"Forensische Psychiatrie ein Gewinn für Lünen"

In der Debatte um den Bau einer Forensik in Lünen fordert der Initiativkreis "Mut zur Verantwortung" in einem Brief an die Fraktionen im Rat, endlich die Chancen einer solchen Einrichtung in Lünen zu sehen. Die Bürgerinitiative "Lünen ohne Forensik" machte wiederum ihren Standpunkt klar.

Lünen.. "Ratlosigkeit, Angst vor Verantwortung, Unfähigkeit zur Entscheidung" wirft Dr. Hans-Dieter Kahleyß den Fraktionen im Rat vor, mit Ausnahme der Grünen.Als Mitglied im Initiativkreis "Mut zur Verantwortung" hat Kahleyß die Fraktionsvorsitzenden und den Bürgermeister angeschrieben. Er fordert: "Zeigen Sie klare Kante und vertreten Sie gegenüber der Bevölkerung, dass eine Klinik für forensische Psychiatrie auf der Victoriabrache ein Gewinn für die Menschen und für Lünen ist. Erklären Sie den Bürgerinnen und Bürgern den Wert von 150 Arbeitsplätzen für Lünen und viele Millionen Euro Ausgaben einer Klinik in Lünen." Es sei verantwortungslos zuzusehen, dass psychisch kranke Straftäter in den normalen Vollzug kämen, weil forensische Klinikplätze fehlten, so Kahleyß.

Chancen in keinem Verhältnis zum Schaden

Die FDP machte Kahleyß' Brief öffentlich - und ihre Antwort darauf. Der von Kahleyß beschriebene wirtschaftliche Nutzen stehe in keinem Verhältnis zum Schaden, so Lünens FDP-Vorsitzender Dr. Norbert Katte. Eine solche Klinik gehöre nicht in eine Stadt, die wirtschaftlich im Umbruch sei und vielfältige Probleme zu lösen habe. Er halte eher den Bau einer Klinik für "die vielen psychisch kranken Menschen im Kreis Unna" für sinnvoll als eine Forensik für "die wenigen Straftäter, die psychisch krank sind", so Katte.

Die BI "Lünen ohne Forensik" wurde von Kahleyß zwar nicht angeschrieben, aber mit der Aussage ihres Vorsitzenden Dirk Hartmann zitiert, die BI sei nicht gegen eine Forensik, aber gegen eine Forensik in Lünen. Deshalb hat auch Hartmann geantwortet. Die Argumentation gegen eine Forensik in Lünen habe mit der besonderen Situation der Stadt zu tun, die im Landesvergleich "in nahezu allen Bereichen am negativen Ende der Bewertungsskala" mitspiele. Hartmann nennt Umweltbelastung, Arbeitslosigkeit, Transferquoten, Kaufkraft. "Und nun soll Lünen eine weitere Belastung für die Stadtentwicklung und das Stadtmarketing durch die Einrichtung einer Forensik mitten im Herzen unserer Stadt tragen?" fragt Hartmann. Wie "attraktiv" eine Forensik sei, zeige sich daran, dass von 125 Kommunen 119 negativ auf die Standortanfrage des Landes geantwortet hätten. Und nahezu jeder Standort werde nun beklagt.

Kahleyß warnt vor einer Klage. Das sei "Vergeudung von Steuermitteln in einem chancenlosen Rechtsstreit."