Burg Steinhausen: Stück Geschichte ist zerstört

Wie es zu dem Feuer in der alten Wasserburg Steinhausen an der Grenze zwischen Dortmund und Schwerte am 10. Juni kam, ist noch nicht geklärt. Ermittelt wird wegen Brandstiftung. Klar ist jedoch bereits: Ein Stück Geschichte ist zerstört. Ein so großes, dass unsicher ist, ob das Gebäude überhaupt noch ein Denkmal ist.
(vor dem Brand) (nach dem Brand)

Dortmund-holzen/schwerte..  So ist das Vorher-Nachher-Bild entstanden
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Wie groß der Schaden an der Burg Steinhausen wirklich ist, da ist sich die Untere Denkmalbehörde noch nicht ganz sicher. Fest steht jedoch: "Wir müssen tatsächlich prüfen, ob der Denkmalwert der Wasserburg noch gegeben ist und wie weit der Brand das Original geschädigt hat", sagt Archäologin Henriette Brink-Kloke, die sich nach dem Brand vor Ort ein Bild von dem Schaden gemacht hat.

Torhaus bereitet Sorgen, Turm weniger beschädigt

Große Sorgen bereitet dabei das alte Torhaus. Das sei durch das Feuer stark beschädigt worden, so Brink-Kloke. Hier werde es auf jeden Fall noch eine statische Prüfung geben, ob die Toranlage noch einmal wiederhergestellt werden könne.

Beim trutzigen Wohnturm hingegen sei noch viel historisch Wertvolles erhalten geblieben. Zwar ist die alte, hölzerne Zwischendecke, die sich noch im Originalzustand befand, ein Raub der Flammen geworden. "Die Innenarchitektur des Turmes ist aber zum Großteil noch erhalten", sagt Henriette Brink-Kloke. "In der historischen, alten Zeit hatte man kaum Möbel, sondern Wandnischen zum Sitzen, oder Öffnungen, in die Beleuchtungselemente gestellt wurden", das sei alles noch vorhanden.

Burganlage ist sehr alt

Was die historische Bedeutung angeht, sei Steinhausen eher eine kleine, aber auch eine sehr frühe Anlage. Allein der Name "Steinhausen" deute schon auf die Wichtigkeit der Anlage hin. Dort, wo früher nur mit Holz und Lehm gebaut wurde, stand auf einmal ein Steinhaus.

Wer dort in früher Vorzeit gelebt hat, ist nicht mehr nachzuverfolgen. Die ersten Namen der Burgherren, die geschichtlich nachgewiesen sind, tauchen um das 14. Jahrhundert auf. Zu dieser Zeit soll der Burgherr von Steinhaus dort gelebt haben. So steht es zumindest in einem alten Schriftstück über die Gemeinde Holzen, die ein Lehrer namens Max Schmidt 1909 verfasst hat. Im Schatzbuch der Grafschaft Mark wird Burg Steinhausen erstmals 1486 erwähnt. Da gehörte die Wasserburg schon seit acht Jahren der Familie Nagel.

Einer, der so einiges rund um die alte Burg weiß, ist Ferdinand Ziese. Der Hobby-Geschichtsforscher aus Holzen hat ordnerweise Informationen über die alte Burg zusammengetragen. Er kennt Geschichten über Geister, Ritter und über etliche Scharmützel, die sich dort abspielten. Und er kennt die Besonderheit der Anlage - den alten Wohnturm. "Der ist schon bemerkenswert", so Ziese.

Turm ist eine Besonderheit

"Das ist schon was Einmaliges für Dortmund", berichtet auch Henriette Brink-Kloke. Der Turm sei der einzige, der noch in so einem unverbauten Zustand sei, so die Archäologin. Ob das Einmalige auch für die kommenden Generationen schützenswert ist, wird sich bei der Denkmalprüfung durch die Untere Denkmalbehörde zeigen. Es könnte viel kaputt gegangen sein am 10. Juni dieses Jahres.