Neuer Beweis: Schwerte hatte 1887 eine Privat-Post

Der dritte Beweis ist gefunden! Schwerte hatte im Jahr 1887 eine Privat-Post. Der Verein für Briefmarkenkunde Schwerte/Ruhr hat fast 30 Jahre lang versucht ihre Existenz zu beweisen. Nun gibt ein neues Dokument: Es gab die Schwerter Privat-Post und sie ging zurück auf eine Kneipen-Wette.

Schwerte.. Jürgen Michael Neubauer ist ganz aus dem Häuschen. Der Briefmarkenfreund hat seine Sammlung um ein seltenes Stück erweitern können: einen Briefumschlag aus dem Jahr 1887 mit zwei Ein-Pfennig-Briefmarken drauf, frankiert und abgestempelt von der Schwerter Privat-Post.

Fast 30 Jahre lang hatte der Vorsitzende des Vereins für Briefmarkenkunde Schwerte/Ruhr nach einem Beweis für die Existenz der Schwerter Privatpost gesucht. "Und nun finde ich innerhalb von zwei Jahren den dritten Brief", sagt Neubauer, der sein Glück kaum fassen kann.

Wilhelm Neuber - ein Schwerter Original

Die Schwerter Privat-Post war am 1. April 1887 vom Kaufmann Wilhelm Neuber gegründet worden. "Er war ein Schwerter Original", weiß Neubauer zu berichten. Nach einer Wette in der Posthalterei in der Gaststätte Pferdekämper gründete Neuber die Privat-Post. Sie sollte nur sieben Monate bestehen.

"Dennoch verdiente Neuber in der Zeit damit rund 5000 Reichsmark, davon konnte man ein Haus kaufen", erzählt Neubauer. Auch wenn sich die Geschichte über Jahrzehnte und Jahrhunderte hielt, dass die Magd von Neuber die Post austrug, Belege für diese kurze Episode in Schwertes Historie fand Neubauer lange nicht.

2013 erster Beweis gefunden

Im Juli 2013 fielen ihm dann endlich zwei Umschläge in die Hände mit dem Poststempel der Schwerter Privatpost. Auf der einen war eine Ein-Pfennig-Briefmarke, auf der anderen eine Zwei-Pfennig-Briefmarke. Das war der Beweis, dass die Schwerter Briefmarken nicht nur für Sammler hergestellt wurden, sondern im Gebrauch waren.

Das Besondere am dritten Brief ist nun, dass zwei Ein-Pfennig-Briefmarken drauf geklebt sind. "Es ist bisher nicht bekannt, dass es eine Doppelfrankatur überhaupt gab." Gerichtet ist der Brief an "Herrn Kaufmann J. Möhling jun." und trägt den Vermerk "Hier". Das genügte, damit Neubers Magd den Adressaten ausfindig machte.

Der Postkasten hing vor Neubers Geschäft auf der Bahnhofstraße, er wurde täglich um 8 Uhr und um 15 Uhr geleert. Ausgetragen wurde die Post zwischen 8 und 9 Uhr und von 15 bis 16 Uhr. Neubauer liegt auch eine Gebührenkarte der Schwerter Privatpost vor: Drucksachen kosteten einen Pfennig, geschlossene Briefe und Postkarten zwei Pfennig, Einschreiben drei Pfennig und Eilbriefe fünf Pfennig.

Ein schrulliger Typ mit Schalk im Nacken

Ende November 1887 war Schluss mit der Schwerter Privatpost. Doch Neuber hat sich laut den Nachforschungen von Jürgen Michael Neubauer noch mit so manch anderer Schrulligkeit bekannt gemacht. So sorgte er für die erste Beleuchtung auf der Bahnhofstraße. "Eines Tages fegte er Laubhaufen auf der Straße zusammen, in die stellte er dann Kerzen", erzählt Neubauer.

Von dem Mann "mit dem Schalk im Nacken" kennt er noch eine Geschichte: "In einer Gastwirtschaft klebte er ein Geldstück auf den Boden." Dann freute er sich diebisch, wenn sich die Leute danach bückten.