Klinikum Lünen will Wartezeit transparenter machen

Sechs Stunden hat es in der Notaufnahme des Klinikums Lünen gedauert, bis ein Selmer endlich von einem Arzt behandelt wurde. Wir haben mit dem Ärztlichen Leiter der Zentralen Aufnahme gesprochen. Was er zu dem Fall sagt und wie das Krankenhaus Patienten besser über Wartezeiten informieren will, lesen Sie hier.

Lünen/selm.. Zur Vorgeschichte: Hans Oesmanns aus Selm ist 77 Jahre alt und am Herz erkrankt. Wegen akuter Beschwerden wurde er von seiner Hausärztin am Montagabend vergangener Woche ins Klinikum Lünen überwiesen. Um 18.30 Uhr eingetroffen, wurde er rund sechs Stunden später das erste Mal von einem Arzt untersucht, um 2.30 Uhr bekam er dann endlich ein Bett im Krankenhaus.

Arne Krüger, der Ärztliche Leiter der Zentralen Aufnahme, bedauerte das - aber hat auch eine Erklärung, woran es lag. Das Problem des Lüner Marienhospitals wie vieler anderer Kliniken ist: Ambulanz und Notaufnahme sind eine Abteilung. Schwer verletzte Patienten, die per Rettungswagen nach einem Autounfall in die Klinik kommen, landen also in derselben Abteilung wie Patienten, die zum Beispiel der ärztliche Notdienst am Abend ins Krankenhaus einweist.

Kommt also ein Notfall dazwischen, wo es um Leben und Tod geht, muss der Ambulanz-Patient warten. Gibt es an einem Abend mehrere Notfälle, dann wartet er länger.

Wartende sehen nicht, wie viele Notfälle eingeliefert werden

Transparent ist das für den Patienten nicht: Er weiß nicht, dass ein Notfall per Rettungswagen reinkommt. Er weiß nicht, wie viele lebensgefährlich Verletzte zuerst behandelt werden müssen. "Wir behandeln nach medizinischer Dringlichkeit rund um die Uhr. Das dauert manchmal", sagt Arne Krüger. Gerade in Lünen ist das auch baulich ein Problem: Die Rettungswagen-Einfahrt liegt auf einer nicht einsichtigen Seite des Gebäudes.

Krankenhäuser sind neben Notfällen eben auch für die Versorgung von Patienten zuständig, die über den ärztlichen Notdienst kommen. "Aber wir sind von der Inanspruchnahme überfordert", berichtet Krüger. Auch finanziell: Für einen ambulanten Patienten bekomme die Klinik 30 Euro bezahlt, habe aber Aufwand von 120 Euro. Dadurch könnte natürlich eine Fehlsteuerung entstehen: Wenn eine Klinik den Patienten stationär aufnimmt, sei eine andere wirtschaftlich-finanzielle Situation gegeben.

Warum gibt es keine Wartezeit-Anzeige?

Transparenz ist ein Punkt, an dem die Klinik arbeite, so Krüger. Wenn Notfälle von Rettungsdiensten hereinkommen, soll ein in der Ambulanz wartender Patient das künftig vielleicht bemerken. Krüger: "Wir überlegen, wie man solche Vorgänge dort anzeigen kann." Daran arbeite gerade die interne Technik der Klinik - denn auf dem Markt sei kein System verfügbar, das diese Bedürfnisse abbilden könne.