''Ehrenmord'': Angeklagte schweigen wieder

Nachdem sich im "Ehrenmord"-Prozess vor dem Hagener Landgericht der 20-jährige Bruder des Opfers überraschend zu Wort gemeldet und einen der Onkel schwer belastet hat, herrscht nun wieder Schweigen. Der junge Mann will sich nicht weiter äußern, die Verteidigung des Onkels sich neu sortieren.

Hagen/schwerte.. 
Nach seiner überraschenden schriftlichen Äußerung in der vergangenen Woche hoffte nun das Gericht, den 20-jährigen Bruder der ermordeten Schwerterin näher zu den Geschehnissen befragen zu können. Aber es wurde enttäuscht. Der junge Mann schweigt erneut.

Verteidigung arbeitet unter Hochdruck

Er erklärte am Dienstag durch seinen Verteidiger: "Ich will nichts mehr weiter dazu sagen. Ich habe mich beim Gutachter umfänglich geäußert." Er spielte damit auf ein psychologisches Gutachten an, das am Montag erstellt wurde und klären soll, ob er zum Tatzeitpunkt schuldfähig war. Es soll voraussichtlich am nächsten Verhandlungstag vorgestellt werden.


Auch die Verteidigung des Onkels ist schweigsam, nachdem der Bruder behauptet hatte, der 51-Jährige habe die tödlichen Schüsse abgegeben. Sie gab aber zu verstehen, dass sie mit Hochdruck für ihren Mandanten arbeite: "Die Einlassung war eine Überraschung für uns. Wir wolltendas Weitere abwarten", sagte der Verteidiger des 51-Jährigen und kündigte Anträge für den nächsten Sitzungstag am 18. Juni an.
Mord an der A45
Seit dem 15. März 2013 sitzen zwei Onkel, die Mutter und ein Bruder des Opfers auf der Anklagebank. Der Vorwurf: Sie sollen einejunge Frau aus Schwerte im Sommer 2008 wegen ihres westlichen Lebensstilauf einem "Familientribunal" zum Tode verurteilt haben. Die 20-Jährige wurde auf einem Rastplatz an der A45 mit einem Kopfschuss hingerichtet. Ein Cousin wurde bereits verurteilt.