Lüner Ehepaar erlebte Terror in Tunesien hautnah

Renate und Dieter Albrecht haben das Massaker am tunesischen Strand von Port El Kantaoui aus nächster Nähe erlebt. Sie waren gerade zur Wassergymnastik im Pool, als ein Terrorist nur wenige hundert Meter entfernt am Strand auf die Urlauber schoss. Was dann passierte, haben die Lüner uns erzählt.

Lünen.. Renate und Dieter Albrecht sind Montag nach Hause gekommen - vom Badeurlaub am tunesischen Strand von Port El Kantaoui bei Sousse. Sie haben am Freitag aus nächster Nähe erlebt, dass 38 Menschen getötet und 39 weitere im Kugelhagel verletzt wurden. Als ein islamistischer Terrorist plötzlich eine Maschinenpistole aus einem Strandschirm zog und auf die Badegäste das Feuer eröffnete.

Panik und Todesschreie

Die Lüner waren im Hotel des Riu Bellevue Park untergebracht. Wenige Hundert Meter weg vom Strand. "Es war kurz vor 12 Uhr. Wir waren gerade bei der Wassergymnastik im Pool unseres Hotels, als ein lauter Knall ertönte", erzählt Dieter Albrecht. Seine Frau habe im ersten Moment gedacht, da würde ein Feuerwerk gezündet werden. Die Geräuschkulisse, die dem Knall folgte, identifizierte der 77-Jährige dann aber sofort als Schüsse aus einem Gewehr.

"Plötzlich brach Panik aus, die Bediensteten unseres Hotels scheuchten die Leute auf. Wir sollten schnell in Sicherheit laufen - hoch in unser Zimmer." Dort, vom zweiten Stock aus, beobachtete das Paar, was da unten am Strand passierte. Dieter Albrecht erzählt davon, dass direkt in Sichtweite das totale Chaos losbrach, Feuergefechte und eine Verfolgungsjagd stattfanden und Menschen schrien. Dass es sich um nur einen Terroristen handelte, der das Massaker anrichtete, bezweifelt das Ehepaar.

Einsatzkräfte durchkämmten das Hotel

"Verletzte wurden auch in unser Hotel gebracht und versorgt. Und man sagte uns, dass ein zweiter Mann vom Foyer des Nachbarhotels aus auf die Urlauber geschossen hätte." Tatsächlich wollen die Lüner sogar beobachtet haben, dass Soldaten einen Mann verfolgt hätten. (Anmerkung der Redaktion: Diese Aussagen widersprechen den offiziellen Angaben nicht, weil der Attentäter erst am Strand, dann in einem Hotel und dann wieder am Strand Schüsse abgab. Es kann sich also in beiden Versionen um ein und denselber Mann handeln. Am Tag des Attentats war zunächst auch von mehreren Tätern die Rede, später wurde diese Meldung dementiert.)

Im Anschluss daran hätten schwer gepanzerte Einsatzkräfte auch ihr Hotel nach dem Flüchtigen durchkämmt. "Nach zwei Stunden hat das Personal uns gesagt, dass alles wieder okay sei. Dass es sich um einen Terroranschlag handelte, haben wir dann aus dem Fernsehen erfahren", erzählt Renate Albrecht. Erst da hatten die Rentner Gewissheit, dass sie nur knapp mit dem Leben davon gekommen waren.

Von 400 Menschen im Hotel blieben nur 40

"Ein Querschläger hätte uns genau so gut treffen können", sagt Dieter Albrecht. Am selben Abend wären dann die ersten Sondermaschinen abgeflogen, die die Verletzten und die anderen Gäste des Badestrandes weg gebracht hätten. "Es war wie eine Evakuierung. Von den vormals 400 Menschen in unserem Hotel waren am Samstag nur noch 40 dort", so Renate Albrecht. Einen Sonderflug nach Hannover hatten die Lüner aber erst am Montag antreten können.

Der für zwei Wochen gebuchte Urlaub wurde nach zehn Tagen abgebrochen. Mit dem Flieger seien ebenfalls verletzte Menschen aus Tunesien gebracht worden. "Dort war eine Frau mit ihrer Tochter, die einen Schuss durch das Bein abbekommen hatte". Ob sie nochmal nach Tunesien reisen würden? Ja, sagt das Paar, aber der Schock der vergangenen Woche müsste erstmal verdaut werden.

Den nächsten Urlaub will das Ehepaar Albrecht an der Nordsee verbringen. In der Hoffnung, "dass das dann etwas ruhiger verläuft", sagt Dieter Albrecht. Seine Frau Renate lacht. Unbeschwertheit, die jetzt nicht unbedingt selbstverständlich ist.