Neue dreiste Abzocker-Masche in Regional-Zügen

Die Bundespolizei warnt vor besonders aggressiven Bettlern, die aktuell in Regionalzügen als Spendensammler auftreten. Pendler berichten vermehrt von Trickbetrügern, die sich als Spendensammler eines Vereins ausgeben und von Bahnreisenden Geld einfordern. In Dortmund gab es bereits die ersten Festnahmen.

Lünen.. Die Bundespolizei informierte am Mittwoch, 18. Februar, in einer Pressemeldung darüber, dass am Dienstag, 17. Februar, am Dortmunder Hauptbahnhof insgesamt sechs Personen vorläufig festgenommen werden konnten, die im Verdacht stehen, in Bahnhöfen und Zügen durch Spendenbetrug, Geld ergaunert haben.

In den Mittagsstunden seien den Einsatzkräften der Bundespolizei die vier jungen Männer und zwei Frauen an einem Bahnsteig aufgefallen. Alle Personen seien im Besitz von Klemmbrettern und selbst hergestellte Spendenlisten gewesen. Laut der Listen sei ein Landesverband für behinderte- und taubstumme Kinder Nutznießer der Spenden. Ein Bezug der Personen zur offiziellen Hilfeeinrichtung, konnte nicht hergestellt werden, der vermeintliche Verein existiert nicht.

Anhand der sichergestellten Listen konnte ermittelt werden, dass sich bereits mehrere Personen darauf eingetragen hatten. Ob diese Personen auch Geld spendeten, konnte noch nicht ermittelt werden. Gegen die Gruppe, bei denen es sich um rumänische Staatsangehörige aus Duisburg handelt, wurden Ermittlungsverfahren wegen Betruges eingeleitet. Die Ermittlungen dauern an.

Sache des Hausrechts

Betroffen von der dreisten Masche sollen besonders Züge der Linien RE 1 und RE 6 sein. Aber auch Reisende im Zug von Dortmund nach Enschede (RB 51) machten in den letzten Wochen bereits Bekanntschaft mit den angeblichen Spendensammlern.

"Das Sammeln oder Betteln in Bahnhöfen oder Zügen ist zunächst eine Sache des Hausrechts und begründet nur in Einzelfällen eine Zuständigkeit der Polizei oder der Bundespolizei", sagt Jens Flören, Pressesprecher der Bundespolizei.

Zehn bis 15 Sachverhalte von strafrechtlicher Relevanz hat die Bundespolizei aktuell für ganz NRW registriert, die im Zusammenhang mit den falschen Spendensammlern stehen könnten. So seien bei mehreren festgenommenen Taschendieben auch dubiose "Spendensammellisten" gefunden worden. Es handele sich bei den Festgenommenen vorwiegend um junge Menschen aus dem osteuropäischen Raum.

Warnende Durchsagen

Der Deutschen Bahn liegen derzeit keine Hinweise auf Bettelbanden in den Zügen vor, wie man auf Anfrage mitteilte. "In den Zügen erfolgen Durchsagen für die Fahrgäste, wenn dem Personal bekannt wird, dass Bettler im Zug sind. Reisende, die sich belästigt fühlen, werden vom DB-Personal unterstützt. Niemand muss auf die Forderungen der Bettler eingehen", sagt ein Bahnsprecher.

Die Bettler aus der Regionalbahn 51 stiegen in Lünen aus, nachdem sie die Fahrgäste im Zug "abkassiert" hatten. Ob sie im Anschluss auch in der Lüner Fußgängerzone um Unterschriften und Geld baten, ist unbekannt. "Beim Ordnungsamt gingen keine Hinweise ein, die im Zusammenhang mit diesen Bettlern stehen", sagt Simone Kötter, Pressesprecherin der Stadtverwaltung.

Die Polizei empfiehlt, Beobachtungen, die im Zusammenhang mit "taubstummen" Spendensammlern stehen, zu melden.