Mit fast 13 immer noch an Schwerter Grundschule

Fast 13 und noch Grundschüler: Der afghanische Flüchtlingsjunge Abolfazl ist um sein vergangenes Schuljahr nicht zu beneiden. Es gab für ihn einfach keinen Platz in der weiterführenden Schule. Jetzt hat offenbar die Bezirksregierung in Arnsberg ein Machtwort gesprochen: Nächste Woche darf er zur Realschule wechseln.

Schwerte.. Als Abolfazl Anfang 2014 aus Afghanistan nach Schwerte kam, war er elf Jahre alt und konnte kein Wort Deutsch. Die Experten vom Kommunalen Integrationszentrum in Bergkamen teilten den Jungen zunächst der Lenningskampschule zu. In der Grundschule sollte er sich bis zum Ende des Schuljahres an die neue Sprache und das Schulsystem gewöhnen.

Jetzt ist auch das nächste Schuljahr bald rum, Abolfazl ist fast 13 und immer noch Grundschüler. Dabei ist er außergewöhnlich groß und überragt seine Mitschüler um Längen.

Machtwort der Bezirksregierung

Doch wenn alles gut geht, könnte Abolfazl ab nächster Woche endlich unter Gleichaltrigen lernen. Denn nachdem alle Bemühungen der Grundschule gescheitert sind, das Flüchtlingskind an eine weiterführende Schule zu vermitteln, hat nun offensichtlich die Bezirksregierung in Arnsberg ein Machtwort gesprochen - oder zumindest moderierend eingegriffen.

Nachdem Abolfazls Fall öffentlich geworden ist, ist es der Bezirksregierung gelungen, die Schwerter Realschule zur Aufnahme des Jungen zu bewegen. Christian Chmel-Menges, Pressesprecher der Bezirksregierung: "Offenbar gab es in diesem Einzelfall Abstimmungsschwierigkeiten beim Übergang zur weiterführenden Schule." Die Verantwortung dafür liege beim Kreis und beim Schulträger. Als Aufsichtsbehörde sei man jetzt allerdings tätig geworden. Mit dem Ergebnis, dass Abolfazl schon nächste Woche in die fünfte Klasse der Realschule gehen kann.

Große Freude auf allen Seiten

Wie Martin Krämer, Rektor der Lenningskampschule, berichtet, freut der Junge sich sehr darüber. "Es wird Zeit, dass er endlich unter Gleichaltrigen lernen kann." Das hätte schon im vergangenen Sommer so sein sollen, aber "als Abolfazl nach den Sommerferien ohne einen Schulplatz wieder bei uns auf der Matte stand, konnten wir ihn doch nicht wegschicken." Und das ganze Schuljahr über sei es nicht gelungen, anderswo einen Platz zu finden.

Auch Marina Raupach, Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums (KI) für den Kreis, freut sich, dass nun endlich eine Lösung gefunden wurde. Die KI betreut das Go-In-Modell, das im Gegensatz zum Auffangklassen-Modell auf die Integration der Flüchtlingskinder in Regelklassen von Anfang an setzt. Marina Raupach versichert, dass Abolfazl keineswegs vergessen worden sei: "Alle hatten ihn auf dem Schirm."

Gerade die Grundschule habe sich sehr bemüht, den Jungen anderweitig unterzubringen - aber keinen Erfolg gehabt. Im KI habe man sofort geprüft, ob es noch ähnliche Fälle gibt. "Aber Abolfazl war tatsächlich der einzige unversorgte Grundschüler, der längst die Schule hätte wechseln sollen."