Gesprächskreise als Chance für Flüchtlinge in Lünen

Ryan und Jocelyn schauen mit großen Augen - die beiden niedlichen Kinder sind mit ihren Müttern und Geschwistern aus ihrer Heimat Ghana geflüchtet. Jetzt leben sie seit einigen Wochen gemeinsam in einer Wohnung in Lünen. Willkommen geheißen von Ehrenamtlichen, die ihnen den Start in das neue Leben erleichtern möchten.

Lünen.. Vor 30 Jahren kam Anthony Spahija auch als Flüchtling aus Ghana nach Deutschland. "Damals gab es keinen Sprachunterricht, ich konnte keinen Kurs besuchen", erzählt der heute 55-Jährige. 13 Jahre lang war er als LKW-Fahrer bei einer Spedition tätig, bis er sich das Handgelenk brach und durch den Arbeitsunfall ein Jahr lang pausieren musste. "Ich habe mir damals überlegt, die Zeit zu nutzen, um mein Deutsch zu verbessern und einen Kurs beim Multikulturellen Forum besucht."

Vor 13 Jahren bekam Spahija die deutsche Staatsbürgerschaft. Heute hilft er Menschen aus Afrika, die nach Deutschland geflohen sind. Denn er spricht fünf verschiedene ghanaische und zwei verschiedene nigerianische Dialekte, natürlich auch Englisch und Deutsch. Vor Weihnachten hatte er Premiere als Übersetzer im Rathaus. Er fühlt sich wohl in Lünen und möchte mithelfen, dass es den Flüchtlingen, die derzeit kommen, leichter fällt, den Neustart zu schaffen.

Erste Berührungspunkte mit der deutschen Sprache

Gesprächskreise, geleitet von Ehrenamtlichen, bieten den Menschen aus vielen Ländern die Chance, erste Berührungen mit der deutschen Sprache zu bekommen. Denn Integrationskurse dürfen sie erst besuchen, wenn sie als Flüchtlinge anerkannt werden. Die Idee zu den Gesprächskreisen hatte Barbara Surma, die seit vielen Jahren Deutschkurse für Migranten gibt. Schnell fand sie Mitstreiter, die bereit waren, ehrenamtlich ein- oder zwei Mal in der Woche den Flüchtlingen zu helfen, besser hier zurecht zu kommen. "Wir haben Lernposter mit Bildern angeschafft aus Mitteln des Fördervereins des Arbeitskreises für Flüchtlinge", so Barbara Surma.

Pfarrer Clemens Kreiss (St. Marien) stellte einen Raum im Pfarrheim St. Ludger Alstedde zur Verfügung. Hier sind Johanna Beckmann und Dr. Angela Prause Ansprechpartnerinnen für die Flüchtlinge. Ein zweiter Gesprächskreis findet in Gahmen, auf dem Ringe, statt. Hier leiten Tatjana Krieger und Mustafa Kurt die Treffen. Das Interesse bei den Flüchtlingen ist groß. So groß, dass Barbara Surma sich gut vorstellen kann, ab dem neuen Jahr einen dritten Gesprächskreis anzubieten - für solche Flüchtlinge, die schon ein wenig Deutsch können und mehr lernen wollen. Einen Ort dafür gibt es schon - Pfarrer Kreiss stellt einen Raum im Pfarrzentrum St. Marien zur Verfügung.

Schnell Deutsch lernen

Wenn Ryan und Jocelyn einen Platz im Kindergarten bekommen, werden sie wahrscheinlich problemlos und schnell Deutsch lernen. Ryans großer Bruder Daniel (12) kann sich schon gut auf Deutsch verständigen, er besucht die Käthe-Kollwitz-Gesamtschule. Seine Mutter Rachel spricht meistens noch Englisch. Ihre Freundin Monika ist froh, dass Anthony Spahija einiges übersetzt. Sie kam mit ihrer kleinen Tochter nach Deutschland. Ihr Baby wurde geboren, als sie in einem Übergangswohnheim war, kam als wenige Tage alter Säugling mit Mutter und Schwester nach Lünen.

Jetzt brauchen die beiden Frauen und ihre Kinder dringend Möbel. Schränke, eine Couch, Sessel und vor allem Küchenmöbel fehlen. Auch Spielsachen wären natürlich für Ryan, Jocelyn und ihren Baby-Bruder schön.

Einen anderen Traum haben Richard Frimpong und Samuel Owusu Appa aus Ghana. Sie möchten möglichst schnell Deutsch lernen, um dann auch arbeiten zu dürfen. "Ich habe zwei Kinder in meiner Heimat gelassen, möchte ihnen helfen", so Richard. Und sie wünschen sich auch mehr Kontakte zu der Lüner Bevölkerung. Beide freuen sich, dass es in Alstedde den Gesprächskreis gibt und sie so langsam die ersten Brocken Deutsch lernen. Und auch Fragen zum Leben hier stellen können, mehr über die Gewohnheiten und Gebräuche erfahren. Dank des Engagements der Ehrenamtlichen.