Das aktuelle Wetter NRW 11°C
Justiz

"Der Polizist hat richtig zugetreten"

08.01.2009 | 12:58 Uhr
"Der Polizist hat richtig zugetreten"

Dortmund. Schwere Vorwürfe erhebt die Staatsanwaltschaft gegen einen Polizeibeamten und dessen Kollegin: Sie sollen einen Betrunkenen im Dienst derartig misshandelt haben, dass der 45-Jährige später vier Zähne verlor.

Jetzt müssen sie sich - unter anderem - wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung im Amt vor dem Dortmunder Landgericht verantworten. 

Der vom Dienst suspendierte "Polizeikommissar zur Anstellung", so die offizielle Dienstbezeichnung des 27-Jährigen, wird zudem eines besonders scheußlichen Verbrechens bezichtigt: Laut Anklage hat er seine Freundin vergewaltigt. Mit einem geübten Polizeigriff soll er die Frau im Sommer 2007 auf das Bett geworfen, sie vorher mehrmals mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Danach habe er gedroht, erst die Frau und dann sich selbst mit der Dienstwaffe zu erschießen. Und: Im Falle einer Anzeige passiere auch ihrer Familie ein Unglück. Das verschreckte Opfer ging daraufhin erst fünf Monate später zur Polizei. Dieser Tatkomplex kam jedoch gestern, am ersten von insgesamt sieben Prozesstagen, noch nicht zur Sprache.

Fast auf den Tag zwei Jahre ist es her, dass die beiden jungen Beamten in ihrer Wache in der Nordstadt am Abend des 6. Januar 2007 zu einem Routine-Einsatz aufbrachen: Ein mit 3,0 Promille volltrunkener Mann randalierte. "Seine Frau war betrunken auf dem Gehweg zusammengebrochen, er wollte unbedingt mit ins Krankenhaus fahren. Fummelte an dem Koffer des Notarztwagens herum, riss immer wieder die Tür zum Rettungswagen auf", erzählte die blasse, ganz in schwarz gekleidete Polizistin (35) mit fester Stimme. Der Betrunkene habe angeblich nicht auf ihr gutes Zureden reagiert, sei vielmehr immer aggressiver geworden - vor allem, als er mitkommen sollte zur Wache. Der tobende Mann habe sie sogar in den Unterschenkel gebissen - was auch ärztlich attestiert ist. Mit zwei in der Polizei-Ausbildung erlernten "Schock-Schlägen" will sie ihn dann soweit bezwungen haben, dass ihm Handschellen angelegt werden konnten. Und die vier lockeren Zähne, die dem Opfer später gezogen werden mussten? "Keine Ahnung." Auch von Tritten wisse sie nichts. Und ihr Kollege, der habe gar nichts gemacht, den Betrunkenen nur festgehalten.

Was eine Augenzeugin - sie sah gegen 23 Uhr aus dem Küchenfenster - völlig anders schildert: "Mir war ganz übel. Ich dachte, da muss man doch was unternehmen", erzählt sie noch immer erregt vor Gericht. Bevor sie damals die "110" wählte, will sie Folgendes gesehen haben: "Der Betrunkene lag am Boden, der Polizist hat richtig zugetreten, ein paar Mal gegen den Bauch." Und sie sagt: "Der hat völlig die Fassung verloren. Ich frage mich, warum ihn die Frau nicht gebremst hat."

Und das Opfer? Das kann sich nur schemenhaft erinnern - was bei 3,0 Promille nicht verwundert. "Mir taten die Zähne weh. Die Polizistin, das weiß ich noch, hat mir meinen Schuh ins Gesicht gehauen." Urteil Ende Januar.

Kathrin Melliwa

Facebook
 
Kommentare
10.01.2009
18:44
Blockierter Kommentar.
von daniel.otto | #10

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

08.01.2009
15:59
Der Polizist hat richtig zugetreten
von Remihagen | #9

Ich habe die Befürchtung, dass die beiden Beamten nicht die einzigen der Wache Münsterstr. sind, welche sich Ungebühr benehmen. Vor etwa 4 Wochen wurde an einer Trinkhalle in der Nordstadt ein Mann geschlagen. Es wurde die Polizei gerufen. Als diese dann eintraf, wurde das Opfer äußerst unfreundlich gebeten, sich auszuweisen. Stattdessen hatte der Täter das Glück, sich weiter zu entfernen. Hier waren es eine Beamtin und ein Beamter. Der Beamter hat sich unmöglich gegenüber dem Opfer gezeigt, die Beamtin war ruhig und sachlich.
Es ist tatsächlich immer wieder zu erleben, wie hochnäsig und arrogant sich Polizeibeamte geben.
Auffallend ist dabei, dass gerade die Beamten, welche einen silbernen Stern (PK) auf der Schulter haben und unter 30 sind, sich daneben benehmen. Die Beamtinnen dagegen sind ruhiger und sachlicher.

08.01.2009
15:42
Der Polizist hat richtig zugetreten
von runningvalentino | #8

Na ja , es soll auch Zeugen geben, die lügen ...

Vorverurteilungen sind hier nicht nötig!

Stammtischparolen eben auf dem Niveau der B.... Zeitung.

runningvalentino

08.01.2009
13:48
Der Polizist hat richtig zugetreten
von M | #7

Ist schon dreist wie die Polizistin trotz Zeugen einfach lügt. Da bin ich mal gespannt was da raus kommt.

Der Typ gehört gefeuert, genauso wie die Polizisten.

Es gibt doch nichts verabscheuundswürdigeres als vertrauensunwürdige Polizeibeamte !!!

08.01.2009
09:17
Blockierter Kommentar.
von Thomas.Lau | #6

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

07.01.2009
21:55
Der Polizist hat richtig zugetreten
von AliMomente | #5

Der hat nicht getreten, der Typ hat dauernd versucht dem Beamten in den Schuh zu beißen. Dabei wird das wohl mit den Zähnen passiert sein.

07.01.2009
21:44
Der Polizist hat richtig zugetreten
von René Schneider | #4

Man höre und staune:

http://www.Blaulichtsumpf.de/

07.01.2009
20:17
Der Polizist hat richtig zugetreten
von immerNett | #3

Ich sag nur Polizei= legitimierte Gewalt.

07.01.2009
19:31
Der Polizist hat richtig zugetreten
von Dirk M. | #2

Schwarze Schafe gibt es überall. Aber ich glaube bei der Polizei arbeiten sehr viele Psychos und Selbstdarsteller. Sie meinen sie stehen über den Dingen und sie wären Gott. Vielleicht sollte man mal was anders machen in Ausbildung und Einstellungstest. Ein normaler Vergewaltiger würde zudem in Untersuchungshaft sitzen. Aber wenn das bewiesen wird, bekommt der bestimmt Bewährung.

07.01.2009
19:18
Der Polizist hat richtig zugetreten
von hugoabc | #1

Das sind unsere gut ausgebildete Polizei-Beamte, deshalb sind diese Leute auch immer zu zweit unterwegs, damit sie sich gegenseitig ein Alibi geben können

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/1250844/create

Umfrage

Hat Schweden zurecht den ESC gewonnen?

 
Aktuelle Fotos und Videos
SG Massen gegen SC Hamm
Bildgalerie
Fotostrecke
SG Holzwickede vs. SV Langschede
Bildgalerie
Fotostrecke
Schwerer Verkehrsunfall
Bildgalerie
Fotostrecke
Wandern mit der WR
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Römer im Anmarsch - Baubeginn in Bergkamen
Archäologie
Es war das größte Römerlager nördlich der Alpen und wurde 1905 in Bergkamen-Oberaden entdeckt. Jahrelang durften die Geschichtsfreunde von einem Archäologischen Park an Ort und Stelle nur träumen - im Sommer wird endlich gebaut.
Die Angst vor der Scharia ist größer
Assad-Regime
Er wünscht sich eine syrische Demokratie, doch vor der Revolution und ihren Folgen fürchtet er sich. Deswegen steht Julius Hanna Aydin, Bischof der syrisch orthodoxen Kirche in Deutschland fest hinter Assads Regime. Nahostexperte Jochen Hippler hält das für bedenklich.