Saatkrähen besetzen Schwerter Rathausvorplatz

Nicht nur Gutes kommt von oben. Einen großen Bogen sollten Rathaus-Besucher um die beiden mächtigen Platanen am Anfang der Hastingsallee machen, wenn Haar und Jacke sauber bleiben sollen. Eine Saatkrähen-Kolonie hat die Bäume besetzt. Der Bürgersteig war vor dem großen Regen komplett in weiß getaucht.

Schwerte.. Wie überdimensionale, grob gebaute Kugeln sind die Horste in den noch schwach belaubten Ästen zu erkennen. "Die lieben wohl Platanen", sagt Wolfgang Pitzer, Leiter der Arbeitsgemeinschaft Ornithologie und Naturschutz (Agon), der 16 Nester zählte. Dass einige in den jüngsten Stürmen abgestürzt seien, könne die Vögel nicht dauerhaft beeindrucken.

In die Innenstädte eingewandert sind die Saatkrähen, weil sie sich hier sicherer fühlen. "Sie suchen Plätze ohne Feinddruck", erklärt Pitzer. Dort, wo Habicht und Rotmilan, Waschbär und Marder keine Chance bekommen. Jäger brauchen die Vögel ohnehin nicht zu fürchten, weil sie als geschützte Art eingestuft sind.

Gefährdete Spezie

"Sie sind nach wie vor gefährdet", erläutert Christian Makala von der Unteren Landschaftsbehörde beim Kreis Unna. Die Vorkommen bewegten sich immer noch auf niedrigem Niveau, nur habe sich durch die Einwanderung in die Städte die Wahrnehmung verändert.

Den Aufenthalt darf man den Saatkrähen dort nicht einmal außerhalb der Brutzeiten ohne Weiteres verleiden. Sogenannte Vergrämungsaktionen, beispielsweise das Entfernen der Nester, müssten beim Kreis angemeldet werden. Genehmigt wurde das nur einmal am Marktplatz in Holzwickede - aus hygienischen Gründen.

Verjagen bringt kaum was - sie kommen wieder

Ansonsten regt Makala beispielsweise ein Absperren verschmutzter Bereiche mit Flatterband an. Ohnehin sei der Erfolg des Vergrämens - so weiß Makala aus dem Kreis Soest - fraglich. Dort habe sich die Kolonie bloß auf mehrere Bäume aufgeteilt.

Für die Bauern könne die Zunahme der Saatkrähen schon problematisch werden, befürchtet Ortslandwirt Bernd Schulte. Bei einem Kollegen seien sie über den frisch gesäten Hafer hergefallen: "Der war später total ausgedünnt, sodass er neu gesät werden musste." Auch frisch gelegte Maiskörner holten die Vögel manchmal aus der Erde.

Die Saatkrähe
Die Saatkrähe (Corvus frugilegus) ist eine der vier europäischen Arten der Gattung Corvus aus der Familie der Rabenvögel (Corvidae).
Die große Krähe mit markantem Schnabel und metallisch glänzendem schwarzem Gefieder ist mit der Nominatform C. frugilegus frugilegus in einem breiten Gürtel von Westeuropa bis in die Steppen des Altaigebietes verbreitet.
Mehr Infos unter Wikipedia.de/Saatkrähe