Lüner Neurochrirurg ab Samstag wieder in Gaza

An einem der schönsten Strände Marokkos könnte Dr. Samir Kazkaz aus Lünen Urlaub machen. Die Einladung hat er abgelehnt. Stattdessen fliegt der Neurochirurg am Samstag nach Gaza. Zwölf Tage lang wird er in dem Krisengebiet unentgeltlich Patienten operieren. Für sein Vorhaben erhält Kazkaz viel Unterstützung.

Lünen.. Dr. Samir Kazkaz'unermüdlicher Einsatz für hilfsbedürftige Menschen beeindruckt Bärbel Stegmann tief. Am Montag überreichte die 73-Jährige dem Mediziner am Klinikum Lünen 1000 Euro. Geld, das er dringend braucht, um Implantate und OP-Instrumente kaufen zu können. "Ich muss alles mitbringen", sagt er. Sein Gepäck ist voll davon. Er selbst hat nur ein Hemd und eine Hose dabei. "Die Patienten warten auf mich."


"Was in Gaza passiert, ist desaströs", sagt Bärbel Stegmann. Sie denkt vor allem an die vielen unschuldigen Kinder. Dr. Kazkaz operiert ihre Schuss- und Splitterverletzungen. Von seinem Engagement hat Bärbel Stegmann in der Zeitung gelesen. Bevor sie sich im vergangenen Jahr im St.-Marien-Hospital einer Operation unterziehen musste, bedachte sie ihn in ihrem Testament. Doch spontan hat sie sich anders entschieden: "Er braucht das Geld jetzt", sagt sie.

Viel Hilfsbereitschaft für sein Vorhaben

Kleinste Implantate für Patienten mit Bandscheibenvorfall kosten 350 Euro. An den arabischen Ärzteverein hat Kazkaz einen Kostenübernahmeantrag für 25.000 Euro angemeldet. "Wenn ich nach Gaza fliege und habe dort kein Material, dann brauche ich gar nicht zu kommen", sagt er und sammelt unermüdlich Spenden.

Dr. Kazkaz erlebt in Lünen viel Hilfsbereitschaft. Zwei acht und neun Jahre alte Mädchen klopften kürzlich an seine Tür. Sie überreichten ihm jeweils 10 Euro von ihrem Taschengeld. Die Fatih Moschee und die St.-Marien-Gemeinde sammeln Spenden. Vom Marien-Hospital kann er Katheter bekommen, die noch gut sind, hier aber nicht mehr verwendet werden dürfen.

Vom 14. bis 26. Februar wird der 65-Jährige in Gaza operieren. 60 Patienten hat er auf seiner Warteliste, manche hoffen schon seit drei Jahren auf einen Termin bei ihm. Leider kann ihn seine Kollegin Dr. Maryam Sherman diesmal noch nicht begleiten. Sie hat keinen Urlaub bekommen.

Einreise über Israel dank Genehmigung möglich

Im Krankenhaus in Gaza muss Samir Kazkaz seine Mitarbeiter selbst bezahlen. "Ärzte und Pflegekräfte haben seit acht Monaten kein Gehalt bekommen", sagt er. Auch dafür möchte er die Spendengelder verwenden.


Die Flugtickets hat die amerikanische Hilfsorganisation PCRF bezahlt, in deren Auftrag er nach Gaza fliegt. Dank einer Genehmigung kann er über Israel einreisen. In Gaza hat er miterlebt, wie das Krankenhaus von Raketeneinschlägen in der Nähe erzitterte. "Eine F16-Rakete kostet 1 Million Euro", weiß Kazkaz, "was könnte man mit dem Geld viel Gutes tun." Seine nächste Tour steht schon fest: Vom 30. März bis 6. April wird er in Syrien operieren

Die katholische Kirchengemeinde St. Marien hat ein Spendenkonto für Dr. Kazkaz eingerichtet.
Konto: Zentralrendantur Werne, IBAN: DE 97441523700001004449
BIC: WELADED 1LUN
Sparkasse Lünen
Verwendungszweck: Spende für Dr. Kazkaz - Operationen in Gaza, Kennwort 110.
Wenn jemand eine Spendenquittung wünscht, sollte er das vermerken.