Stellte ein Lüner Nacktfotos seiner Ex auf Facebook?

Als "Familienstreitigkeiten" kann man das, was sich am Mittwochmorgen vor dem Amtsgericht Lünen abgespielt hat, kaum noch bezeichnen. Vier Stunden lang ging es um Betrug, Urkundenfälschung, aber auch um Drohungen und Beleidigungen. Und um die Frage: Hat ein Mann Nacktfotos seiner Ex-Frau auf Facebook gestellt?

Lünen.. Was innerhalb der völlig zerrütteten Familie geschehen ist oder sein soll - das beschäftigte Richterin Beatrix Pöppinghaus und ihre Schöffen fast vier Stunden lang.

Im Zentrum der Anklage stand ein 30-jähriger Lüner. Ihm wurde unter anderem vorgeworfen, einen Postnachsendeantrag gestellt zu haben, um an die Post seiner Exfrau zu kommen. Er hatte mit ihrem Namen unterschrieben. Außerdem soll er Nacktfotos seiner Ex auf Facebook gepostet haben.

Am Ende gab der 30-Jährige den Post-Nachsendeantrag zu. Wegen Urkundenfälschung und Beleidigung wurde er zu einer Geldstrafe verurteilt.

Auf dem Flur: "Ich schlag dir den Schädel ein"

Was Beleidigungen betrifft, standen ihm die Verwandten und Bekannten allerdings in nichts nach. Vor der Verhandlung und während einer Pause kam es im Flur vermehrt zu Anfeindungen und Drohgebärden. "Ich schlag dir den Schädel ein" schallte es in Richtung des Angeklagten über den Flur. Ein Justizbeamter sorgte durch seine Anwesenheit dafür, dass es beim gegenseitigen Belauern blieb.

Ob der Angeklagte letztlich die Fotos seiner Exfrau auf Facebook gepostet hat oder ob es jemand anders war, der ihm übel mitspielen wollte, konnte nicht ermittelt werden. "Die Welt ist rund und bunt, es ist vieles möglich und nichts ist ausgeschlossen", räumte Richterin Pöppinghaus ihre Ratlosigkeit angesichts der heftigen gegenseitigen Anfeindungen ein: "Warum zieht der Angeklagte so viel Hass auf sich? Darauf haben wir heute keine Antwort bekommen."

Der 30-Jährige hat seine Konsequenzen gezogen und will die Stadt verlassen. "Ich werde meine Zelte abbrechen, damit hier Ruhe einkehrt", sagte er.