Schwerter Ärzte retteten das Bein der kleinen Amal

Teddybären sitzen im Regal, Kinderbücher und Spielsachen stapeln sich auf einem kleinen Tisch. Doch es ist kein Kinderzimmer, in dem die kleine Amal (8) seit über sechs Monaten lebt, sondern ein Krankenzimmer im Marienkrankenhaus. Neun Operationen hat das kleine Mädchen aus dem Jemen schon hinter sich.

Schwerte.. Als sie im November über das Hammer Forum in das Schwerter Krankenhaus kam, konnte sie nicht laufen. Der linke Unterschenkel war eine einzige klaffende Wunde. "Nach einem Beinbruch war sie im Jemen operiert worden, man hatte ihr Platten eingesetzt", berichtet Stationsarzt Dr. Mohammed Abdulla. Doch die Wunde heilte einfach nicht, infizierte sich und wurde zu einer schweren Knochenentzündung.

"Das war wirklich ein schlimmer Anblick", sagt Dr. Abdulla, der als junger Familienvater mit dem kleinen Mädchen mitfühlt. Er ist einer ihrer engsten Vertrauten in Deutschland geworden, denn der Jordanier spricht ebenfalls Arabisch, Amals Muttersprache. Neun Operationen musste das zierliche Mädchen mit den großen schwarzen Augen in Schwerte über sich ergehen lassen.

Ein langer Weg

Doch ihr Kampf hat sich gelohnt: Die Ärzte des Marienkrankenhauses konnten ihr Bein retten. Mittlerweile kann das kleine Mädchen an ihren bunten Krücken sogar wieder laufen. Doch es war ein langer, schmerzhafter Weg der Heilung. Dr. Walter Vosberg, Chefarzt der Chirurgie, implantierte ihr Knochenersatz, ein plastischer Chirurg begleitet zudem die schwierige Wundheilung. Wie es zu der schweren Verletzung gekommen ist, kann Dr. Abdulla nicht sagen: "Wenn ich Amal danach frage, sagt sie, es sei ein Skorpionbiss gewesen. Ich weiß nicht, ob der Beinbruch Folge eines Unfalls oder einer Kriegshandlung ist."

Sechs lange Monate ist die kleine Amal nun schon von ihrer Familie getrennt, musste ohne Mutter, Vater und die drei Schwestern ihren achten Geburtstag feiern. "Einmal in der Woche versuchen wir mit ihr die Eltern anzurufen, aber das gelingt aufgrund der schwierigen Verhältnisse im Land nicht immer", bedauert Dr. Abdulla. "Sie hat sehr großes Heimweh, es ist schwer für sie", weiß der Familienvater nur zu gut. Und deshalb nimmt er sie, seit das Bein wieder besser ist, auch am Wochenende oft mit zu seiner Familie nach Hause. Damit Amal mit Dr. Abdullas Sohn Younis (6) und Tochter Lara (3) ein paar glückliche Stunden verbringen und einfach Mal Kind sein kann.

Versteht eine Menge

Die langen Monate im Krankenhaus vertreibt sich Amal vor allem mit Fernsehen und Spielen auf einem Tablet-PC. Am liebsten schaut sie "Tom & Jerry" und "Mr. Bean". Viele deutsche Wörter hat sie den Krankenschwestern auch schon vom Mund abgeschaut, vor allem versteht sie eine Menge. Deutsches Essen mag Amal gar nicht, aber die Natur, das viele Grün und den Regen liebt sie.

Eigentlich könnte die Kleine bald wieder zurück zu ihren Eltern in den Jemen, sie leben in einem kleinen Dorf bei Sanaa. "Aber die derzeitige Situation im Land lässt keinen sicheren Rücktransport zu", sagt Dr. Mohammed Abdulla. Seit dem 26. März 2015 führt eine Allianz von Staaten der Region unter der Führung von Saudi-Arabien im Jemen Luftschläge durch. Die Flugzeuge bombardieren die großen Städte, vor allem die Hauptstadt Sanaa.

Spielgefährte gesucht

Ein Ende der Militäroperationen ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht absehbar. "Deshalb wird Amal wohl in ein paar Wochen zu einer deutschen Pflegefamilie nach Siegen ziehen", sagt Dr. Abdulla. Dort leben noch andere Kinder aus dem Jemen, die dann auch gemeinsam Schulunterricht bekommen sollen.

Um Amal die Zeit bis zu ihrem Umzug nach Siegen etwas zu verschönern, sucht das Freiwilligenzentrum "Die Börse" noch jemanden, der sich kindgerecht und sinnvoll mit ihr beschäftigt, mit ihr spielt oder Bücher liest.

Das Hammer Forum:

  • Die Hilfsorganisation Hammer Forum kümmert sich seit 1991 um die medizinische Versorgung von Kindern in Krisengebieten.
  • Kinder, die in ihrem Heimatland nicht behandelt werden können, fliegt das Forum zur medizinischen Behandlung nach Deutschland.
  • Darüber hinaus schickt das Forum medizinische Teams in Krisengebiete, um Kindern vor Ort die Chance auf eine gesunde Zukunft zu geben.
  • Durch die eigenen Ärzte wird sichergestellt, dass nur die Kinder nach Deutschland gebracht werden, die tatsächlich nicht in ihrer Heimat versorgt werden können. Nach einer Genesungsphase in Gastfamilien werden alle Kinder in ihr Heimatland zurückgebracht.
  • Spendenkonto Hammer Forum: Sparkasse Hamm IBAN: DE33 4105 0095 0004 0701 81.
Informationen gibt es im Freiwilligenzentrum "Die Börse", Tel. 257094. Nachrichten auf dem Anrufbeantworter werden umgehend beantwortet.