Gahmener diskutieren mit SPD über Dorv-Konzept

Kein Lebensmittelgeschäft mehr, kein Geldautomat mehr, ein Bäcker, der nur halbtags öffnet Gahmen hat eindeutig ein Nahversorgungsproblem. Über die Zukunft des Stadtteils diskutierten nun 30 Anwohner mit dem SPD-Ortsverein. Dabei ging es auch um die Einrichtung eines Dorfzentrums.

Gahmen.. Rund 3800 Einwohner zählt der Stadtteil. Diese bemängelten eindeutig die Situation des Lüner Ortsteils, an dem auch das millionenschwere Bürgerzentrum und die "viel zu überpropotionierten Spielplätze" nichts ändern würden. Um sich den Kummer der Anwohner anzuhören, lud der SPD-Ortsverein mit Friedhelm Hoffmann und Hans-Georf Fohrmeister an der Spitze ins Bürgerzentrum ein.

Gespannt folgten die SPD-Chefs, Bürgermeister und Verwaltungschef Hans Wilhelm Stodollick (SPD), Egbert Gutkowski und Alfred Teutenberg als Sperrspitze von "Gahmens Kümmerern" sowie weitere Versammlungsteilnehmer den Ausführungen von Heinz Frey. Der ist Geschäftsführer der Dorv-Zentrum GmbH (Jülich) und in Gahmen sowie im Lüner Rathaus kein Unbekannter.

Bekanntes Gesicht

Denn Frey hatte bereits 2012 im Auftrag der Stadt den Stadtteil Gahmen und dessen mangelnde Nahversorgung unter die Lupe genommen und Lösungsvorschläge präsentiert. Die wurden aber, wie er Mittwochabend feststellte, nur teilweise verfolgt und letztlich eingestellt. "Ich muss schon sagen, die Situation hat sich hier in den vergangenen drei Jahren deutlich verschlechtert", sagte Heinz Frey.

Das von ihm und weiteren Mitstreitern entwickelte Dorv-Konzept zur Wiederbelebung von unterversorgten Stadtteilen sieht im Kern die Einrichtung eines Dorfzentrums vor. Dazu braucht es eine Immobilie, die Platz für ein 150 bis 350 Quadratmeter großes Ladenlokal bietet. In Gahmen kämen laut Frey dafür das ehemalige Sparkassen-Gebäude oder der frühere Schleckermarkt infrage.

Verschiedene Angebote

In dem Ladenlokal sind gemäß dem Dorv-Konzept, das eine Rundumversorgung der Bevölkerung vorsieht, möglichst viele Angebote unterzubringen. Dazu gehörten Lebensmittel, Dienstleistungen, medizinische und kulturelle Angebote sowie ein Caf zur Kommunikation, sagte Dorv-Geschäftsführer Frey.

Die Kosten für die Einrichtung eines solchen Ladenlokals, das von nur einer Person - einer "Dienstleistungs-Kauffrau" - betrieben wird, bezifferte Frey am Rande der Veranstaltung auf 50.000 bis 150.000 Euro. Die Finanzierung könne über die Herausgabe von Bürger-Aktien erfolgen. Oder aus Fördermittel des Landes für das Projekt "soziale Stadt Gahmen", wie Versammlungsteilnehmer sagten. Die waren Mittwochabend einhellig der Meinung, dass das Dorv-Konzept auf jeden Fall weiter verfolgt werden sollte.

Bürgerantrag

Egbert Gutkowski, Alfred Teutenberg und weitere "Kümmerer" aus Gahmen wollen deshalb bis Ende dieser Woche einen Bürgerantrag für die nächste Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses im April formulieren - mit der Forderung, das Dorv-Konzept umzusetzen. Bürgermeister Hans Wilhelm Stodollick sagte seine Unterstützung zu.

Das Dorv-Konzept

  • "Alternde Gesellschaft, sinkende Wirtschaftsleistung, steigender Schuldenstand sind Signale, die nach Lösungen suchen, unsere Gesellschaft zukunftsfähig zu gestalten", heißt es auf der Homepage der Dorv-Zentrum GmbH.
  • "Eine aktive Bürgerschaft, welche die Zusammenarbeit mit privater Wirtschaft und öffentlicher Hand aktiv mitgestalten darf, ist in der Lage, ihren Lebensraum, ihre Stadt- und Wohnquartiere auch beim Rückgang der öffentlichen Mittel zu gestalten", sagt Dorv-Geschäftsführer Heinz Frey.
  • Laut Frey gibt es bundesweit 20 Dorv-Zentren. Weitere 50 seien in Planung. www.dorv.de