Warum das Schwerter Schichtwesen nicht out ist

In 26 Schichte ist Schwerte unterteilt. Schichte? Ja, genau. Anlässlich seines 30. Geburtstags am 7. April haben wir uns mit Oberschichtmeister Christopher Wartenberg getroffen. Im Interview verrät er, warum es in Schwerte bald weitere Schichte geben soll, warum sie alles andere als überflüssig sind und wo sie ihren Ursprung haben.

Schwerte.. Wie sind Sie dazu gekommen, sich im Schichtwesen zu engagieren?

Ich habe im Jahr 2010 meine Magisterarbeit im Fach Volkskunde zum Schwerter Schichtwesen an der Uni Münster geschrieben. Über die Magisterarbeit bin ich so in den ganzen ehrenamtlichen Kram reingerutscht. Daraus hat sich dann alles weitere ergeben.

Also ist nicht aus der Leidenschaft die Magisterarbeit entsprungen sondern umgekehrt?

Genau. Ich habe einen Spitznamen, ich werde "Schichti" genannt. Den hab ich seit ich 14 bin, weil mein Vater Heinz dann Schichtmeister wurde. Den Spitznamen fand ich die ersten zehn Jahre ganz furchtbar. Auf der Suche nach einem Thema für die Magisterarbeit fiel mir der Spitzname dann wieder ein.

Wie erklärt man einem Münsteraner denn, was das Schwerter Schichtwesen ist?

Darin hatte ich ja Übung. Die meisten sind zufrieden, wenn sie hören, dass es das nachbarschaftliche System ist, das wir hier haben. Dann muss man noch erwähnen, dass das überhaupt nichts mit gesellschaftlichen Schichten zu tun hat. Schicht ist ein räumlich definierter Begriff, man könnte auch Viertel, Quartier oder ähnliches sagen. Schicht 2 zum Beispiel gibt es, das ist aber seit dem 19. Jahrhundert nicht mehr aktiv. Und dann fragen die meisten, wie aktiv das noch ist und ob da nur alte Leute sind.

Und ist das so?

Im Schichtwesen aktiv sind schon überwiegend ältere Schwerter. Wobei ich aus meiner Sicht ältere sage. Bei den meisten geht‘s mit Mitte 40 los. Dann sind die Kinder aus dem Haus und die Leute haben mehr Zeit für Ehrenamt. Das gilt aber für alle Vereine. In den 60er-Jahren waren auch noch die Jüngeren mit dabei. Aber in Neubaugebieten oder so, wo die Leute ähnlich alt sind, die tun sich dann auch zusammen und machen mal eine Feier oder irgendwas. Das heißt dann nicht immer Schicht, aber da arbeiten wir dran.

Wie wollen Sie das schaffen?

Um die weißen Flecken zu schließen, in denen bisher die Schichte nicht so aktiv sind, arbeiten wir gerade an einer neuen Karte. Da vergeben wir Nummern, die es noch nicht gibt. Einige wurden nämlich meines Wissens nie vergeben, beispielsweise gibt es kein Schicht 20. Die ersten zehn Nummern wurden noch von der Stadt vergeben, Mitte des 15. Jahrhunderts. Alles, was sich danach gegründet hat, hat sich selbst entwickelt.

Und wo kommen Sie ins Spiel?

Seit 1950 gibt es ja das Oberschicht und eine unser Hauptaufgaben ist ja die Kommunikation zwischen den Schichten. Wir wollen die Nummernvergabe koordinieren. So groß ist Schwerte ja nicht, die Chance, dass eine Nummer doppelt vergeben wird, ist also gering. Wir wollen auf der neuen Karte dann auch Neubaugebiete einbeziehen. Das ist quasi ein Vorschlag von uns. Ich hab sie bis 32 durchnummeriert. Teilweise gibt ja auch aktive Nachbarschaften, wie in Schwerte-Ost. Da machen die Nachbarn was zusammen, die heißen nur nicht Schichte. Im September soll dann eine Fortbildungsmaßnahme der Stadt anlaufen. Das ist Teil des Programms "Nachbarschaftsstifter" vom Land NRW. Wir sind da viel weiter als andere Städte wegen unserer Schichte und wollen jetzt den Schwerpunkt auf den sozialen Bereich legen.

Was heißt das?

Wenn zum Beispiel eine ältere Dame in dem einen Haus lebt eine Familie nebenan wohnt, dann könnte die ältere Dame auf die Kinder aufpassen und die Eltern kaufen für sie ein oder ähnliches. Das Land NRW hat mal ausgerechnet, dass das Land NRW viel Geld spart, wenn die Senioren nur ein paar Monate länger zu Hause wohnen können, bevor sie in ein Heim kommen.

Welche Rolle das Schichtwesen noch heute spielt, hören Sie hier: