Der Schnuller wird 60
01.03.2009 | 18:31 Uhr 2009-03-01T18:31:00+0100
Dortmund. Für einen Babyartikel hat er ein stolzes Alter erreicht: Der Schnuller wird in diesem Jahr 60. Erfunden wurde er in Deutschland. Zum Geburtstag eine kleine Schnullerkunde in fünf nicht immer ernsten Lektionen.
Die Geschichte
Der Schnuller ist eine deutsche Erfindung. Schon das Kinderbuch der „Struwwelpeter” von Heinrich Hoffmann hatte bewiesen, dass sich Deutsche zu viele Gedanken über das möglicherweise schädliche Nuckeln ihrer Babys machen. Hoffmann hatte seinen Daumenlutscher Konrad mit einer großen Schere behandelt und ihm zur Entwöhnung von seinem Laster beide Daumen abgeschnitten. Die Ärzte Wilhelm Baltes und Adolf Müller, die 1949 den „natürlichen und kiefergerechten Beruhigungssauger und Kieferformer” erfanden, hatten hingegen das Kindswohl im Sinne. Zu ihren Zeiten wurden Kindern zur Beruhigung noch Nuckelläppchen gereicht, in die übereifrige Mütter süßen Zwiebackbrei stopften. Die Folge: Gleich die ersten Milchzähne wurden von Karies befallen.
Wirkungen, positive
DER LETZTE SCHREI
Auch der Schnuller ist wechselnden Moden unterworfen.
Waren die ersten Modelle noch einfarbig und langweilig wie ein gängiges Pixibuch, so hat sich der Schnuller von heute zu einer Art Werbefläche gemausert, auf der Eltern ihrem Kindern erste Eigenschaften und Vorlieben zuschreiben.
Längst hat der Fußball-Fan-Schnuller Einzug in die Stubenwagen und Kinderbettchen gehalten. Meist ziert das Logo von Papas Lieblingsverein diesen Sauger.
Der letzte Schrei sind Namensschnuller. Babys eingravierter Vorname soll Schnuller-Verwechslungen verhindern und nach Herstellerangaben der Übertragung infektiöser vorbeugen.
Es gibt keine junge Mutter, keinen überforderten Vater, die nicht von der segensreichen Wirkung des Schnullers Zeugnis ablegen würden. Einmal vom Baby akzeptiert, sorgt der Schnuller für lebenswichtige Verschnaufpausen in durchschrieenen Nächten. Nach Einführen des Schnullers in Babys Mund geht das Geschrei erfahrungsgemäß erst wieder los, wenn Baby den Schnuller verliert. Meist geschieht dies exakt in dem Moment, in dem Papa oder Mama gerade wieder eingeschlafen sind. Als weitere positive Wirkung hat eine amerikanische Studie belegt, dass Kinder mit dem Schnuller sicherer schlafen. Der Sauger soll das Risiko mindern, dass ein Baby am plötzlichen Kindstod stirbt, auch wenn jede besorgte Mutter mindestens einmal pro Nacht träumt, dass Baby gerade am Schnuller erstickt.
Wirkungen, negative
Trotz solch mutmachender Studien werden 99,8 Prozent aller Eltern, die ihren Babys den Schnuller angewöhnt haben, von Schuldgefühlen und Fragen wie diesen geplagt: Welche Auswirkungen auf Babys zarte Seele mag es haben, wenn ihm schon im ersten Lebesnjahr ständig das Maul gestopft wurde? Oder: Wird Baby noch mit 80 eine Zahnklammer tragen, weil es mit acht Monaten noch schnullerte? Als Antwort auf solche Fragen halten Psychologen und Kieferorthopäden so viele unterschiedliche Studien parat, dass man mutmaßen könnte: Vielleicht entscheidet ja auch die richtige Schnullerfarbe über Wohl und Wehe des Kindes. Blau, gelb und grün versauen die Zähne. Pink, und rot sorgen für ein langes Leben und allzeit kräftigen Biss.
Schnuller-Design
Beim Schnuller, erst recht beim deutschen Schnuller, wird nichts dem Zufall überlassen. Das Design ist mit Kinderpsychologen abgestimmt worden, hochkarätig besetzte Ärzte-Kommissionen entscheiden über die zeitgemäße Form des Nuckels. Der deutsche Schnuller führt das technische Knowhow des Raumfahrtzeitalters mit dem menschheitsalten Wunsch nach ein bisschen Geborgenheit zusammen. Zitat aus der Werbung eines deutschen Schnuller-Herstellers: „Die anatomische und symmetrische Schildform passt sich dem Gesicht optimal an und trägt zur gesunden Kiefer- und Zahnentwicklung des Kleinkindes bei. (...) Das Saugteil ist optimal auf die Bedürfnisse der Altersgruppe 16-36 Monate abgestimmt und bietet maximalen Komfort.”
Entwöhnungsstrategien
Das Schwierigste am Schnuller ist, ihn wieder loszuwerden. Folgende Strategien sind heute gängig:
1. Problem ignorieren
Macht sich allerdings schlecht, wenn das Kind bei der Einschulung überraschend den Schnuller aus der Tüte holt und zum Gespött der ganzen Schulaula wird.
2. Problem verschärfen
Uns liegt das Geständnis einer Mutter vor, die einen Schnuller mit Senf bestrich, damit sich ihr Baby künftig vor ihm ekelt. Unseres Erachtens ist dies ein klarer Fall für den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechtsfragen.
3. Problem versüßen
99,9 Prozent aller Eltern glauben noch an „die Schnullerfee”. Sie legen gemeinsam mit ihrem Kind abends alle Schnuller auf den Esstisch und staunen morgens nach durchwachter Nacht mit ihrem weinenden Dötzchen Bauklötze, dass da plötzlich statt der Schnuller ein Geschenk liegt. Im Gegensatz zu ihren Eltern durchschauen die Kinder diesen Trick voll und ganz und tun das einzig Folgerichtige. Sie sacken das Geschenk ein. Dann schreien sie wieder.
01:16
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01:15
Ja das Problem des Schnuller loswerden kenne ich nur zugut von meinem Sohn. Der hat extrem lange gebraucht und später noch ziemlich lange der Daumen als Ersatz genommen. Aber dann ging das ziemlich schnell zu Ende.
08:47
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23:15
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