Unnaer Tafel sucht fieberhaft nach neuer Zentrale

Der Verein "Unnaer Tafel" sucht mit Nachdruck eine neue Unterkunft. Die jetzige Zentrale in Unna-Königsborn kann nicht weiter genutzt werden. Wird kein neuer Standort gefunden, müssen auch die Ausgabestellen im Kreis dicht machen. Eine finanzierbare Option gibt es in Lünen, doch auch hier gibt es ein Problem.

Kreis unna.. Eine Immobilie, die über den entsprechenden Platz verfügt und auch zu finanzieren wäre, gibt es in Lünen. "Doch da müssten wir uns ganz neu erfinden. Alle Strukturen am alten Standort müssten aufgegeben werden. Dafür stehe ich nicht zur Verfügung. Der Rattenschwanz, der da dranhängt, ist viel zu lang", erteilt die Tafel-Chefin Ulrike Trümper diesem Standort eine klare Absage.

Sponsoren und Lieferanten würden verloren gehen, die Ein-Euro-Jobber kämen aus einem neuen Zuständigkeitsbereich, dem Jobcenter in Lünen. Die derzeit in Unna bei der Tafel Beschäftigten würden ihren Job verlieren. "Die Neuen müssten wir alle anlernen." Und den Ehrenamtlichen sei es kaum zuzumuten, dass sie erst mit Bus, Bahn oder Auto nach Lünen fahren, um dort zu helfen.

"Die Tafel in Königsborn hat ihren festen Platz gefunden. Und ich glaube, niemand möchte, dass wir aus Unna verschwinden. Königsborn ist einfach ideal für uns", sagt die Tafel-Chefin. Dort also, wo die Armut in Unna am größten ist: "Jeder vierte Königsborner bezieht Sozialleistungen oder hat eine Berechtigung für die Tafel. Aus diesem Grund bieten wir auch nur hier zweimal pro Woche die Ausgabe an", erzählt Trümper. Nicht eingerechnet sind dabei die Lieferungen nach Hause für Bettlägerige oder Behinderte. Es geht um die Schwächsten, sagt sie, um die, die von der Gesellschaft nicht aufgefangen werden.

Taubenschlag in Königsborn ist zu sanierungsbedürftig

Am vergangenen Wochenende hat sich die Hoffnung, das Königsborner Kinder- und Jugendhaus "Taubenschlag" zu kaufen, zerschlagen. Für die Tafel-Vorsitzende Ulrike Trümper eine doch niederschmetternde Nachricht, legte sie doch Hoffnung in diesen möglichen Standort. Bei der Begehung des Taubenschlags mit einem Architekten kam unter dem Strich heraus, dass das über 100 Jahre alte Gebäude stark renovierungsbedürftig ist.

Eine Holztreppe müsste zudem durch eine Betontreppe ersetzt werden. Brandschutztüren müssten eingebaut, neue Stromleitungen verlegt werden. "Alleine die Treppe würde 15.000 Euro kosten. Das können wir finanziell nicht stemmen", sagt Trümper. Den Taubenschlag gibt die evangelischen Kirchengemeinde Königsborn zum 30. Juni 2016 auf.

Auch zwei weitere Optionen, der ehemalige Aldi- sowie der Lidl-Markt an der Dorotheenstraße, haben sich mittlerweile zerschlagen. Zwischen 300.000 und 500.000 Euro werden für diese beiden Immobilien als Kaufpreis aufgerufen - viel zu teuer für die Tafel. Auch der ehemalige Plus-Markt ist keine Alternative - 120 Quadratmeter Fläche sind zu wenig, mindestens 500 Quadratmeter müssten es sein.

Jetzt tickt die Uhr immer lauter, denn Ende September muss die Tafel ihren derzeitigen Standort Paul-Gerhardt-Haus räumen. Die Evangelische Kirche muss das Gebäude aus finanziellen Gründen verkaufen. Ein Schritt, der allen Beteiligten in der Paul-Gerhardt-Gemeinde nicht leicht gefallen ist, wie Pfarrerin Susanne Stock schon vor Wochen betont hat. Tafel und Kirchengemeinde stehen im ständigen Austausch. Auch die Kirche versucht zu helfen.

Auf die Frage, ob der Erwerb der jetzigen Immobilie eine Option wäre, winkt Trümper ab. "Für das Paul-Gerhardt-Haus müssten wir einen Kaufpreis von um die 120.000 Euro hinblättern. Das ist für uns gar nicht denkbar."

Die Stadt hat inzwischen die Wirtschaftsförderungsgesellschaft ins Rennen geschickt, die Augen nach möglichen Immobilien offen zu halten. Die CDU hat im Hauptausschuss in der vergangenen Woche in Form einer öffentlichen Anfrage das Problem angeschnitten.

Rudolf Fröhlich, Vorsitzender der CDU-Ortsunion in Königsborn, hat für den heutigen Mittwoch der Tafel seinen Besuch angekündigt, dann, wenn Menschen mit Behinderung sich Lebensmittel abholen dürfen. Auch die SPD in Person von Sebastian Laaser hat Kontakt zur Tafel aufgenommen. Für Trümper nur ein kleiner Hoffnungsschimmer, aber immerhin: "Wenn uns jemand den Taubenschlag kauft und saniert - das wäre was."