''Ehrenmord'': Bruder des Opfers belastet Onkel schwer

Im "Ehrenmord"-Prozess vor dem Hagener Landgericht hat der 20-jährige Bruder des Opfers heute sein Schweigen gebrochen: Der Angeklagte ließ über seine Verteidigerin eine Einlassung verlesen, in der er den Hergang schilderte. Damit belastet er den Onkel schwer.

Hagen/schwerte.. 
Bislang hatte der Angeklagte vor Gericht geschwiegen. Lediglich in einer ersten Vernehmung gab er an, der Onkel habe auf dem Rastplatz plötzlich eine Waffe aus der Tasche gezogen und auf die 20-jährige Schwerterin geschossen. Der Onkel wiederum beteuerte, der junge Mann sei der Täter gewesen.

Onkel habe Pistole besorgt

In der Einlassung, die seine Verteidigerin am Donnerstagmorgen verlas, schilderte der Bruder, dass der Onkel überraschend in Schwerte aufgetaucht sei und sich nach der Schwester erkundigt habe. In den folgenden Tagen sei ihm bewusst geworden, dass der Onkel die junge Frau habe bestrafen wollen: Die Geschichten über ihre Männerbekanntschaften hätten sich in Schwerte herumgesprochen.


Der Onkel habe offen davon gesprochen, dass sie getötet werden müsse. Dieser habe auch die Pistole besorgt. Gemeinsam mit seinem Cousin habe er die Schwester zuhause abgeholt und zu dem vereinbarten Rastplatz gefahren. Dort soll der Onkel das Opfer aus dem Wagen gerissen und ins Gebüsch gezogen haben. Dann seien zwei Schüsse gefallen.

Bruder zeigt Reue

Der Onkel sei allein wiedergekommen und habe ihn gewarnt, nichts zu sagen, so der Bruder der damals 20-Jährigen. In der verlesenen Einlassung zeigte er Reue über die Tat"Wenn ich mehr Mut gehabt hätte, wäre sie noch am Leben." Der Onkel ließ sich bei der Verlesung äußerlich nichts anmerken. Mord an der A45
Seit dem 15. März 2013 sitzen zwei Onkel, die Mutter und ein Bruder des Opfers auf der Anklagebank. Der Vorwurf: Sie sollen die junge Frau im Sommer 2008 wegen ihres westlichen Lebensstilauf einem "Familientribunal" zum Tode verurteilt haben. Die 20-Jährige wurde auf einem Rastplatz an der A45 mit einem Kopfschuss hingerichtet. Ein Cousin wurde bereits verurteilt.