Immer schlechtere Nahversorgung in Lüner Stadtteilen

Viele Lüner Stadtteile haben Probleme mit ihrer Infrastruktur. Einer davon ist Gahmen. Da gibt es sonntags nun auch keine Brötchen mehr. Ein tiefer Einschnitt in die Nahversorgung der Gahmener, wie schon die Schließung des Frischemarktes im Dezember. Im Stadtteil und in der Politik wird darüber heiß diskutiert.

Gahmen.. Das sagen drei Gahmener:
Die Stimmung ist getrübt. "Jetzt ist hier gar nichts mehr los", sagt Dieter Sturmat. "Für Gahmen ist das nicht gut", meint Vanessa Gelewski. Martina Tesch hat sonntags immer bei Kanne gefrühstückt. Sie findet schlimm, dass das jetzt wegfällt. Auf einen Kaffee traf sie sich dort mit anderen Frauen in der Woche nachmittags. Doch von 15 bis 17 Uhr hat Kanne nur noch donnerstags geöffnet. Weil dann Markttag ist.

Die Einkaufsmöglichkeiten in Gahmen wurden immer weniger: 2012 schloss Schlecker, Ende August montierte die Sparkasse ihren Geldautomaten ab. Dann das Aus für den Frischemarkt und Brotverkauf bei Kanne nur noch von 6.30 bis 13 Uhr. Besonders für die Älteren sei das schwer, sagt Vanessa Gelewski. Wer mobil ist, fährt nach Lünen-Süd und ins Einkaufszentrum nach Dortmund-Derne. Kioskbesitzer Izzet Söylemez sagt, nachmittags sei nicht mehr viel los in Gahmen. "Ich habe Glück, dass ich die Postbank hier habe." Der Kioskbesitzer habe schon überlegt, selbst Brötchen anzubieten, "aber so etwas geht ja nicht von heute auf morgen." Er wünscht sich, dass die Stadt etwas tut und dafür sorge, dass Händler nicht schließen müssten. Das sagen zwei Politiker:
Hans-Georg Fohrmeister, für Gahmen zuständiger Ratsherr der SPD,hat sich längst von der Idee verabschiedet, dass es in Gahmen einen Lebensmitteladen geben könnte, der alles anbietet. Aber einen begehbaren Kiosk für den Einkauf zwischendurch, das könnte er sich vorstellen. Darüber führt er momentan Gespräche mit Planern und der Stadt. Auch Carl Schulz-Gahmen, Vorsitzender der CDU-Ortsunion Lünen-Mitte/Gahmen sagt: "Wir können nur hoffen und betteln, aber kein Geschäft aufmachen."

Die schwierige Situation konterkariere, was mit dem Projekt "Soziale Stadt Gahmen" gewollt war, so Schulz-Gahmen. Sechs Millionen Euro sind in den Ortsteil geflossen, überwiegend Fördergelder. Der Bürgerpark, das Bürgerzentrum, die Süggelpromenade, das Produktionsschulbistro, das Wegekreuz Ost und diverse neue Spielplätze wurden errichtet.

Fohrmeister und Schulz-Gahmen wollen durch Gespräche versuchen, etwas zu bewegen. Es sei schon viel zu viel in der Öffentlichkeit diskutiert worden, meint Schulz-Gahmen. Das sieht auch Hans-Georg Fohrmeister so: "Wenn ein Ortsteil nur schlecht geredet wird, findet man erst recht keinen."