Siebenjähriger Schwerter sang vor 1550 Zuhörern

Wie das mit dem Singen angefangen hat? Das kann Kolja Böhm aus Schwerte gar nicht sagen. Wie es mit dem Singen läuft? Sehr gut. Der Siebenjährige singt im Dortmunder Knabenchor und stand kürzlich im ausverkauften Konzerthaus Dortmund auf der Bühne. Uns hat er im Video eine Stimmübung zum Besten gegeben.

Schwerte.. Das Singen will er nie aufgeben, das steht fest. Aber irgendwann soll das Spiel mit den Tönen nur noch ein Hobby sein und nicht der Beruf. "Ich will Arzt werden", sagt Kolja, "so wie Mama und Papa". Dabei stehen die Voraussetzungen für eine Karriere auf der Bühne gar nicht mal so schlecht. Seit Anfang des Jahres gehört Kolja dem Knabenchor der Chorakademie Dortmund an, einer europaweit berühmten Ansammlung von singenden Jungen im Kinderalter. "Eigentlich hatte ich keine Lust", sagt Kolja.

Bis Mitte des vergangenen Jahres sang der Siebenjährige noch in der Musikschule, dann war die Motivation weg und mit ihr auch der Spaß. Dann ging der Knabenchor aus Dortmund Anfang 2015 auf Talentsuche in die Schulen der Umgebung, so auch in Schwerte. Kolja wurde zum Vorsingen gebeten, da hat er nicht Nein gesagt. Warum auch? Er singt im Auto, am Küchentisch, in seinem Zimmer.

Also gab er auch den Vertretern der Akademie eine Kostprobe seines Gesangs. Prompt folgte die Einladung nach Dortmund, wo es in die Endauswahl um die Plätze im Chor ging. Und da war sie auf einmal wieder da, die Lust. Prompt setzte er sich durch, als einer von 40 Jungen - eingeladen wurden knapp 3000. Und solange Kolja Spaß an der Sache hat, bringen seine Eltern ihn auch weiterhin zweimal wöchentlich nach Dortmund. Dort trainiert Kolja sowohl solo als auch mit dem Chor - stets ohne Noten, einzig die Stimme zählt.

Auftritt im Konzerthaus Dortmund

Am 24. Mai traten die Akademie-Chöre aber im vollbesetzten Konzerthaus in Dortmund auf, das Platz für 1550 Menschen bietet. "Bevor wir auf die Bühne gegangen sind, war ich schon nervös", sagt Kolja. "Ich habe gedacht: Das schaffe ich nicht. Als wir dann aber angefangen haben zu singen, war ich glücklich." Seine Eltern und die Schwester saßen im Publikum. "Wir waren selbst aufgeregt und total stolz", sagt Vater Michael Böhm.

Demnächst geht es für den Jungen aus Westhofen auf weitere Bühnen in Deutschland und Europa. Die Chorakademie ist im In- und Ausland sehr gefragt. In ein paar Jahren wird Kolja allerdings eine Zwangspause einlegen müssen. Denn mit dem Stimmbruch endet die Mitgliedschaft im Chor - zumindest vorübergehend. Ist die Pubertät aber überstanden, stehen die Türen wieder offen. Und ob die Sache mit dem Singen auch nach der Schule ein Hobby bleibt? Wer weiß.