Hitze gefährdet Ernte von Erdbeer-Bauern

Fast 40 Grad am Wochenende – das lässt nicht nur viele Menschen stöhnen. Die Hitze bringt auch Probleme für die Landwirtschaft mit sich. Sorgen machen sich besonders Erdbeer-Bauern, weil ihre empfindlichen Früchte solch hohe Temperaturen nicht gut vertragen. Auch Getreidepflanzen sterben ab. Wir haben uns in der Region umgehört.

Lünen/bork/werne.. "Wir haben schon Angst vor 35 Grad und darüber", so Hubertus Bleckmann vom gleichnamigen Gemüsehof an der Stadtgrenze Lünen/Bork. Derzeit läuft die Ernte von Erdbeeren und Himbeeren sehr gut. "Aber hohe Temperaturen setzen den Beeren zu." Drei Tage Hitze kostet Bleckmann 14 Tage Ernte.

"Wenn es über 28 Grad im Schatten ist, dann ist es in der Sonne weit über 35 Grad und die Sonne brennt wie Feuer auf die Erdbeeren", erläutert Bleckmann. Dann gehen die Erdbeeren in die sogenannte Notreife und verlieren damit an Geschmack.

Auf dem Biohof Schulze Wethmar endet die Erdbeersaison in dieser Woche. "Bei über 35 Grad kann man keine Erdbeeren mehr ernten", so Vitus Schulze Wethmar.

Mit dem Ende der Ernte in Lünen ist die Erdbeer-Saison in der Region aber keinesfalls vorbei. "Es gibt manche Spezial-Betriebe, die bis zum ersten Frost ernten", sagt Bernahrd Rüb, Sprecher der Landwirtschaftskammer NRW.

Welche Ernte-Ergebnisse die diesjährige Erdbeer-Saison hervorbringt, kann Rüb allerdings noch nicht sagen. "Es gibt keine amtlichen Zahlen, außer denen des Bundesamtes für Statistik", sagt Rüb - und die seien wenig aussagekräftig, da sie lediglich die Zahlen bis Juni widerspiegelten. Im Durchschnitt gehe die Erdbeer-Ernte aber bis in den August.

Noch anderthalb Wochen, dann ist für Martin Schulze Twenhöven aus Werne unterdessen die Erdbeerernte abgeschlossen. "Sofern es nachts schön kühl bleibt, bleiben die Erdbeeren auch fest", sagt der Landwirt und hat gedanklich schon fast mit der aktuellen Ernte abgeschlossen. Was ihn viel mehr Sorgen bereitet, sind die neuen Erdbeerpflänzchen, die er zuletzt gesetzt hat.

Neue gepflanzte Erdbeeren bereiten sorgen

"Noch drei Tage, dann sind die Pflanzen vertrocknet", befürchtet er und hat in eine neue Bewässerungsanlage investiert. Wassersparend werden die Pflanzen über kleine Leitungen von unten bewässert. Anders als bei einer Beregnungsanlage, wo viel Wasser verloren geht. Zehn Tanklastwagen mit jeweils 10 Kubikmeter Wasser versorgen die Erdbeerpflanzen. Auf einen Quadratmeter Boden kommt ein Liter Wasser.

Die neue Anlage wird er im nächsten Jahr auch für die neue Ernte einsetzen können. Bisher hatte Schulze Twenhöven auf die Bewässerung der Erdbeeren in der Erntezeit verzichtet. Aber da sie schon mal da ist, soll sie auch genutzt werden, sagt der Erdbeerbauer.

Landwirte in Wessel und Nordick haben Probleme

Ähnlich angespannt ist die Lage bei den Getreidebauern: Bis zu 60 Zentimeter tiefe Risse ziehen sich durch die Getreidefelder nach der langen Trockenperiode. Auch hier ist Landwirt Martin Schulze Twenhöven betroffen. "Wenn es jetzt regnen würde, dann könnte der Mais noch gerettet werden", sagt er.

Auch der Weizen leidet unter der Trockenheit. Aus der Ferne betrachtet sind die Felder gefleckt, an einigen Stellen grün, an anderen Stellen gelb und trocken. "Die Pflanzen reifen ungleichmäßig", erläutert Schulze Twenhöven. Einige Stellen könnten schon in 14 Tagen gedroschen werden, andere erst in vier Wochen.