Schwerter Mährstraße: Hoffnung trotz Leerstand

Seit Jahr und Tag gleich scheinen viele Schaufenster in der Mährstraße. Verklebt. Und leer. Einkaufsvielfalt ist in dem Straßenzug in der Schwerter Innenstadt lange Zeit Geschichte. Wir haben eine Bestandsaufnahme gemacht, mit Geschäftsleuten gesprochen, die dem Negativ-Trend trotzen - und einen Blick in die Zukunft gewagt.

Schwerte.. "Leerstands-Management ist Häuserkampf", sagt Adrian Mork, Fachdienstleiter in der Schwerter Stadtplanung: "Um jede einzelne Lage muss man kämpfen." An zwei Stellen in der Mährstraße scheint dieser Kampf gelungen.

Mit ihrem Obst- und Gemüseladen ist Katarzyna Kulczyk vom Postplatz in die Mährstraße 14 umgezogen, die früher Foto Conradi oder zuletzt einem Kosmetikstudio diente. Am anderen Ende, auf der Ecke zur Hagener Straße, hat Smitka Sicherheitstechnik in der einstigen "Anziehend by Evelin"-Boutique einen neuen Standort gefunden.

"Bessere Lage als in der Friedensstraße"

"Das ist eine bessere Lage als vorher in der Friedensstraße - da ziehen alle weg", ist Inhaber Artur Smitka überzeugt, nach 30 Jahren am Gründungsort den richtigen Schritt gemacht zu haben. Kunden hätten erfreut reagiert, dass er mitten in der Stadt auch einen Schusterservice anbiete. Und demnächst kommen noch Bilder-Einrahmungen dazu, für die Mitarbeiter Helmut Pandrick jahrelange Erfahrung mitbringt.

"Die Stammkunden kommen hierher", sieht sich auch Katarzyna Kulczyk in der Mährstraße durchaus nicht im Abseits. Frische ist ein Trumpf, mit dem sie punkten will. Täglich kauft sie Nachschub für ihre Obst- und Gemüseregale in kleinen Mengen, weil sich ganze Kisten für ihr Lädchen nicht lohnen. Petersilie ist auf Wunsch sogar stängelweise zu haben.

Große Sprünge kann Katarzyna Kulczyk derzeit trotzdem nicht machen. Ein umfangreiches Lebensmittelsortiment samt Tiefkühlware, wie sie es einst in Polen führte, bleibt ein Traum: "Die Einnahmen reichen nicht, um viel zu investieren." Auch auf ein Namensschild an der Hauswand hat sie bislang verzichtet.

Unkraut wuchert aus den Blumenkübeln

An anderen Fassaden in der Nachbarschaft sind die Schilder das Einzige, was von der früheren Einkaufsvielfalt in der Mährstraße geblieben ist. Über gähnend leeren Schaufenstern erzählen sie von "Classico Outlet Damenmoden" oder Foto Conradi. Unkraut wuchert längst aus dem Blumenkübel der früheren "Baguetteria und Kaffee" im Fachwerkhaus Mährstraße 4. Und selbst das nach dem Brand von 2011 schick renovierte ehemalige Herrenmoden-Geschäft an der Ecke zur Hagener Straße hat noch keinen neuen Nutzer gefunden.

Die Front des früheren "Betten Kirchner" hat das Stadtmarketing als Projekt "Freiraum Schwerte" wenigstens mit hübschen Fotos kaschiert, während gegenüber die ehemalige "Seifenkiste" vorübergehend vom Tabletop-Club Schwerte mit seinen futuristischen Spielen belebt wird.

"Eigentlich ist das ja ’ne schnuckelige Ecke"

Der Fachdienstleiter in der Stadtplanung, Adrian Mork, hat seinen Glauben an den derzeit schwächeren Ast der Fußgängerzone dennoch nicht verloren - und hat sie bewusst in das Integrierte Handlungskonzept für die Innenstadt aufgenommen. "Eigentlich ist das ja ’ne schnuckelige Ecke", sagt er. Nur müssten dort deutlich mehr Passanten unterwegs sein. Dafür sorgen soll eine bessere Anbindung an den Kleinen Markt. Ein zudem angedachter "Durchstich" zur Hüsingstraße durch die Innenhöfe, den das Land befürworte, hänge allerdings von den Immobilien-Besitzern ab.