61.000 Besucher bei Kultur Pur - und kein Regen
01.06.2009 | 12:43 Uhr 2009-06-01T12:43:00+0200
Hilchenbach. An die Zeiten, in denen der Kreis Siegen-Wittgenstein sein Kultur-Pur-Festival am liebsten in den Spätsommer verbannt hätte, konnte sich am Montag keiner erinnern. 61.000 kamen am Pfingstwochenende zu Kultur Pur auf den Giller - und kein einziger Regenschauer.
Als „Ich + Ich” am Montagabend verklang, richteten sich die Blick schon auf das Jubiläum: Im nächsten Jahr wird das 20. Kultur Pur auf der Ginsberger Heide stattfinden - da, wo das Festival 1991 als „Sommerbühne” im Dauerregen begann, ganz bescheiden mit einem Zelt fast ohne Vorbau. Und da, wo vor 451 Jahren Wilhelm der Schweiger sein Heer zur Befreiung der Niederlande sammelte - auch das war Thema eines Theaterstücks, zu Kultur Pur an der unweit gelegenen Ginsburg von den Amateuren des Hilchenbacher Hoftheaters aufgeführt.
Wundersames Panoptikum
Die Philharmonie Südwestfalen, die Mittelalter-Rocker „In Extremo”, der Anarcho-Entertainer Helge Schneider, der zum Weltmusiker gewandelte Alpen-Rocker Hubert von Goisern: Wer die Kulisse der weißen Zelttheaterstadt jeden Abend vor dem Beginn der Top Acts im Bild festhält, bekommt ein wundersames Panoptikum vor Augen. Die honorigen Anzugträger werden von den Kerlen in schwarzen Klamotten mit breitem, manchmal schon früh schwankendem Gang abgelöst, die wiederum von einer bunten Mischung aus flippigen Kids und älteren Herrschaften, die sich Jeans und Sweater angezogen haben, um einmal richtig Party zu feiern.
Es ist das Kultur-Familien-Volksfest, das Kultur Pur ebenso ausmacht wie der Auftritt großer Musiker und Bands: Wo nachmittags Kinder Sandburgen modellieren oder Skulpturen gestalten. Wo Wanderer sich auf dem Weg über den Rothaarsteig ein Konzert auf klingenden Edelstahlplastiken mitnehmen. Und wo das junge und alte Volk es bei wummernden Bässen, bei Inga Rumpf oder bei Thomas D. nachts auf der Heide richtig krachen lässt. Man trifft sich auf dem Giller, jedes Jahr zu Pfingsten.
Schauspiel findet im Apollo-Theater statt
Die Zeit, als Kultur Pur sich aufwändige, provozierende Theaterproduktionen leistete, war schon vor der Eröffnung des Siegener Apollo-(Stadt-) Theaters vorbei. Heute sind die Perlen eher an den Rändern der insgesamt 80 Veranstaltungen starken Programmtage scheinbar versteckt. Und werden von einem aufgeschlossenen Publikum dann doch entdeckt. Die Puppini-Sisters zum Beispiel, die Kate Bush in die 1940er zurückswingen lassen. Oder die Dichter-Krieger, die aus ihrem verräucherten Siegener Keller ganz hoch hinauf auf den Giller gekommen sind: Für die meisten dürfte der „Highlander Poetry Slam” der erste gewesen sein. Wohl aber nicht der letzte. Womit Kultur Pur, das kommunal getragene Festival, seinen Auftrag ein weiteres Mal erfüllt hat.
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