Entlastung bei G8: So machen es Lüner Schulen

Gymnasiasten, die das "Turbo-Abi" - also das Abitur nach acht Jahren - anstreben, sollen entlastet werden. Das beschloss jüngst der Schulausschuss des Düsseldorfer Landtags. Die rot-grüne Regierung will den verkürzten Bildungsgang entfrachten statt zu neun Jahren Gymnasium zurückzukehren. Wir haben nachgefragt, wie Lünens Gymnasien ihren Schülern das Leben leichter machen wollen.

Lünen.. Kaum noch Zeit für Sportverein, Musikschule oder andere Hobbys - das Problem kennen viele Gymnasiasten, die das "Turbo-Abi" nach acht Jahren anpeilen. Das soll sich jetzt ändern, meint die NRW-Landesregierung und entwickelte Entlastungen, die nun vom Landtag beschlossen wurden.

Bei den Leitern der beiden Lüner Gymnasien kommt das durchaus an. Auch weil sie schon selbst zuvor in ihren Schulen an Entlastungen arbeiteten. "Beim Nachmittagsunterricht müssen wir ganz genau hinsehen, denn für die Jahrgangsstufen 5 bis 7 ist nur noch ein Tag vorgesehen", so Dr. Norbert Ingler, Leiter des Altlüner Gymnasiums. Bei der Mittelstufe (Klassen 8 und 9) lasse sich Nachmittagsunterricht gar nicht vermeiden.

"Nicht der ganz große Wurf"

"Bei den Hausaufgaben hatten wir schon geregelt, dass auch Referate eingerechnet werden", so Heinrich Kröger, Leiter des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums. Für ihn sind die Entschärfungen des Turbo-Abis "nicht der ganz große Wurf". Man arbeite am Stein ohnehin auch an der Umstellung des Förderkonzepts: "Wir kennen unsere Schülerschaft und sind schon auf veränderte Strukturen eingegangen."


Man müsse nicht alle Schüler fördern, sondern ihnen auch die Freiheiten geben, eigenständig zu entscheiden, wo sie noch Defizite haben. "Wir setzen auf mehr gezielte Förderung."


Auch in Sachen Klassenarbeiten und Nachmittagsunterricht seien am Stein die neuen Regelungen zum Teil schon umgesetzt gewesen. Bei der Planung von Klassenarbeiten sollen Referate und andere Arbeiten, die die Schüler erledigen müssen, auch "deutlich in den Blick genommen werden".

Aufgaben individuell vergeben

Eine große Herausforderung sei das Hausaufgabenkonzept. Kröger: "Hier muss uns der Spagat zwischen den Anforderungen wie Vokabeln lernen und gleichzeitig weniger Zeit für Hausaufgaben gelingen." In Sachen Hausaufgaben hatte sich das Altlüner Gymnasium schon auf den Weg gemacht. "Lern- und Leseleistung werden nicht als Hausaufgaben gerechnet", so Ingler. Bei Vokabeln oder Lektüren sollen die Lehrer den Schülern entsprechend einen Zeitraum vorgeben, in dem sie dann zu Hause lernen bzw. lesen. Man solle auch differenzierter an Hausaufgaben herangehen, so Ingler. Nicht allen Schülern die selben Aufgaben geben, wäre eine Möglichkeit.


In den nächsten Wochen werden die jeweiligen Schulgremien die angestrebten Entlastungen diskutieren. Ingler ist froh, dass es keine Diskussion über eine Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren an Gymnasien gibt: "Das hätte wieder für viel Unruhe gerade bei den Eltern gesorgt." Auch wenn nach seiner Erfahrung viele Schüler noch viel individuelle Unterstützung brauchen, um das Abitur nach nur acht Jahren zu schaffen.