Totes Baby aus Lünen - Experte entlastet Mutter

Schützenhilfe für die angeklagte Mutter des verstorbenen sieben Monate alten Jungen Nils aus Lünen: Im Prozess vor dem Dortmunder Schwurgericht hat sich am Dienstag ein neuer Gutachter eindeutig auf die Seite der Angeklagten geschlagen. Immer noch geht es um die Frage: Wurde das Baby zu Tode geschüttelt?

Lünen.. Prof. Hans-Christoph Ludwig, Leiter der Abteilung für Kinder-Neurochirurgie der Uniklinik Göttingen, legte sich fest: "Ein Schütteltrauma ist überhaupt nicht bewiesen. Der Schädelbruch kann durchaus bei einem Sturz aus dem Bett entstanden sein."

Der Hirnchirurg behandelt nach eigenen Angaben regelmäßig schwer verletzte Kinder. Aus seiner Erfahrung könne er deshalb sagen, dass selbst ein Sturz aus geringer Höhe häufig zu einem Schädelbruch führe.

Falsche Behandlung und deshalb Sauerstoffmangel?

Davon müssten natürlich längst nicht alle Fälle operativ versorgt werden. Im Falle des kleinen Nils hätten die Ärzte aber anscheinend viel zu lange in die falsche Richtung behandelt. "Der Junge war über Stunden falsch intubiert", sagte der Professor.

Der daraus resultierende Sauerstoffmangel habe sich natürlich weiter negativ ausgewirkt. Ludwig: "Wenn Nils sofort von einem Neurochirurgen gesehen worden wäre, wäre zumindest der Ausgang offen gewesen. Ich weiß nicht, ob er überlebt hätte, aber man hätte halt sofort einen Ultraschall machen müssen."

Experte: Kind wurde nicht mit Gegenstand geschlagen

Dass die Angeklagte ihren sieben Monate alten Sohn mit Gewalt gegen einen harten Gegenstand geschlagen hat, wie die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift annimmt, schließt der Sachverständige sogar praktisch aus. "In diesem Fall hätte das Gehirn ganz andere Verletzungszeichen gezeigt", sagte Professor Ludwig.

Eine Reihe von Rechtsmedizinern und Kinderärzten hatte dies im Prozess bisher ganz anders gesehen. Die übrigen Ärzte waren auch allesamt zu der Überzeugung gelangt, dass derart massive Hirnverletzungen wie bei dem kleinen Nils nicht von einem banalen Sturz aus dem Elternbett herrühren könnten. Während sie also die These der Anklage stützten, bringt der neue Gutachter nun doch ein fatales, tragisches Unfallgeschehen als Todesursache ins Spiel.

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