"Rollentausch" bei der Nachwuchsbetreuung

Beim Babyglück stehen Eltern vor der Frage: Wie bekommt man Nachwuchs und Beruf unter einen Hut? Das Modell "Vater geht arbeiten - Mutter hütet das Kind" ist seit Jahrzehnten fast schon ein gesellschaftlicher Standard. Doch es geht auch andersrum. Für Markus Witteler aus Schwerte war die Elternzeit jedenfalls ein "Luxus".

Schwerte.. Gemeinsam mit seiner Frau Andrea entschied sich Markus Witteler für ein Elternmodell, das in den den 50ern noch undenkbar gewesen wäre.

Als Tochter Emma vor vier Jahren im Marienkrankenhaus zur Welt kam, freute sich nicht nur der große Familienverbund der Wittlings und Wittelers. Es ging auch rasch in die Umsetzung des neuen Familienmodells. Andrea Witteler musste und wollte im Versicherungsbüro weiterarbeiten. Markus Witteler, bei seinem Bruder im Familienbetrieb angestellt, konnte seine Chance nutzen.

"Ich habe von Beginn an auch Windeln gewechselt, das ist doch heutzutage kein Thema mehr. In der Generation unseres Vaters sah das noch ganz anders aus", erzählt Witteler. Als einen klischeehaften, überweichen Spielplatz-Papa sieht sich Markus Witteler selbst aber nicht: "Auf keinen Fall! Aber ich koche auch und wasche Wäsche." Die Vor- und Nachteile in einem kleinen Familienbetrieb wie dem der Wittelers beschreibt er so: "Natürlich heißt es immer eine Menge Organisation, aber zum einen kommt der Termin ja mit Ansage, und zum anderen sind die Wege kurz." In der Familie seien alle gut vernetzt.

Abgesehen davon sei das eine Jahr, die Witteler zu Hause geblieben ist, eine absehbare Zeit gewesen. "Der berufliche Wiedereinstieg war auch bei den Leuten, die ich kenne, kein Problem", erzählt der Familienvater. Und überhaupt sei das Thema, als Papa zu Hause zu bleiben, in seinem Bekannten- und Freundeskreis gut angekommen.

Elternzeit als Mann? Jederzeit wieder.

Wenn der Heizungsfachmann von seinen Erfahrungen erzählt, dann kommt auch etwas Wehmut auf. Heute ist Emma schon vier Jahre alt - und stellt damit andere Anforderungen. Ob er sich denn wieder für die Elternzeit entscheiden würde? Die Antwort: ein eindeutiges Ja - auch, weil er so viel freie Zeit zur Verfügung hatte. "Ich habe angefangen, auf dem heimischen Grundstück Gemüse anzubauen und bin mit Emma zum Bauern spaziert. Das war toll, und ich habe es genossen", erzählt Witteler.

Dennoch: Immer nur zu Hause bleiben, das kann sich auch Markus Witteler nicht vorstellen. Auch er ist später im Erziehungsjahr wieder zwei Tage pro Woche arbeiten gegangen. "Sieben Tage die Woche Baby, das ist dann schon viel. Aber das ist ja auch vielleicht eine Charakterfrage."

Dass nicht der volle Lohn bezahlt wird, sorgt neben dem Thema "mehr Freizeit" gleichzeitig natürlich für weniger Geld in der Haushaltskasse. "Bei uns war das möglich, aber es ist trotz der neuen Regelungen auch nicht für alle arbeitenden Paare so denkbar, gerade wenn man gut kalkulieren muss. So habe ich diese Zeit auch immer als einen Luxus begriffen."