Neunte Ausgabe von "Lyrik und Linsensuppe"

"Ich hoffe, dass Sie alle Neugier und Appetit mitgebracht haben", so begrüßte Ulrich Klink am Samstag die gut 200 Besucher im Saal 5 des Lüner Kino "Cineworld". Neugier auf ausgewählte lyrische Texte von Lüner Autoren sowie Appetit auf Linsensuppe, die zum Abschluss der 9. Ausgabe von "Lyrik und Linsensuppe" serviert wurde.

Lünen.. Dieses aus einer kreativen Idee eines Lyrik beflissenen Unterstützerkreises entstandene Vorlese-Event dient einzig der Förderung des Vereins "Dach über dem Kopf" bei der Betreuung von Obdachlosen in Lünen.

Vom Chef der Obdachlosen-Initiative Ulrich Klink charmant vorgestellt, begaben sich im Verlauf des zweistündigen Programms dreizehn Akteure zum Mikrofon, um ihren Lieblingstext mit wissenswerten Angaben zu ihrer Auswahl vorzutragen. Das Spektrum reichte dabei von wenigen in Reimordnung und metrischer Struktur getragenen Strophen bis hin zu überwiegend prosaähnlich wirkenden Texten, die mehr oder weniger subtile Bedeutungsdimensionen entfalten.

  • Elisabeth Schulze Wethmar machte mit dem Gedicht "Als ich mich selbst zu lieben begann" von Charley Chaplin den Auftakt.
  • Ihre Liebe zu Tieren brachte Constanze Rodorff mit zwei Gedichten von Gene Hill ("Es ist eben mein Hund") und aus dem Musical "Cats" ("Wie spricht man eine Katze an?") zum Ausdruck.
  • Reisen an den Bodensee veranlassten Dr. Hermann Opgen-Rhein, den "Mondesaufgang" von Annette von Droste-Hülshoff vorzutragen.
  • Beeindruckt vom Thema "Menschen in der Parallelgesellschaft" las Johannes Strauß Thomas Klings "Letzte Kartografie".
  • Verschiedene Form- und Inhaltsangaben verstecken sich in T.S. Eliots Gedanken über "das ungenutzte Land", die Jürgen Larys in der "Feuerpredigt" rezitierte.
  • Hilde Domins starke Bildersprache veranlasste Gabriele Schiek das Gedicht "Ziehende Landschaft" vorzustellen.
  • Von Rose Ausländer stammt das ergreifende Gedicht "Noch bist du da", das Catharina Wagner vortrug.
  • Wolfgang Balzer erinnerte mit "Zürich, zum Storchen" an die kryptischen Werke von Paul Celan sowie mit "Bleibtreu heißt die Straße" an Mascha Kalko, die dort ihren Wohnsitz aufgeben musste.
  • Über das Aufheben von Grenzen hat der dichtende Bildhauer Hans Arp in seinen "Elementen" geschrieben, die von Dieter Wagner vorgestellt wurden.
  • Leo Bögershausen gab sich als Hermann-Hesse-Fan zu erkennen und rezitierte dessen berühmtes Gedicht "Stufen".
  • Dass Mensch-Sein nicht über Religion und Herkunft definiert wird, sondern über den Charakter, zeigte Dr. Aysun Aydemir in einer Lyrik von Helmut Hosting auf ("Ich bin ein Baum - ein Baum mit zwei Stämmen").
  • Ihr Aufwachsen mit zwei burschikosen Brüdern inspirierte Sarah Konyali zum Vortrag von Reinhard Meys "Aller guten Dinge sind drei".
  • Und Wolfgang Schene gab sich mit der satirischen "Moritat über die Bayern-Wahl" von Thomas Gsella wahrlich nicht als Bayern-Fan zu erkennen.

Nicht nur zur Untermalung, sondern als ein selbständiger musikalischer Kontrastauftritt erwiesen sich die vier Beiträge von Margarete Kolesnikow und Viktoria Schulz, die an Violine und e-Piano Stücke von Rieding, Wagirow und Schostakowitsch spielten. Sie beide und alle Akteure erhielten vom konzentriert lauschenden Publikum den verdienten Applaus.