehren noch Fahrzeuge aus dem Jahr 1972 auf den Schienen.
Endlich fährt die neue Zugmaschine ein. Mit Feuerwerk und fünf Minuten Verspätung. Die Front ist moderner. Die Nase einen Meter länger als bei den alten Modellen. Mehr Knautschzone.
Enttäuschung beim Blick ins Innere. Die Sitze sind immer noch blaukariert. Fades Grau dominiert. Die neue S-Bahn sieht aus wie ein Regionalexpress. Es sind Details, die den Unterschied machen. Die Sitze sind härter, unter der Decke hängen schwarze Glaskugeln mit Kameras drin.
Die Bahn ist der kompletten Länge nach begehbar. Der Fahrer sitzt nicht mehr abgeschottet in seiner Kabine, sondern kann durch getöntes Glas den Fahrgastraum überblicken. Die Kunden sollen sich so sicherer fühlen. Und Vandalen keine Chance mehr haben, damit die neuen S-Bahnen nicht so schnell wie die alten aussehen.
Die Fahrzeuge befinden sich derzeit noch im Testbetrieb, im Sommer fahren auf der Strecke S7 Düsseldorf-Solingen die ersten Kunden. Bis 2010 sollen dann nach und nach alle 84 neuen Fahrzeuge an den Start gehen.
Bis dahin müssen die Fahrgäste noch mit den alten S-Bahnen Vorlieb nehmen. Wenn sie denn fahren. Die S1 jedenfalls, die nach der großen Einweihung wieder Richtung Dortmund fahren sollte, wurde gestrichen. Sie hatte schon zu viel Verspätung.
15:55
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Es hat nichts mit dem Alter zu tun, dass die Züge an Rhein und Ruhr in so einem schlechten Zustand sind, sondern mit der Wartung! Wenn in den neuen Zügen nicht nachts geputzt wird, dann liegen dort auch am nächsten Morgen noch die Pommes auf dem Boden. Davon abgesehen wurden in den 90er Jahren noch sogenannte x-Wagen, wie sie bei der S-Bahn Rhein-Ruhr eingesetzt werden, beschafft. Die fahren nicht alle seit 1972! In Stuttgart fahren noch viele ET420, eine Baureihe, die ebenfalls erstmals in den 70ern eingesetzt wurde. Dort sind die Züge tipptopp, sauber und pünktlich. Vielleicht sollte Herr Wittke seine Kollegen am Neckar mal fragen, warum die das hinkriegen und DB Regio NRW nicht?