Gibt es demnächst drei Stunden mehr Ruhrflair?

Darf es in den Ruhrwiesen einmal im Jahr an zwei Abenden auch nach 22 Uhr laut werden, wenn die Jugend dort beim Ruhrflair feiern möchte? Das ist die Frage, mit der sich am kommenden Mittwoch der Bürgerausschuss befasst. Grund dafür ist ein Bürgerantrag um eine Ausnahmegenehmigung.

Schwerte.. Den Antrag hat der Lichtkünstler Jörg Rost gestellt. Er hält nämlich 23.30 Uhr für eine zivile Zeit - in Ausnahmefällen. Und einen solchen sieht er hier: "Es passiert so wenig für Jugendliche in Schwerte. Es ist viel versprochen worden in den letzten 15 Jahren, aber nichts wurde umgesetzt. Das ist ein Armutszeugnis."

Die Stadtverwaltung hat sich bereits klar positioniert und empfiehlt den Politikern, diesem Wunsch nicht stattzugeben. Im Abwägungsprozess zwischen dem Interesse an der Durchführung der Veranstaltung und dem Interesse an einer ungestörten Nachtruhe seien die Gründe für eine Ausnahme nicht gewichtig genug. Um 22 Uhr soll Schluss sein - und das ist offenbar wegen der Lautstärke schon eine Ausnahme.

Ein friedliches Festival

Rost kann dies nicht nachvollziehen. Schließlich sei im vergangenen Jahr ein friedliches Festival mit 1600 Besuchern an zwei Tagen gefeiert worden. "Um 0.30 Uhr war die Wiese komplett geräumt, im benachbarten Wohngebiet längst Ruhe eingekehrt." Die Stadtverwaltung bestätigt, dass es keine wesentlichen Beschwerden aus der Nachbarschaft gegeben habe.

Dennoch lehnt die Stadt eine Ausweitung um eineinhalb Stunden ab: "Die Steigerung des Identifikationsgefühls der Besucher mit der Stadt kann eine Ausnahme nicht hinreichend begründen." Warum ein solches Gefühl insbesondere durch die Einschränkung der Nachtruhe der Anwohner erreicht werden kann, wird in dem Antrag auch nicht weiter ausgeführt.

Jörg Rost würde das gern im Bürgerausschuss persönlich erklären, aber bisher hat er keine Einladung für die Sitzung am 15. April erhalten - und automatisches Rederecht haben Antragsteller eh nicht. Ob die Politik den Argumenten der Verwaltung oder des Veranstalters folgt, können Bürger live miterleben, wenn sie sich am Mittwoch, 15. April, um 17 Uhr im Ratssaal einfinden. Jörg Rost wäre auf jeden Fall "tierisch enttäuscht", wenn es bei 22 Uhr bleiben müsste.