Qualität der Luft in Lünen bleibt ein Streit-Thema

Um die Qualität der Lüner Luft ist es nach Ansicht der Grünen weiterhin schlecht bestellt. So schlecht, dass die Partei einen Luftreinhalteplan für erforderlich hält. Die Bezirksregierung Arnsberg als zuständige Behörde zeigt sich jedoch skeptisch.

LÜNEN.. Thomas Matthe, Ratsmitglied der Grünen, hat die vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) in den Jahren 2004 bis 2013 in Lünen erhobenen Werte analysiert. Laut Matthe hat sich in diesem Zeitraum der Staubniederschlag leicht erhöht. Gestiegen sind auch die darin enthaltenen Anteile der Schwermetalle Nickel und Eisen. Für Blei ergibt sich im Durchschnitt der Jahre 2004 bis 2013 eine minimal steigende Tendenz. Bei Arsen, Cadmium, Kupfer und Zink sind die Belastungen deutlich rückläufig.

Grüne: Konkrete Maßnahmen festlegen

Betrachtet man nicht die Entwicklung seit 2004, sondern nur die von 2012 auf 2013, ergibt sich auf der Basis von Matthes Daten ein anderes Bild: Bei der Staubniederschlagsmenge und allen darin gemessenen Schwermetallen gibt es leichte Steigerungen. Dass die Staubmenge nicht abgenommen habe "verwundert nicht", sagt Matthe. Schließlich sei 2013 das Trianel-Kraftwerk in den Probebetrieb gegangen. Mittlerweile läuft es im Regelbetrieb. Matthe verweist auch auf Grenzwertüberschreitungen - nicht im Schnitt - aber an einzelnen Messpunkten für Staub, Nickel und Blei. Die Grünen versprechen sich Besserung durch einen Luftreinhalteplan, der konkrete Maßnahmen festlegt. Doch sind die Voraussetzungen dafür gegeben? "Wenn EU-Grenzwerte für Stickstoffdioxid, Feinstaub, Schwefeldioxid und Benzol überschritten würden, müsste automatisch ein Plan aufgestellt werden. Das ist aber in Lünen nicht der Fall", sagt Lanuv-Sprecherin Birgit Kaiser De Garcia.

Stadt hat Behörde um Prüfung gebeten

Angesichts einzelner Grenzwertüberschreitungen für Schwermetalle im Staubniederschlag, so erklärt es Lünens zuständiger Beigeordneter Matthias Buckesfeld, müsse für die Aufstellung eines Luftreinhalteplanes, der mittlerweile Luftqualitätsplan heiße, eine Sonderfallprüfung erfolgen. "Dabei ist die Frage zu beantworten, ob von einer schädlichen Umwelteinwirkung auszugehen ist. Genau diese Frage haben wir der Bezirksregierung in Arnsberg gestellt." Behördensprecher Dr. Christian Chmel-Menges bestätigt die Anfrage der Stadt. Nach erster Einschätzung halte es die Behörde aber "für äußerst unwahrscheinlich, dass auf diesem Weg die Aufstellung eines Luftreinhalteplanes erfolgen kann." Aller Voraussicht nach werde das rechtlich nicht möglich sein.

Gesundheitsgefahren lägen "nicht flächendeckend vor"

Der Gesamtstaubniederschlag, so der Sprecher, liege in Lünen unter dem Richtwert. Gesundheitsgefahren durch Trianel oder andere Betriebe lägen "nicht flächendeckend vor". Erhebliche Minderungsmaßnahmen seien bereits umgesetzt, weitere würden folgen. So sei bei Aurubis eine Filteranlage im Dezember 2013 erneuert und erweitert worden, verbunden mit Schließung von Dachfenstern in den Schmelzbetrieben. Der Erfolg aller Maßnahmen könne erst nach mehreren Jahren beurteilt werden. Auch unterlägen die Werte natürlichen Schwankungen, zum Beispiel aufgrund von Wind und Niederschlag. Hohe Bleibelastung an einem Messpunkt sei vermutlich auf "zwischenzeitliche massive Bautätigkeiten" zurück zuführen. Eisen spiele bei Gesundheitsgefahren eine untergeordnete Rolle, bei Nickel sei eine Gesundheitsgefahr durch Anreicherung in Böden oder Nahrungspflanzen "nicht zu erwarten". Wo wird was gemessen?
In Lünen gibt es laut Bezirksregierung 15 Messtellen für Schadstoffe.
Messstellen am Mühlenweg, an der Viktoriastraße und in Niederaden erfassen Feinstaub. Der Tagesgrenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft darf nicht mehr als 35 Mal im Jahr überschritten werden.
2013 gab es 26 Überschreitungstage am Mühlenweg, (34 in 2012) und 12 in Niederaden (9). An der Viktoriastraße wurde laut Bezirksregierung 2013 nicht gemessen. 2012 gab es 11 Überschreitungstage.
Zwölf Messstellen für Schwermetalle im Staubniederschlag sind im Stadtgebiet verteilt, mit Schwerpunkten u.a. im Hafengebiet.