Lüner Rentner verliert 5000 Euro durch perfide Betrugsmasche

Der Überweisungsbeleg: 5000 Euro hat ein Lüner Rentner an Betrüger gezeigt.
Der Überweisungsbeleg: 5000 Euro hat ein Lüner Rentner an Betrüger gezeigt.
Foto: Michael Schnitzler
Was wir bereits wissen
5000 Euro verlor ein Lüner Rentner durch einen perfiden Betrug. Selbst die Verbraucherzentrale kannte die neue Masche der Täter noch nicht.

Lünen.. Opfer eines haarsträubenden Betrugsfalls ist jetzt ein Rentner aus Lünen geworden: Der 64-Jährige ist von unbekannten Tätern, die ihn am Telefon mit Lügengeschichten unter Druck gesetzt haben, um 5000 Euro erleichtert worden. Der Lüner ist schockiert vom perfiden Vorgehen der Täter - und von der Tatsache, dass er auf die Tricks der Abzocker hereingefallen ist. Mit seiner Geschichte möchte der Lüner jetzt andere Menschen warnen.

Das ist die bittere Neujahrsgeschichte von Emil Z.*, der sich am Mittwoch "noch immer ganz aufgewühlt" meldete und "andere Menschen warnen will". Die Art und Weise, wie der Renter um sein Geld gebracht wurde, war bis dato auch der Verbraucherzentrale noch nicht bekannt.

Der haarsträubende Betrugsfall im Protokoll:

  • Dienstag, gegen 14 Uhr: Emil Z. erledigt zuhause Bürokram. Das Telefon klingelt. Es meldet sich die Staatsanwaltschaft Frankfurt - eine Frauenstimme. Im Display des Telefons erscheint eine Frankfurter Nummer. Die Frauenstimme teilt Emil Z. mit, dass ihm eine Klage drohe. Er habe 2011 an einem Gewinnspiel teilgenommen und erforderliche Beiträge nicht gezahlt. Das damalige Telefonat mit der Gewinnspiel-Firma sei mitgeschnitten worden, ein Vertrag damit zustande gekommen. "Ich habe der Dame erklärt, dass ich mich nicht daran erinnern kann und mein Rechtsanwaltbüro einschalten werde", sagt Emil Z.: "Dummerweise muss ich in dem kurzen Telefonat wohl den Namen der Lüner Anwaltskanzlei genannt haben." Nach dem Telefonat mit der vermeintlichen Staatsanwaltschaft ruft Emil Z. seine Anwaltskanzlei an und vereinbart einen Beratungstermin für diesen Freitag. 9. Januar.
  • Wenig später klingelt bei dem 64-Jährigen erneut das Telefon. Im Telefondisplay steht laut Emil Z. dieses Mal die Rufnummer seiner Anwaltskanzlei. Es meldet sich der angebliche Anwalt Peter B.*, der dem Rentner namentlich bekannt ist. "Der Rechtsanwalt sprach mit ausländischem Akzent und sagte mir, dass ihm die Unterlagen aus Frankfurt schon vorliegen", so Emil Z. gegenüber unserer Redaktion: "Der Anwalt hat mir geraten, wie gefordert, 5000 Euro bis 17 Uhr zu zahlen. Eine Klage käme mich viel teurer." Emil Z. ist "völlig verunsichert", beendet das Telefonat. Nach einer Verschnaufpause ruft er noch einmal in der Anwaltskanzlei an: "Die vermeintliche Sekretärin hat mich vertröstet und gesagt, dass der Anwalt im Gespräch sei und sich meldet."
  • Später am Nachmittag ruft der vermeintliche Rechtsanwalt an. Er rät Emil Z. erneut vom Klageweg ab. Er solle lieber die Bareinzahlung über Western Union bei der Postbank tätigen, sagt er - und: "Ist doch alles nicht so schlimm. Aus den Unterlagen geht hervor, dass Sie 56.000 Euro gewonnen haben. Das Geld fließt, wenn Sie die 5000 Euro heute noch bezahlen." Emil Z. ist "völlig perplex", weiß nicht mehr, was er "tun und denken soll". Er berät sich mit seiner Ehefrau.
  • Es folgen weitere Telefonate mit dem vermeintlichen Rechtsanwalt. Die Eheleute Z. entscheiden sich "mehr aus Angst vor einer Klage", wie Emil Z. erklärt, das Geld an die von dem Rechtsanwalt genannte Adresse in der Türkei anzuweisen. Die 5000 Euro heben sie vorher von dem Konto bei ihrer Hausbank ab.
  • Auf den unruhigen Nachmittag folgt eine unruhige Nacht. Emil Z. zweifelt, dass alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Sorgen treiben ihn um. Zu Recht, wie sich am Mittwoch zeigen sollte.
  • Mittwoch, gegen 10 Uhr, der Rechtsanwalt ruft Emil Z. noch einmal an. "Da hat er mir erklärt, dass das Geld wohl eingegangen ist und das Verfahren gegen mich eingestellt wurde. Allerdings müsste ich, um den Gewinn zu bekommen, vorab 5600 Euro Gewinnsteuer an die gleiche Adresse überweisen." Daraufhin, so Emil Z. weiter, "wollte ich zu einem der anderen Anwälte aus der Kanzlei verbunden werden, was zunächst nicht gelang". Emil Z. beendet deshalb das Gespräch.
  • Wenig später ruft ein angeblicher Rechtsanwalt Michael S.* aus der Kanzlei an. Emil Z.: "An der Stimme habe ich sofort erkannt, dass es sich um einen Betrüger handeln muss. Da wusste ich, dass ich einen großen Fehler gemacht habe."
  • Nachdem den Eheleuten Z. klar geworden war, dass sie betrogen wurden, machten sie sich auf den Weg zu ihrer Anwaltskanzlei. "Dort", so die Eheleute, "wusste man nur von dem mit uns vereinbarten Beratungstermin."*Namen geändert

Auf der Polizeiwache Lünen erstatteten die Eheleute Anzeige gegen unbekannt. Danach suchte Emil Z. die Öffentlichkeit: "Ich erzähle Ihnen die Geschichte, damit nicht noch mehr Leute auf diese Gauner reinfallen." Bei der Verbraucherzentrale Lünen hieß es am Mittwoch: "So eine dreiste Geschichte hören wir zum ersten Mal." Vermeintliche Anrufe von Staatsanwaltschaften kämen allerdings öfter vor.

Die Verbraucherschützer raten, auf derartige Anrufe und Geldforderungen nicht einzugehen - "auf keinen Fall zu zahlen". Diesen Rat gibt auch die Polizei. Wie eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Dortmund sagte, sollten sich von solchen Anrufen oder ähnlichen Vorfällen Betroffene sofort bei der Polizei melden. Die Staatsanwaltschaft Dortmund rät, sich immer das Aktenzeichen nennen zu lassen und dann selbst mit der Behörde Kontakt aufzunehmen: "In Telefonaten sollten nie persönliche Daten genannt werden." Nur in wenigen Fällen griffen Staatsanwaltschaften zur Kontaktaufnahme zum Telefon, hebt die Behörde hervor.