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Atom-Endlager Asse

Aus Fehlern nichts gelernt

07.08.2009 | 17:47 Uhr

Die Vorgänge um das atomare Versuchsendlager Asse in Niedersachsen stehen symbolhaft für die Schwierigkeiten der gesamten Energiewirtschaft im Umgang mit der Nuklearenergie. Es geht um Irrtümer und leichtfertige Sicherheitsversprechen. Es geht um reale technische Probleme. Aber vor allem geht es um das unverantwortliche Management der Branche mit der hochriskanten Atomenergie.

Die gesellschaftliche Einstellung, die Einstellung zu Demokratie, zu Recht und Gesetz steht in Asse und darüber hinaus auf dem Prüfstand. Bei den verstrahlten Castor-Transporten in den 90er Jahren, beim Störfall im Atomkraftwerk Krümmel: Überall zeigt sich das gleiche Schema. Weil sie von ihrer Technik überzeugt sind und alle Atom-Skeptiker für technische Hypochonder halten, legen Nuklear-Techniker und -Manager immer wieder gesetzliche Vorschriften lax aus. Die Störfall-Hysterie der Öffentlichkeit reicht dafür als Entschuldigung nicht aus.

In Asse finden sich immer mehr radioaktive Stoffe, die dort nicht hingehören. Jahrelang fuhren Castor-Transporte mit dem Wissen der Atomwirtschaft verstrahlt durchs Land. Der Transformator in Krümmel hätte niemals in Betrieb genommen werden dürfen. Schwer zu glauben, dass dies auf die Einzelentscheidung eines untergeordneten Kraftwerksleiters zurückgeht. Es ist die Mentalität der Branche, die solche Verstöße intern als Kavaliersdelikt goutiert.

Fehleranalyse und technischer Fortschritt haben die Atomkraft sicherer gemacht. Nicht aus ihren Fehlern gelernt haben hingegen die Betreiber. Mit ihrer mangelnden politischen Sensibilität stellt sich die Energiewirtschaft ihren Interessen selbst in den Weg. Jeder neue Verstoß schürt das Misstrauen gegen eine ohnehin umstrittene Technik. Im Untersuchungsausschuss Asse können die Atommanager unter Beweis stellen, ob sie neben technischen auch die gesellschaftlichen Realitäten akzeptieren wollen. Sie sollten an der Aufklärung aktiv mitwirken.

Lothar Klein

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